Das sehe ich ganz anders. Natürlich hat UL ein Monopol und eine Machtposition, die die andere Fanszene nicht hat, ganz einfach. Das zu leugnen ist komplett albern. Ultras stellen die Capos, Ultras bestimmen die Playlist und Utras singen halt extrem spielunabhängig, was auf viele absolut einschläfernd und fast schon zermürbend wirkt.
Wenn man wirklich will, dass die Kurve selbst lernt Stimmung zu machen, dann muss man sie a) fordern und b) lassen. Gegen Frankfurt gab es sehr viel Eigeninitiative aus allen Teilen der Kurve. Das hat man einfach nicht wenn man gegen Lautsprecher und Dauersingsang ankämpfen muss...Das ist die Realität!
Ich gehe sogar soweit, dass die jetzige Art des Supportes eher stimmungsfeindlich als stimmungsfördern ist. Warum nicht einfach mal einen unabhängigen Capo stellen (einer der kein UL ist) oder einfach mal die Rolle des Capos neu definieren? Zum Beispiel einfach vom Zaun gehen und 4-5 mal im Spiel sich einfach auf das Koordinieren beschränken oder in extremen Leerlaufphasen eingreifen? Damit die Kurve eben gezwungen ist selbst aktiv zu werden.
Solange UL ihre Machtposition nicht lockert und die Kurve mal "machen lässt" wird alles eher schlimmer als besser. Meine Meinung.
Das trifft auf viele Ultragruppen zu, aber bei uns in Leverkusen ist das doch minimalst ausgeprägt. Schau doch mal in den Gästeblock: Wieviele Fanszenen schwenken 90 von 90 Minuten die großen Schwenkfahnen? Bayern hört noch nichtmal beim Gegentor auf zu wedeln :DBei uns gibt es da auch immer wieder Diskussionen und Streit drum, aber im großen und ganzen wird "Fahnen nicht in entscheidenden Spielphasen schwenken" respektiert.
Genauso mit den Capos: Die letzten Capos haben alle sehr stark darauf geachtet, was aus der Kurve kommt und versucht das sofort zu übernehmen. Das Problem ist, dass man manche Gesänge erst viel zu spät hört, da sie sich erst verbreiten müssen, vielleicht ist dann in der Zwischenzeit schon ein lauterer Gesang angestimmt worden und der Capo verstärkt dann schon diesen etc.
"Neutraler" Capo, kein Capo, Oldschool-Block...wurde ja alles schon mehrfach versucht. Wir hatten und haben seit jeher nur einen Stimmungskern, der in guten Spielphasen Einfluss auf dem gesamten Block nehmen kann, aber leider nicht, wie bei anderen Vereinen, verschiedene Stimmungszentren mit unterschiedlichen Standorten. SD4 und SD5 ist schon sehr passiv, obwohl voll mit jungen Leuten, eigentlich unverständlich
Ihr habt doch durchaus Recht und eure Meinung widerspricht doch gar nicht dem, was ich geschrieben hatte, sondern führt sie in einer sinnvollen Art und Weise fort. Ich habe doch lediglich erwähnt, dass die UL das Monopol nicht gewaltsam an sich gerissen hat, sondern dies durch Passivität der anderen gefördert wurde. Dies bezog ich übrigens nicht ausschließlich auf die 90 Minuten Support (oder eben nicht) im Stadion, sondern auf sämtliche fankulturelle Dinge. Dort hätte sich auch abseits der Lautsprecherbeschallung jeder viel mehr mit einbringen können.
Speziell was den Support angeht, kann man natürlich darüber diskutieren, wie es dazu gekommen ist. Als ich noch Vorsänger war, lief es ja noch in Teilen so ab, wie hier beschreiben. Es kam viel mehr aus dem Block, was ich übernehmen konnte, musste deutlich weniger selber anstimmen und koordinierte oft nur. Es war grundsätzlich viel spielbezogener. Das ist natürlich das Optimum, von dem wir heutzutage meilenweit entfernt sind. Kam es so, weil die Leute passiver wurden und der Vorsänger versucht hat, dies abzufangen und selber mehr und mehr gemacht hat? Oder kam es weil der Vorsänger immer mehr eigeninitiativ wurde und daraufhin die Leute verlernt haben, wie selbständiger, spielbezogener Support funktioniert? Beides vermutlich.
