Gerade dafür, dass wir nur EL spielen, verfügt der Kader über eine bemerkenswerte Breite und Tiefe.
Auf dem Papier war das eine wirklich starke Transferphase, auch wenn die von einigen schon angesprochene ausbaufähige Qualität im zentralen MF etwas kritisch gesehen werden kann. Xhakas wachsen nicht auf Bäumen, trotzdem hätte ich mir da noch einen Qualitätsspieler gewünscht. Ein Typ Leader/Organisator fehlt mir. Ich bin gespannt, wie sich in dieser zusammengewürfelten Truppe eine Struktur/Hierarchie entwickelt und wer vorangeht. Ich bin ein großer Fan von Tapsoba, aber ich habe ihn bislang nicht als den Typen wahrgenommen, der eine Mannschaft mitreißt.
Was mir zudem persönlich schwerfällt, ist dieser radikale Umbruch innerhalb kürzester Zeit und die strukturelle Ausrichtung. Im Sinne der Identifikation mit dem Verein war die letzte Zeit nicht förderlich. Ich spreche natürlich nur für mich, das kann jeder für sich bewerten.
Mir geht es dabei gar nicht um deutsche/nicht-deutsche Spieler (auch wenn ich den Wunsch, dass ein Bundesligaverein ein paar prägende einheimische Spieler im Team hat, durchaus nachvollziehen kann).
Ich verstehe, dass der Verein kreative Wege gehen muss, um ein bestimmtes sportliches Niveau zu erreichen/halten. Wir sind (trotz der Bayer-Milliarden...) kein Verein, der die finanziellen Mittel hat, um einkaufen zu können wie man will.
Die Loan-Army ist dabei ein Thema. Eine an sich clevere Vorgehensweise. Wir sichern uns günstig Talente, die wir bei ausbleibender Entwicklung ohne großartigen Verlust wieder verkaufen, bei guter Entwicklung dagegen teuer abgeben (siehe Alajbegovic, auch wenn das formal gesehen keine Leihe war) oder integrieren können (hoffentlich Onyeka). Aber mich hat dieses Modell schon bei Chelsea nicht abgeholt. Das ist ein riesiges Spekulationsprojekt. Wie gesagt, ich verstehe diesen Weg, aber in dem Ausmaß geht für mich etwas verloren.
Der andere Punkt ist der gefühlt vollständige Austausch des Kaders in recht kurzer Zeit. Im letzten Jahr kam viel zusammen, das muss ich nun nicht wiederholen. Pala und Grimaldo wollten nun weg, Andrich sollte es eigentlich.
Die Rückkehr von Diaby hat auf jeden Fall einen emotionalen Wert, aber wir haben kaum noch Spieler, die länger als 2-3 Jahre dabei sind. Es mögen gute Spieler sein, die emotionale Bindung ist mir aber etwas verloren gegangen. Mal sehen, wie sich das nun entwickelt.
Auch hatte unsere Transferstrategie teilweise für mich einen etwas unkoordinierten Eindruck. Der Kader wurde erst ordentlich aufgebläht und dann hat man geschaut, für welche Spieler sich Interessenten finden, um Platz zu schaffen. Das wirkte zumindest an mehreren Stellen so, da standen ja einige zur Disposition (Vazquez, Arthur, gefühlt das gesamte ZM bis auf Maza, Hofmann, Boniface). Natürlich muss sich ein neuer Trainer erstmal einen Überblick verschaffen, aber das war mE nicht der primäre Faktor.
Die Strategie wirkt für mich immer mehr wie im American Football. Man baut ein Team für ein kurzfristiges Projekt zusammen bis zum nächsten Rebuild. Eine langfristige, organische Entwicklung ist nicht mehr Priorität (oder machbar?). Im Football stört mich das nicht so, da gehört es mit Draft, Salary Cap usw dazu. Im Fußball ist es neu für mich und am Ende vielleicht eine Gewöhnungssache.