Warum würdest Du bei gleicher Skill-Situatioen Hans bevorzugen?
Na, weil ich natürlich ein Mega-Rassist bin! Was würde ich sonst in diesem Forum suchen? ![]()
Ok, schlechten Scherz beiseite, ich versuche mich mal an einer besseren Antwort. Trigger-Warnung, das ist wieder ein Offtopic-Roman, eilige Leser, fliehet dem.
Ich bin ja grundsätzlich der Meinung, dass man im Fußball ruhig lokalen Spielern und Trainern eine Chance geben sollte, wenn das Skillprofil es halbwegs zulässt. Wenn natürlich lokal nur Amateuerqualität zu haben ist, muss der ambitionierte Fußballverein sich in der Ferne umsehen. Aber ich glaube, gerade wir (27 Legionäre!) machen das aktuell in übertriebener Weise, und ich würde lieber wieder eine stärker lokal orientierte Ausrichtung sehen.
Erstens, weil Fußball ein Volkssport ist, und man dem Rechnung tragen, lokale Strukturen ausbauen und lokale Bezugspersonen förden sollte. Florian Wirtze wollen wir hervorbringen, nen Jung von hier, der es dann zum Weltstar schafft. Das ist nicht nur schön für die lokalen Kids, die dann ein Vorbild haben, sondern es schadet auch einem deutschen Verein nicht, über solche Spieler in der eigenen Nationalmannschaft vertreten zu sein. Das schafft - auch - Identität. Und ich habe die wahnwitzige Vorstellung, dass eine Mannschaft mit Identität zB in einer Krise (wie unsere aktuellen) kohärenter agiert als ein Team aus 23 Ich-AGs (Bremen-Spiel!), am besten auch noch trainiert von einer solchen.
Merke auf, ich sage nicht, dass die Nationalität automatisch und alleine zu solchen Strukturen führt; der Spanier Alonso hat bekanntlich aus unserer auch damals schon heterogenen Mannschaft eine super Truppe geformt. Aber der war auch in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Unter normalen Umständen ist die Chance höher, wenn die Mannschaft zumindest einen lokalen Kern hat, und bei uns ist dieser Kern ja sogar noch weiter abgebaut worden.
Zweitens aber auch, weil man sich durch den Import von Talenten, für die man dann Fantasiesummen bezahlt, in den unguten finanziellen Kreislauf begibt, der momentan durch die PL initiiert wird: Man vekauft alle guten Spieler (und Trainer), die man hat, und will das Geschäft möglichst wiederholen, also pumpt man das Geld in die ganze Welt und hofft, dass von den 14 Neuzugängen aus 13 verschiedenen Ligen einer oder zwei wieder für 50+ Millionen nach England gehen. - Da sehe ich persönlich lieber eine Liga, die auf eigene Talente setzt, die wenigstens irgend eine Form von Bezug zu einem Verein haben, und nicht nur für ein Jahr auf Durchgangsstation sind, sondern vielleicht auch einfach mal Bock haben zu bleiben.
Drittens, und für mich in der Diskussion wie gesagt am wichtigsten: Ich mag es nicht, wenn man einfallslose Lösungen mit schickem Namen von fernweg kauft, nur damit sie nicht mehr so einfallslos klingen. Überdurchschnittliche Fußballer und Trainer gibt es auch in Deutschland; das mag dann nicht so schick klingen, wenn man einen Marco Rose* oder einen Paul Nebel holt - eben weil wir diese Leute kennen und wissen, dass sie vielleicht überdurchschnittlich, aber nicht sensationell gut sind - aber nur, weil man stattdessen einen Thiago Motta oder einen Ben Seghir holt, werden diese Leute durch ihre Herkunft aus anderen Ligen nicht besser, als sie sind. Sie klingen nur besser, unbekannter, da kann man dann mehr Hoffnung projizieren als auf den Ex-Trainer vom BVB und den Spieler von Mainz, die man hier halt auch schon hat rumkrebsen sehen, während man von den anderen nur Youtube-Videos und coole Presseberichte kennt.
Aber trotzdem hat Rose einen besseren Punkteschnitt, und Nebel mehr Scorerpunkte.
Kurz gesagt: Wie im sonstigen Leben auch, shop local, wo immer möglich. `s ist gut für die lokale Infrastruktur. Lokaler Apfel schmeckt genau so gut wie Apfel aus Übersee. - Wenn du aber natürlich keine Apfelkuchen backen willst, sondern Bananenbrot, ja mei, dann musst du halt importieren, das versteht sich von selbst.
Ich finde es übrigens relativ befremdlich, dass man das überhaupt erläutern muss
und ich vermute, ich kann es auch nicht besonders gut (read: so, dass man es nicht auch fremdenfeidnlich auslegen könnte) formulieren, eben weil der Gedanke für mich so selbstverständlich (und völlig NICHT fremdenfeindlich gemeint) ist - guck doch erst mal vor deiner Haustüre nach, bevor du kompliziertere Lösungen suchst.
*Bitte nicht an den einzelnen Namen aufhängen; das sind nur Beispiele. Ich sage nicht, dass Motta ein schlechter Trainer und Ben Seghir ein schlechter Fußballer wären. Sie sind für mich nur Beispiel für eine Leistungsklasse, die man auch ohne Probleme in Deutschland finden würde.