Es wäre in seiner Situation natürlich das Beste, wenn er gar keine Interviews geben würde. Es gibt ja wenig Positives zu vermelden, und er ist auch kein Führungsspieler mit Kommunikationsanspruch nach außen - also kann es in Pressegesprächen eigentlich nur um seine individuelle Situation gehen, und die ist natürlich ausbaufähig. Also werden sich seine Aussagen um Gründe und Gefühle drehen, und da wird er irgendwie nie ein gutes Bild abgeben. Selbst wenn er eigentlich nur sagt "Das war jetzt gut, aber insgesamt ist schwierig, schau`n wir mal."
Aber man weiß ja nun, dass Tillman kein Spieler ist, der aus seinem Herzen eine Mördergrube macht. Der Junge braucht wirklich enorm viel Rückmeldung, glaube ich, am liebsten vom Trainer, ansonsten halt von der Öffentlichkeit. Das Emotionale ist bei ihm super wichtig, das sagt er selber und das kann man ihm auch abnehmen.
Als Führungskraft tut einem ein solcher Junge richtig weh, von dem man weiß, dass man ihn eigentlich vor allem in den Arm nehmen und ihn ein bisschen, ja, bevorzugen müsste, damit er sich verstanden und sicher fühlt und vielleicht die Chance hat, sein Potential mal abzurufen. - Auf der anderen Seite hast du aber 25 andere Jungs, die auch alle ihr gutes Recht auf ihre Chance haben, vielleicht sogar leistungstechnisch ein besseres Recht - und du als Verantwortlicher stehst ja auch enorm unter Erfolgsdruck und kannst einfach nicht den lieben Papa spielen, der seinem Jungen mal etwas Zeit gibt.
Bin mir nicht sicher, ob Tillman bei einem Club unserer Kragenweite wirklich glücklich werden wird. Hier ragt er einfach qualitativ nicht so heraus, dass er die notwendige Zeit und Geduld beanspruchen kann. Bei den USA, bei PSV, in Glasgow, da war oder ist er einfach im Kadervergleich so gut, dass er die Aufmerksamkeit und die Geduld des Trainers bekommt, ja bekommen muss. Bei den Bayern, oder bei uns, heißt es hingegen: Was, du fühlst dich emotional nicht so weit? Alles klar, dann spielt einer unserer anderen Stars.
Ich glaube, wenn Tillman bei uns wirklich durchstarten wollen würde, dann müsste er vor allem an der eigenen Einstellung arbeiten. Aber das ist, auch das sagt dir jede Führungskraft, das Allerschwerste: Skills kann ich trainieren - die Einstellung nicht. Wenn er halt diesen emotionalen Grundsupport braucht, dann muss er in eine Mannschaft, zu einem Trainer, die bereit sind, das in ihn zu investieren.
In Leverkusen wird das schwer. Selbst wenn wir hier mal einen absoluten Kumpeltypen als Trainer hätten - und Hjulmand ging ja schon in die Richtung - auch der müsste sich am Erwartungsdruck und der Restkaderqualität orientieren, nicht exklusiv an den Gefühlen eines Spielers.