Gab paar spannende Aussagen im Interview mit der Rheinischen Post (Link)
ZitatAlles anzeigenNach dem letzten Saisonspiel 2024/25 in Mainz hatten Sie einen Abschied zumindest angedeutet, weil Sie mit Blick auf die WM regelmäßig spielen wollten. Dann kam Erik ten Hag und machte Sie zum Kapitän. Die Saison verlief allerdings nicht wie erhofft. Nun wird erneut über Ihre Zukunft gesprochen. Wie sehen Sie die Situation?
Andrich Ich lasse mich nicht davon beeinflussen, was geschrieben oder gesagt wird. Solange ich das Gefühl habe, sportlich wichtig zu sein, suche ich nicht von mir aus etwas Neues. Trotzdem schaut jeder Spieler, wohin die Reise geht. Darüber kann man als Sportler offen sprechen. Meine Aufgabe besteht darin, mich in die bestmögliche Position zu bringen und dem Trainer zu zeigen, dass ich spielen möchte. Sollte der Trainer oder die Vereinsführung irgendwann zu einer anderen Einschätzung kommen, muss man darüber reden. Ich ordne solche Situationen gern ehrlich und nach sportlichen Kriterien ein. Im Moment sehe ich keinen Grund, mich nach etwas Neuem umzuschauen. Natürlich gibt es Interessenten. Sie melden sich bei meinem Berater, und er informiert mich darüber. Ich sage dann: schön, aber ich bin hier. So ist das Geschäft.
Es hat Ihnen also bislang niemand gesagt, dass Sie sich einen neuen Verein suchen sollen?
Andrich Nein.
Sie haben in der vergangenen Saison die Kapitänsbinde übernommen. Haben Sie diese Rolle gern ausgefüllt, oder wurde die zusätzliche Verantwortung zeitweise zur Belastung?
Andrich Das wurde ich im Laufe der Saison häufig gefragt. Zu Beginn kamen viele Dinge zusammen, die das Fass vielleicht zum Überlaufen brachten. Die Mannschaft war nicht richtig zusammen, es gab an verschiedenen Stellen Probleme. Dann spielte der Kapitän nicht gut und sah zwei Rote Karten. Man kann deshalb zu dem Schluss gekommen sein, dass die Rolle mich zusätzlich belastet hat. Ich kann nur sagen, dass die Kapitänsbinde mit zunehmender Dauer der Saison keine Belastung mehr für mich war. Vielleicht hat sie unterbewusst etwas mit mir gemacht. Im Nachhinein empfinde ich das zum Glück nicht mehr so.
Was würde es mit Ihnen machen, wenn Sie in Leverkusen blieben, eine wichtige Rolle spielten, aber nicht mehr Kapitän wären?
Andrich Das können Sie mich fragen, wenn es so weit sein sollte. Natürlich würde eine solche Entscheidung im ersten Moment etwas mit mir machen. Entscheidend wäre, wie sie kommuniziert wird. Gerade bei solchen Fragen muss die Kommunikation ehrlich sein. Wenn ich das Gefühl habe, dass die Begründung ehrlich und nachvollziehbar ist, brauche ich vielleicht ein oder zwei Wochen, um mich darauf einzustellen. Am Ende geht es aber um die Mannschaft. Der Trainer muss entscheiden, wen er für den richtigen Kapitän hält. Diese Entscheidung gilt es zu akzeptieren. Aber ich würde lügen, wenn ich behauptete, das würde zumindest im ersten Moment nichts mit mir machen.
Wie erleben Sie die Arbeit mit dem neuen Trainer? Ist eine neue Energie zu spüren?
Andrich Das merkt man, und man kann es sogar hören: Auf dem Trainingsplatz gibt es deutlich mehr Lautstärke. Es ist ein starker Kontrast. Ich möchte nichts Schlechtes über Kasper Hjulmand sagen. Er ist ein sehr guter Mensch und hat viele gute Seiten. Für die Mannschaft, die wir hatten, war er aber nicht der richtige Trainer. Wir hatten viele junge Spieler, die viel Anleitung brauchten. Das hat nicht gepasst. Mit Carles (Martínez, Anm. d. Red.) haben wir nun jemanden, den man deutlich mehr hört. Er gibt viel mehr vor. Ich glaube, dass das für uns besser ist. Im Training ist eine gute Energie zu spüren. Trotzdem muss sich noch vieles finden. Es gibt einige neue Mitarbeiter im Staff. Sie stehen zwar nicht alle auf dem Platz, prägen aber auch das Training, die Arbeit im Kraftraum und die Abläufe neben dem Platz. Alle müssen erst herausfinden, wie der jeweils andere arbeitet. Das ist normal. Im Moment haben wir eine sehr gute Energie im Training. Das ist positiv.
Gab es bereits Gespräche darüber, ob Sie wieder in der Innenverteidigung oder künftig auf der Sechs spielen sollen?
Andrich Im Moment sieht es danach aus, dass ich wieder häufiger im Mittelfeld spielen werde. Das ist gut. Der Ausflug in die Innenverteidigung war kurz. Unter Xabi Alonso habe ich dort anfangs aus der Not heraus gespielt, später aus taktischen Gründen oder im Zuge der Rotation. In dieser Form war das in Ordnung.
Was muss sich an Ihren Leistungen ändern, damit Sie wieder selbstbewusst sagen können: Das muss für die Nationalmannschaft reichen?
Andrich Für meine Verhältnisse hatte ich in der vergangenen Saison zu viele schwächere Spiele. Normalerweise zeichne ich mich dadurch aus, dass ich konstant gut und manchmal sehr gut spiele, aber kaum einmal sehr schlecht. Wenn man in der Innenverteidigung spielt und die Mannschaft insgesamt nicht stabil ist, sieht man häufig schlechter aus, als man tatsächlich spielt. Es gibt unterschiedliche Anforderungen an einen Innenverteidiger. Wenn eine Mannschaft nicht kompakt verteidigt, hat der Innenverteidiger in der letzten Linie natürlich schlechtere Karten, als wenn das gesamte Team kompakt steht. Dann ist man hinten häufig die ärmste Sau. Mich hat immer ausgezeichnet, konstant gute Leistungen zu bringen. Dorthin muss ich wieder kommen.