Die Entwicklung der Nationalmannschaft ist 100% ein Spiegel der Entwicklung von Deutschland an sich.
Als Resultat der letzten erfolgreichen Strukturreform Anfang der Nullerjahre, die als Reaktion auf eine Stagnation der Leistung Ende der 90er durchgeführt wurde, gab es Mitte der 10er-Jahre noch mal ein letztes Hurra, man wähnte sich für lange Zeit auf dem Gipfel und spuckte dicke Töne.
Tatsächlich geht es seitdem qualitativ steil bergab und man versagt öffentlich in allen wichtigen Leitungsmesspunkten. Aber in einer kuriosen Mischung aus satter Zufriedenheit und absolut rückgratlos-bürokratischer Entscheiderkultur zieht niemand die notwendigen Schlüsse und leitet eine weitere Strukturreform ein.
Stattdessen wird ein wenig lamentiert, dass früher doch alles besser war, jeder Verantwortliche weist die Verantwortung von sich, und ein paar glattgesichtige und farblose Lappen sorgen dafür, dass alles ohne den geringsten Veränderungsschmerz weiterläuft (womit vor allem ihre Posten gesichert sind), während an der Spitze ein weishaariger Alter, der früher mal Zähne hatte, heute aber nur noch ein konsequenzloser Grüßaugust ist, Durchhalteparolen sendet.
In zunehmender kognitiver Dissonanz erklärt man sich also weiterhin zur Weltmacht, während man seit 10 Jahren keinerlei messbare Resultate in diese Richtung liefert. Warum? Weil alle zu bequem sind, etwas daran zu ändern, und man persönlich ja weiterhin gut Geld verdient.
Und die Akteure auf dem Platz? Sind ein bisschen geknickt und sprechen auf den sozialen Medien darüber, wie traurig sie sind. Aber irgendwie ist immer noch genug Geld und Motivation für die Freizeit da, und das ist ja am Ende das Wichtigste.
Und das Volk? Wendet sich immer mehr von der ganzen Geschichte ab, und tut gelegentlich kund, dass es ja aber auch ein bisschen zu viele junge Leute und Farbige sind inzwischen, und dass das mit deutschen Tugenden und echten Kerlen alles besser laufen würde.
Polemik beiseite: Man hat jetzt die dritte WM nacheinander verkackt, aber das System DFB und speziell das System Nationalmannschaft weigern sich hartnäckig, in irgend einer Weise dafür die Verantwortung zu übernehmen und die notwendigen harten Schnitte durchzuführen. Man muss sich als Herausforderernation begreifen und mental jedes Spiel als Außenseiter angehen, man muss die Talent- und Ausbildungssituation komplett verändern (auch wenn dann die Vereine ein bisschen rumheulen), man muss eine ganze Reihe zahnloser Bürokraten in der DFB-Verwaltung und auf der Trainerbank hochkant rauswerfen.
Und selbst, wenn man das alles macht, muss man noch bereit sein, die Leistung auf dem Platz zu investieren. Bzw Leute finden, die diesen Anspruch vermitteln - und Leute, die ihn umsetzen.
Tja. Wenn sich der DFB wirklich offen und ehrlich diesem Projekt widmen würde, ich glaube, es könnte echt ein Ruck der Sympathie und Unterstützung durchs Land gehen. Aber ich fürchte stark, dass man sich dort lieber Gedanken über die nächste Werbekampagne für das neue NIKE-Jersey macht. Das übrigens 150 Euro kosten wird. #diemannschaft