Ich schaue 72 Minuten zu wie meine Mannschaft trotz aller Dominanz kein Scheunentor trifft und wechsel erst dann, wenn alle andere langsam müde sind, Kofane ein. Ja dann fehlt mir einfach der Mut. Klar müssen gestern mehr Tore fallen. Aber zur Wahrheit gehört auch das 8 von 11 Spielern Defensivspieler waren. Zur Halbzeit kommt mit Culbreath dann ein Greenhorn, dessen einziges Tor ein Konter in der Nachspielzeit bei bereits vorhandener Führung war. Hofmann und Tillman mögen wieder schlecht gewesen sein, kamen aber auch erst in der 81. Minute. Und was ist mit Poku? Aber was solls. Der Trainer ist hier nie für irgendwas verantwortlich. Torwartpatzer am laufenden Band, was kann der Trainer dafür? Defensive Unzulänglichkeiten, was kann der Trainer dafür? Grottige Halbzeiten mit unterirdischer Einstellung, was kann der Trainer dafür? Miserable Chancenverwertung, was kann der Trainer dafür? Wofür haben wir überhaupt einen Trainer, wenn die keinen Einfluss auf irgendwas haben? Aber der Trainer ist ja so nett und sympathisch, die Kriterien für einen Job in der Wohlfühloase Leverkusen.
Das ist reines Stammtischgepolter.
Kaum jemand hier nimmt Hjulmand aus der Verantwortung. Wir haben in der Rückrunde einige Spiele abgeliefert, in denen die defensive Grundordnung nicht gestimmt hat und/oder das Offensivspiel uninspiriert war. Eine spielerische Weiterentwicklung ist nicht zu erkennen und das bestreitet kaum jemand. Auch Dinge wie die Baustelle Flekken/Blaswich muss er sich ankreiden lassen.
Aber nach dem gestrigen Spiel reflexartig Hjulmands Kopf zu fordern, wie es der eine oder andere getan hat, zeigt für mich, dass es da eher um eine prinzipielle Sache geht anstatt um eine angemessene Einordnung. Wenn man 35 Torschüsse abgibt und es dabei wiederholt schafft, den Keeper aus 10m anzuschließen, finde ich es vollkommen absurd, auf den Trainer zu zeigen. Wie gesagt, dafür hat er in Monaten zuvor andere Anlässe gegeben, aber doch nicht gestern.
Das wiederum ändert nichts an der Gesamtschau, die für Hjulmand nicht positiv ausfällt. Er hat in einer extrem schwierigen Situation übernommen und uns schnell stabilisiert, die CL-Saison war überzeugend und wir werden sehen, was im Pokal passiert. Aber diese auffälligen Schwankungen und die fehlende Entwicklung sind natürlich seine Baustelle. Und nochmal, etwas anderes behaupten auch die wenigsten.
Und da kommen wir mal wieder zum Thema Komfortzone. Wir haben ETH nach 2 Spieltagen gefeuert. Aktuell kursieren Berichte, wonach wir uns schon mit Nachfolgekandidaten befassen. Nur weil man Aktionismus erwartet und der nicht eintritt, ist das doch keine Komfortzone.