Na klar, der Kapitän muss nicht unbedingt die Landessprache beherrschen. Es ist völlig ok, wenn das Sprachrohr der Mannschaft mit Mitspielern ("Die sind ja eh alles Ausländer!"), Trainern ("Unserer ist doch auch aus Spanien, und die anderen in der Liga glaube ich aucha alle!"), Schiedrichtern ("Die sprechen doch bestimmt alle Englisch!"), Offiziellen ("Und die auch!"), Fans ("Die wollen eh nur Bilder machen!"), den Medien ("Die schreiben doch eh, was sie wollen!") und seiner Oma ("Macht den besten Saumagen östlich von Dormagen!") in diversen anderen Sprachen spricht, kein Qualitätsverlust.
Unterdessen haben von den 17 anderen Bundesligavereinen 11 einen Deutschen als Kapitän, zwei einen in Deutschland geborenen Türken, drei einen ausländischen Deutschmuttersprachler (Schweiz/Österreich) und nur einer einen ausländischen Spieler ohne nativen Deutschbezug - der allerdings aus den Niederlanden stammt und seit 10 Jahren in Deutschland spielt. Egal. Die haben alle keine Ahnung.
Wie gesagt: Ich finde Eddy die bestmögliche Wahl, die wir treffen konnten, gönne es ihm, freue mich auf ihn als Kapitän. Aber es ist schon hart, dass wir mit unseren 24 Legionären (klare Spitzenposition in der Liga!) nicht nur keinen Deutschen, sondern sogar auch keinen Deutschmuttersprachler mit hinreichendem Kapitänsformat mehr in der Startelf haben. Wie gesagt, wenn überhaupt, kommen Flekken, Tapsoba oder vielleicht noch Schick infrage, und dann wären wir schon bei Leuten wie Tillman oder Maza, die natürlich absolut keine Qualifikation für den Job haben, außer eben "spricht deutsch und könnte regelmäßig auf dem Platz stehen".
Wir gehen schon einen extremen Weg mit dem internationalen Format unserer Mannschaft. Der Grund ist ja klar kommuniziert: Wir finden keine deutschen Spieler mit hinreichender Qualität, die für uns bezahlbar sind. Also schauen wir international. Der Lohn ist der sportliche Erfolg. Aber zu den Kosten gehört eben auch, dass die Mannschaft beliebig wird, dass sich unsere Wahrnehmung als Kunstprodukt in Deutschland erhöht - und jetzt eben auch, dass wir nicht mal mehr einen muttersprachlichen Kapitän finden.
Statistik: In allen Top-5-Ligen gibt es nur 8 Mannschaften, die mehr Legionäre haben als wir, darunter Teams mit 40-Mann-Kadern wie Chelsea und Venezia, oder Dependance-Teams wie Straßburg. Und es liegt nicht mal an unseren vielen, internationalen Jungtalenten: Unter diesen 8 Teams gibt es nur zwei, Como und Lecce, die einen (leicht) älteren Kader haben als wir. - Apropos: Wir haben ja aktuell noch 7 Spieler verliehen - auch davon 4 Legionäre.
Man kann echt nur hoffen, dass unsere sich andeutende Generation von jungen, deutschen Spielern - Culbreath, Eichhorn, Onyeka, Erlein, Alfa-Ruprecht - die notwendige Klasse entwickelt, um hier mal Spuren zu hinterlassen und dem Verein wieder so etwas wie eine lokale Identität zu geben. Tatsächlich ist es ja aber eher so, dass die meisten unserer deutschen Spieler im aktuellen Kader - Lomb, Oermann, Hofmann, Andrich - auf dem Abstellgleis stehen und ggf sogar noch gehen, und Blaswich, Eichhorn und Culbreath jetzt auch keine intensiven Stammplatzkandidaten sind. Gerüchte über Zugänge? Franzosen und Spanier... da geht noch was mit der europaweiten Nr. 1 im Legionärsranking!