Klar ist auch der beste Trainer gegen individuelle Fehler machtlos.
Aber man darf halt schon fragen (und mit Flekken hat das ja ein prominenter Spieler auch schon öffentlich getan), warum die Mannschaft mit so pomadiger Einstellung auf den Platz geht, warum offensichtliche Schwachstellen wie die RV-Position erst so spät korrigiert wurden, warum es scheinbar so gut wie gar kein effektives Coaching während des Spiels gab.
Und: Was war eigentlich unser grundsätzlicher taktischer Plan? Besser sein als der Gegner?
Ehrlich gesagt, hat sich Alonso auch ziemlich oft mit seinen Startaufstellungen vercoacht, aber er hat halt regelmäßig eingegriffen, die Mannschaft im laufenden Spiel gut umgestellt, und generell ein Klima geschaffen, in dem die Leute auch bis zur 98. Minute gefightet haben.
Nach unseren Erfahrungen mit Alonso, Ten Hag und Hjulmand müsste die sportliche Führung eigentlich inzwischen wissen, was für eine Art Trainer wir brauchen. Unsere Mannschaft ist heterogen zusammengesetzt, mentalitätsmäßig entsprechend eher schwach und kommt eher über das spielerische als über die Physis. Man braucht also einen Trainer, der die fehlende Kohäsion durch sein Charisma herstellen kann, der die Mannschaft menschlich begeistert und zu höherer körperlicher Anstrengung motiviert - und der eine solide Taktik vorgibt, an der das Team seine Spielfreude entwickeln kann.
Wir brauchen also keinen laptopschwingenden Taktikfuchs, wir brauchen keinen brüllenden Diktator - wir brauchen vor allem anderen einen Menschenfänger.
Mit Alonso hatten wir genau diesesn Typen (Schwächen im taktischen Bereich hat er durch gutes Coaching im Spiel ausgeglichen). Ten Hag war ein Autoritätsfürst, der unsere Sensibelchen quasi an Tag 2 schon verloren hatte. Und Hjulmand war ein relativ belangloser Kumpeltyp, der am Ende zu blass war, um dieses komplizierte Team weiter zu bringen.
Martinez hat während der Vorbereitung den Eindruck gemacht, dass er vor allem viel experimentieren wollte. Ein echtes Profil entwickelt oder gezeigt hat er noch nicht. Nach dem ersten Saisonspiel bleiben die Fragezeichen, welchen Plan er für uns hat, welchen Einfluss er auf unser Spiel nimmt.
Man muss natürlich sagen, dass es für einen Trainer auch die Pest ist, wenn er erst eine Woche nach Saisonstart die komplette Mannschaft beisammen hat, und wenn darüber hinaus noch 3, 4, 5 Spieler verletzt sind (dazu noch sehr auf eine Position konzentriert), dann verringert das auch die Möglichkeiten.
Aber dennoch: Dieses katastrophale Saisonstart sorgt bei mir viel eher für Sorge Richtung Trainerbank, als Richtung Spielermaterial. Wir haben gute Leute, man muss sie aber natürlich richtig einsetzen. Und es besorgt mich, wie krass das Martinez gestern nicht gelungen ist.