Bayer-Fans und Geschichte

  • Zitat

    .... Überall auf den Europapokaltouren wird man POSITIV empfangen. Gerade in England haben wir einen sensationellen Ruf.


    Vor nicht allzu langer Zeit gab's im TV doch mal einen Bericht über einen englischen (Bayer04)Fan, der die Spielweise unseres Clubs und seine regelmäßigen Besuche hier im (Fan) Block als "..it's like a drug" beschrieb :levz1


    Die Szene in Lev. ist von großer Vielfalt und interessanten Typen geprägt. Das, und die immer noch fast familiäre Atmosphäre machen diesen Verein so einzigartig! :bayerapplaus

  • ich lese hier eigentlich nur 5 Buchstaben in fast jedem Beitrag
    und diese sind
    STOLZ
    stolz , Fan von unserem Verein zusein, so wie er ist,
    mit all seinen Macken und Tücken.


    wenn man im ganzen Forum das Genörgel so sieht,
    ist das hier mal ein lesenswerter Thread...

  • Zitat

    Original von portello


    Vor nicht allzu langer Zeit gab's im TV doch mal einen Bericht über einen englischen (Bayer04)Fan, der die Spielweise unseres Clubs und seine regelmäßigen Besuche hier im (Fan) Block als "..it's like a drug" beschrieb :levz1


    Die Szene in Lev. ist von großer Vielfalt und interessanten Typen geprägt. Das, und die immer noch fast familiäre Atmosphäre machen diesen Verein so einzigartig! :bayerapplaus


    Wobei das Familiäre mit zunehmendem Erfolg immer weniger wird.
    Früher konnte man sich ungehindert übers Vereinsgelände bewegen, heute sind zu jeder Tageszeit Sicherheitsleute im Einsatz.
    Bin letztens, im Schlepptau vom Heynckes, trotzdem drei mal aufgehalten worden, da musste unser Trainer jedes mal sagen das er gesagt hat ich solle mitkommen. Früher hätte es das nie gegeben ^^


    Aber so ist das nun mal und ehrlich ich will die erfolgreichen Jahre auch nicht eintauschen, obwohl es immer sehr schön war wie nah man dem Verein war.

    Erik Meijer: „Es ist nichts schei.sser als Platz zwei.“

  • Schön, dass hier etliche die Geschichte ähnlich wie ich sehen. Vollkommen richtig ist, dass wir uns hinter keinem anderen Club zu verstecken brauchen, nur weil wir weniger sind. Was zählt, ist die Leidenschaft. Und mit der Zeit werden es auch immer mehr begeisterungsfähige Fans sein, die im Stadion im wahrsten Sinne des Wortes den Ton angeben.
    Daher sollte es uns Leverkusener nicht kratzen, wenn die Mayas mit 3000 Sängern die Lautstärke bestimmen, es ist einfach (noch) so.


    Dass Erfolg sexy macht, wissen wir nicht erst seit Bernie Ecclestone. Übertragen auf den Fuppes: Es ist für den gemeinen Fußball-Interessierten schöner, sich im Glanz des Erfolgs (s)eines Clubs zu sonnen. Auch wenn man nur das Trikot der Bayern im Urlaub auf der Plautze durch die Gegend trägt, fühlt man sich wenigstens ein bisschen als Rekord-Meister.
    Bei uns sieht´s etwas anders aus. Wir sind "nur" Vizekusen, standen mehr als einmal vor dem nationalen Titel und haben, wenn´s drauf ankam, dann doch eins auf die Titel-Fr**** bekommen. Und dennoch tragen wir unsere Trikots mit Stolz. Wir sind bestimmt keine Erfolgsfans, wie der Großteil der Bauern-Fans. Oder schwärmen von den tollen Meisterschaften kurz nach der Steinzeit, wie es in Köln üblich ist, auch wenn dort der Großteil der jungen Fans (behaupte ich mal) noch nicht einmal vier Spieler aus den Meister-Teams zusammen bekommen. Aber Hauptsache: Da simma dabei,...


    Was mich in diesem Zusammenhang im Erscheinungsbild unserer Stadt stört, aber wohl für die meisten nur nebensächlich ist: Ich habe das Gefühl, in Lev. fahren mehr Autos mit FC-Aufklebern durch die Gegend als mit "unseren" Aufklebern. Klar, sagt das nichts über das Fan-Dasein aus, aber es hat Wirkung nach außen. Als ich letztens mit einem alten Studien-Kumpel, der nicht von hier kommt und FC-Fan ist, durch Lev. geiert bin, bemerkte er süffisant, dass es in Leverkusen wohl mehr Kölner- als Bayer-Anhänger geben würde. Er hätte in der kurzen Zeit schon mehrere PKWs mit dem Bock hinten drauf gesehen als mit einem Bayer-Kreuz. Seitdem achte ich auch drauf und es sind nicht nur die Wagen, die ein LEV-FC-???-Nummernschid haben, die mit der gestörten Ziege beklebt, durch die Gegend fahren.


    Zur Anmerkung des einen oder anderen, was die Vererbung angeht: Meine Jungs kommen auch mit ins Stadion, sind aber aufgrund ihres Alters noch nicht zu 100% an Fußball interessiert. Aber es kommt, wenn sie dabei bleiben. Nichts muss, alles kann. Aber ich kann dazu beitragen, dass sie am Ball bleiben. Brian the Lion übrigens auch und den lieben die beiden heiß und innig :levz1


    Also: Heute Schlacke weghauen oder wenigsten einen Punkt holen.


    In diesem Sinne: Aaaaarne Laaaarsen Öööööööökland!!!!!

  • Zitat

    Original von Ökland65


    Was mich in diesem Zusammenhang im Erscheinungsbild unserer Stadt stört, aber wohl für die meisten nur nebensächlich ist: Ich habe das Gefühl, in Lev. fahren mehr Autos mit FC-Aufklebern durch die Gegend als mit "unseren" Aufklebern. Klar, sagt das nichts über das Fan-Dasein aus, aber es hat Wirkung nach außen. Als ich letztens mit einem alten Studien-Kumpel, der nicht von hier kommt und FC-Fan ist, durch Lev. geiert bin, bemerkte er süffisant, dass es in Leverkusen wohl mehr Kölner- als Bayer-Anhänger geben würde. Er hätte in der kurzen Zeit schon mehrere PKWs mit dem Bock hinten drauf gesehen als mit einem Bayer-Kreuz. Seitdem achte ich auch drauf und es sind nicht nur die Wagen, die ein LEV-FC-???-Nummernschid haben, die mit der gestörten Ziege beklebt, durch die Gegend fahren.


    Tja, dafür kann ich dir auch einen Grund nennen (der sicher nicht komplett ausschlaggebend ist, jedoch sicherlich einen gewissen Anteil dran hat)


    Habe mich darüber auch schon in einem anderen Thread hier beschwert.
    Es gibt seit einigen Monaten keine weißen / silbernen Bayer-Aufkleber mehr zu kaufen und wenn man sich mal umsieht ist fast jedes zweite Auto schwarz (bzw dunkelfarben) und da sieht man nunmal (abgesehn von bunten, die aber nicht so "toll" bwz. dezent aussehen) silberne am Besten!
    Gerade auch jetzt in Zeiten der Abwrackprämie sind sicherlich viele Autos mit Bayer-Aufkleber von den Straßen verschwunden und es kommen kaum neue dazu, weil es die nicht mehr zu kaufen gibt! - Im Gegensatz zu jedem anderen Verein!


    Hab auch schon 2,3 Mails an Bayer deswegen geschickt - einige andere wohl auch. Hab letztens gehört, dass die evtl im Winterkatalog wieder drin sein werden... hoffentlich!

  • Zitat

    Original von PhilUSA
    Es gibt seit einigen Monaten keine weißen / silbernen Bayer-Aufkleber mehr zu kaufen!


    Abhilfe ist (lt. Email) in die Wege geleitet, nur der genaue Zeitpunkt (Verkauf) ist noch unklar. :levz1

    W11 ist echt das Sammelbecken, der geballten Doofheit ~Zitat~
    ...und immer öfter überfüllt:-/

    Einmal editiert, zuletzt von Marion ()

  • Unser Verein genießt weltweit wirklich einen sehr guten Ruf. Ich selber habe mehrere Jahre in den USA gelebt und konnte sehr zufrieden feststellen, dass Leverkusen hinter den Bayern der bekannteste Bundesligaverein ist, vor allem bei der spanischen Bevölkerung.


    Zu der Geschichte mit den LEV-FC Nummernschildern und Geizböcken auf der Scheibe..... ich finde das auch absolut widerlich


    Ich kann mir für meine Person zwar nicht vorstellen Fan von einer anderen Mannschaft als der meiner Heimatstadt zu sein, respektiere aber durchaus Leute, die sich mit einer anderen Mannschaft identifizieren. Ich selber habe gewisse Sympathien für Barcelona(auf einer untergeorndeten Ebene), da ich mit dem autonomen Strömungen der dortigen Fanszene sympathisiere.


    Aber es ist mir völlig unverständlich, wie man als Leverkusener auch nur die geringsten Sympathien für den FC haben kann. Dieser Verein vertritt ein Sendungsbewusstsein, dass jeden Leverkusener abschrecken sollte. Sendungsbewusstsein und Fussball? Wie soll das passen? Der FC steht für für ein aggressives kölner Kulturverständnis, welches einen alleinigen Geltungsanspruch in dieser Region beansprucht. Die Ursache für die Antipathien auf kölner Seite liegen nicht nur in Neid und Frustration, sondern in der Tatsache, dass Bayer04 ein Symbol der kulturellen Autarkie Leverkusens ist. Der kleinkarrierte FC-Fan regt sich unterbewusst wahrscheinlich darüber auf, dass sich die leverkusener Nachbarn nicht vor dem großen Köln verneigen wollen.


    Das Fansein hat für mich damit nicht nur einen sportlichen, sondern auch einen kulturell-politischen Wert.


    Das war jetzt bewusst etwas überspitzt ausgedrückt, aber vielleicht kennen einige die Gefühle, die ich damit ausdrücken will.


    So, entschuldigt bitte die Predigt :LEV6

  • Das war nicht überspitzt, sondern einfach nur super ausgedrückt!
    Ich finde die Beiträge in diesem Thread durch die Bank weg klasse! Ich hoffe, wir bewegen uns in Zukunft auf diesem Niveau weiter, damit nicht weiterhin der Eindruck entstünde, die Leverkusener wären die vernörgelsten Bürger unserer Gesellschaft... und glaubt mir... dieser Eindruck entsteht bei uns Auswärtigen oftmals! :LEV14
    Wir müssen uns vor keinem verstecken! Genau SO müssen wir in die Zukunft blicken!
    :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3 :LEV3

  • @ mert: Du hast ja keine Predigt von dir gegeben sondern nur auf einer anderen Ebene das Frustpotenzial unser "geliebten" Nachbarn treffend beschrieben. Ich kann mich dir da nur anschließen... Wenn man schon sonst nichts in Köln hat, kann man sich wenigstens immer noch für den Nabel der rheinischen Welt halten... :D


    Was die Aufkleber angeht: Auch ich war schon vor etlichen Wochen mal im Fan-Shop, um neue silberne Aufkleber zu besorgen. Dort teilte man mir mit, dass diese demnächst kommen würden. "Demnächst" scheint ein dehnbarer Begriff zu sein. Mir ist leider nicht klar, was so kompliziert daran ist, zeitnah neue Aufkleber zu besorgen, denn so etwas sollte man nicht am Weihnachtsgeschäft - wie es mir auch erklärt wurde - festmachen.
    Die Teile fehlen schließlich schon seit vielen Wochen...
    Aufkelber sind in der Beschaffung Cent-Produkte und Massenware; schnell zu fertigen und auch zu liefern. Da ich für eigene Veranstaltungen auch schon verschiedene Aufkleber habe anfertigen lassen, weiß ich, wie schnell so etwas gehen kann...

  • Am Samstag habe ich mir unser Spiel auf Schalke in einer Kneipe in Burscheid angeschaut (jaja, steinigt mich, das ich nicht vor Ort war...). Die Kneipe war sehr voll, aber fest in unserer Hand. Ich war total überrascht. Ich konnte nicht einen einzigen Schalker ausmachen und es waren nur zwei oder drei verstrahlte Ziegen dort. So etwas hätte es vor einigen Jahren niemals gegeben.

    "Some people think football is a matter of life and death. I don't
    like that attitude. I can assure them it is much more serious than
    that."

  • Wow, seit langem mal wieder ein Thread in dem ich glaub ich jeden Beitrag mit Interesse gelesen hab. :levz1
    Also zum einen find ich die Analyse sehr treffend. Ich war selber ein halbes Jahr in England, hatte da neben Engländern auch viel mit Franzosen etc. zu tun (Ich weiß, Gott sagt es ist falsch ein Franzose zu sein. :LEV8). Jeder Fußballinteressierte kannte Leverkusen eigentlich. Gerade die Engländer haben teilweise mit Graus an uns zurückgedacht. :levz1
    Zu den Veränderungen, die seit vielen Jahren hier stattfinden, kann ich auch noch eine Anekdote zum besten geben.
    Anfang der 90er Jahre als ich selber noch Jugendspieler war, waren nicht viele Jungs in meiner Mannschaft Bayer-Fans, obwohl alle aus LEV kommend. Die meisten waren Dortmund, Schalke oder Bayernfans, ein paar Ziegen waren auch dabei. Heute bin ich selber Jugendtrainer einer U 11 und ich muss sagen 80% der Mannschaft sind Bayer-Fans oder Anhänger. Ich denke in diesem Alter ist es noch schwer von "Fans" in dem Sinne zu sprechen. Jedenfalls gibt es nur noch einen FC-Anhänger, aber selbst der scheint sich nicht so schlüssig zu sein. :levz1
    Da ich in den letzten Jahren schon einige Jahrgänge erlebt habe, kann ich sagen, dass diese Entwicklung konstant ist und sich in den letzten Jahren noch verstärkt hat.

  • Das ist wirklich ein ganz toller Beitrag, prima Analyse, compliments!


    Da du dir schon diese große Mühe gemacht hast, möchte ich deine sehr treffenden Ausführungen gern um einige m.E. sehr wichtige Aspekte ergänzen.


    Zitat

    Original von Ökland65
    Wir waren nicht auf der Bildfläche als in den 60er und 70er-Jahren mit Einführung der 1. Bundesliga grundlegende Fan-Potenziale gesetzt wurden. Zwar gab es schon zu dieser Zeit Vereine wie den FC Schalke 04, der mit seinen diversen Meisterschaften aus den 30er-und 40er-Jahren für Begeisterung im Ruhrgebiet sorgte und damit auch eine Fan-Generation an sich band, doch die vor allem durch die Vermarktung und Medienpräsenz der 1. Bundesliga sowie den sich später ergebenen Europapokal-Spielen geschaffene Begeisterung der 60-er und 70er sowie der frühen 80er-Jahre stellte diese frühe Fan-Bindung noch in den Schatten.


    Da muss ich dir bezüglich des fett markierten Satzes widersprechen.
    Und das ist nicht etwa eine Kritik an deinen Ausführungen, wie du sogleich bemerken wirst;
    sondern im Gegenteil eine Bestärkung dessen, was du schreibst.


    Doch, Ökland65, wir waren auf der Bildfläche.
    Und zwar in den 15 Jahren vor Einführung der Bundesliga.
    Ich empfehle in diesem Zusammenhang mal das 1986 herausgegebene Buch "Fußball mit Herz" (Autoren: Wolfgang Kalcker, Richard Meiswinkel).
    Und darin explizit die Seiten 9 bis 22.


    Durch die Aufstiegsspiele zur Oberliga West Ende der 40er Jahre wurden die Menschen in und um Leverkusen regelrecht elektrisiert.
    Im alten Stadion am Stadtpark war im Mai 1948 der Teufel los.
    Auch wenn der Aufstieg nicht auf Anbhieb gelang, 20.000 (!!!) wollten das Aufstiegsspiel gegen den FC sehen.
    1951 war es dann soweit: Oberliga-Aufstieg.
    Bayer 04 spielte erstmals in der höchsten deutschen Spielklasse.


    Und die Fans strömten in den folgenden 5 Oberliga-Jahren für damalige Verhältnisse in Massen zu den Spielen.
    15.000 gegen Aachen, 17.000 gegen Düsseldorf, 19.000 gegen Schalke...
    Man mache sich in diesem Zusammenhang klar, dass die Zuschauerzahlen der Vereine in den Nachkriegsjahren weitestgehend aus Fans in der näheren Umgebung rekrutiert werden mussten, weil die meisten Menschen es sich (noch) gar nicht leisten konnten, ihre Mannschaft zu Auswärtsspielen zu begleiten.
    Die waren damals froh, wenn sie wenigstens das Geld für die Heimspiele aufbringen konnten.
    Erst mit dem zunehmenden wirtschaftlichen und sozialen Wohlergehen in den 60er und 70er Jahren kam das Phänomen tausender mitreisender Auswärts-Fans auf.


    Wusstet ihr, dass Bayer 04 1955 nur ganz knapp die Endrunde um die Deutsche Fußballmeisterschaft verpasste?
    Statt des Tabellendritten Bayer 04 schaffte es der heute längst vergessene West-Vize SV Sodingen aus Herne, zum Spiel gegen Sodingen kamen 16.000 Zuschauer in das Stadion am Stadtpark.
    Deutscher Meister wurde 1955 übrigens der damalige West-Meister und heutige Regionalligist Rot-Weiß Essen.


    Leider stieg Bayer 04 ein Jahr später ab. :LEV15
    Nach dem Oberliga-Abstieg 1956 gingen die Zuschauerzahlen in der Regionalliga - natürlich - zurück.
    Doch das grundsätzliche Interesse der Fans bröckelte nicht weg, es blieb erhalten.
    Selbst gegen Viktoria Köln kamen 15.000.
    Mit dem Wiederaufstieg in die Oberliga West 1962 war diese "Delle" endgültig überwunden, und die Fans strömten wie gehabt in Scharen.


    Ich schreibe das hier deswegen so ausführlich, um zu verdeutlichen, dass das Zuschauer-Interessse an Bayer 04 in den 40er bis 60er Jahren wesentlich größer (!!!) war, als zum Zeitpunkt des Bundesliga-Aufstiegs Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre.


    Und damit kommen wir zum Punkt.
    Und den hast du bereits richtig analysiert, Ökland65.
    Die todbringende Neuerung für unzählige deutsche Traditonsvereine wie z.B. Bayer 04, mit als schmerzlichster Konseqeunz einhergehendem dramatischen Fanverlust, war die Einführung der Bundesliga 1963.
    Und das betrifft weit mehr Vereine als nur Bayer 04.


    Denkt an den dreifachen Deutschen Meister SpVgg Fürth.
    An den zweifachen Vizemeister von 1950 und 1959, sowie späteren Pokalsieger von 1970, Kickers Offenbach.
    An den Vizemeister von 1951 Preußen Münster.
    An den Vizemeister von 1952 1.FC Saarbrücken.
    An den oben erwähnten Deutschen Meister von 1955 und Pokalsieger von 1953, Rot-Weiß Essen.
    Sie alle verschwanden nach Einführung der Bundesliga von der Bildfläche.


    Die einen wie die SpVgg Fürth oder Bayer 04 durch den Zwangs-Abstieg von 1963 sofort, andere wie Offenbach, Essen, Saarbrücken oder Münster schrittweise.
    Sie scheiterten schon bald an den gegenüber ehemaligen Oberliga-Zeiten künstlich aufgeblähten, und sich dadurch natürlich nachhaltig etablierenden Bundesligisten.
    Sie verloren nicht nur ihren Status der Erstklassigkeit.
    Sie verloren vor allem nach und nach ihre Fans.
    Das über 50 Jahre gewachsene Fanpotential für viele Vereine wandte sich den wenigen "Vereinen an der Sonne" zu.


    Von den unzähligen Vereinen, welche wie etwa Holstein Kiel z.T. über Jahrzehnte an den Endrunden zur Deutschen Meisterschaft teilnahmen, ganz zu schweigen.
    Oder davon, dass ein SV Alsenborn 1963 bei Einführung der Bundesliga als Vertreter des Südwestens sportlich qualifiziert war, aber aus fadenscheinigen sportpolitischen Gründen dem sportlich nicht qualifizierten 1.FC Kaiserslautern den Vortritt lassen musste...


    Zu diesem traurigsten weil mit sehr viel unsportlich durchdrungenem Geist verseuchten Kapitel "Bundesliga-Qualifikation" später mal weiter unten mehr.
    Ihr werdet euch wundern...

    Bayer 04 Leverkusen.
    Weil seit 1904 drin ist, was drauf steht.

  • Bergischer Löwe: Vielen Dank für deine tollen Ergänzungen! Mir war schon bekannt, dass es in Leverkusen bereits zu Oberligazeiten (hat mir auch mein Opa erzählt, der "damals" schon das gemacht hat, was sich heute einige unserer Fans auf die Fahne geschrieben haben: Er ist mit dem Rad nach Schalke gefahren... :LEV18) hohe Zuschauerzahlen gegeben hat; ich wollte dieses Thema aber nicht ausufern lassen. Aber da dieser Thread ja auf eine große Resonanz stößt, passt´s jetzt perfekt hier rein. Und ich glaube auch, dass dieser Fakt vielen Usern hier gar nicht soooo bekannt war.
    Man darf in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen, dass damals bei knapp 20.000 Zuschauern gefühlte 19500 Männer im Stadion waren. Keine (kaum?) Frauen, vielleicht noch ein paar Jungs oder Jugendliche. Wer mal Bilder aus dieser Fußball-Zeit betrachtet, wird sehen, dass das Publikum fast nur aus Männern bestand. Männer, die im Anzug oder mit Mantel und Hut im Stadion standen. Das sieht schon beeindruckend aus.
    Heute sind bei 30.000 in unserer Hütte viele Frauen und Kinder im Stadion; damals waren Frauen beim Fußball nahezu undenkbar. Warum das so war, würde an dieser Stelle zu weit führen...


    An dieser Stelle auch dank deiner Ausführungen mal wieder ein schöner Gruß an die Traditionsleugner :LEV19



    Und DANKE für den Buchtipp!!

  • Bitte, gerne.


    Und nun zum Thema ... hüstel ...


    Die "Qualifikation" :LEV17 zur Bundesliga (oder auch K.O.T.Z.)


    Zitat

    Original von Wikipedia
    Am 28. Juli 1962 beschlossen die Delegierten der einzelnen Landesverbände auf dem DFB-Bundestag im Goldsaal der Dortmunder Westfalenhalle schließlich mit 103:26 Stimmen die Einführung der Bundesliga zur Saison 1963/64.
    ...
    Das schließlich angewandte Auswahlverfahren bei der Suche nach den sechzehn Gründungsmitgliedern der Bundesliga war äußerst kompliziert. Der DFB beschloss einen Schlüssel, nachdem die Abschlusspositionen der Vereine in den Oberligen aus den Spielzeiten 1951/52 bis 1954/55 einfach, von 1955/56 bis 1958/59 zweifach und von 1959/60 bis 1962/63 dreifach gewertet wurden.


    Ihr habt das verstanden, ja?
    Es wurde im Sommer 1962 (also nach Saisonschluss) beschlossen, dass die bereits ausgetragenen insgesamt 11 Spielzeiten von 1951 bis 1962 rückwirkend als "Qualifikationsrunden" für die Bundesliga zu betrachten seien.
    Jeder kannte die Abschlusstabellen der Oberligen in den Jahren 1951 bis 1962.


    Schaut doch mal in die Oberliga-Abschlusstabellen der Jahre 1952 bis 1955, 1956 bis 1959 und 1960 bis 1962.
    Und dann fragt nochmal:
    Ja, warum denn wohl gerade 1963?!?


    Die Vereine, welche in die Bundesliga aufrücken sollten, standen 1962 am grünen Funktionärs-Tisch längst fest.
    Die 12. "Qualifikations"-Saison 1962/63 war eine lachhafte Makulatur.
    Und für die wenigen unerwünschten Fälle, wie z.B. den oben schon angeführten SV Alsenborn oder Hessen Kassel, wurde die mögliche, aber unerwünschte sportliche Qualifikation durch von den Funktionären willkürlich aufgebaute Hürden vorsätzlich unterbunden.


    Vor diesem Hintergrund versteht man auch, warum die Bundesliga-Gründung nicht gleich in den Nachkriegsjahren vollzogen (was nur logisch gewesen wäre), sondern damit bis 1963 gewartet wurde.
    Bei einem früheren Termin hätten aus Sicht der Funktionäre die Gefahr bestanden, dass zu viele "unerwünschte", oder nennen wir es doch beim Namen: "die falschen" Vereine sich für die Bundesliga qualifiziert hätten!


    Dazu ein Beispiel.
    Stellt euch einfach mal vor, die Bundesliga wäre z.B. bereits am Ende des ersten vom DFB definierten Päckchens, also am Ende der vier Spielzeiten 1951/52 bis 1954/55, und nicht erst 1963 eingeführt worden.
    Mit dem gleichen vom DFB definierten komparativen Qualifikations-Koeffizienten (entspricht in verkürzter Form 1 mal 4, statt 3 mal 4 Jahren im DFB-Modell).
    Dann hätte die Reihenfolge der Top 10 im Westen 1955 nämlich folgendermaßen ausgesehen:


    1.
    Rot-Weiß Essen
    1951/52 Platz 1 × Koeffizient 1 = 1
    1952/53 Platz 3 × Koeffizient 2 = 6
    1953/54 Platz 2 × Koeffizient 3 = 6
    1954/55 Platz 1 × Koeffizient 4 = 4
    Summe: 17


    2.
    Borussia Dortmund
    1951/52 Platz 4 × Koeffizient 1 = 4
    1952/53 Platz 1 × Koeffizient 2 = 2
    1953/54 Platz 5 × Koeffizient 3 = 15
    1954/55 Platz 4 × Koeffizient 4 = 16
    Summe: 37


    3.
    1.FC Köln
    1951/52 Platz 5 × Koeffizient 1 = 5
    1952/53 Platz 2 × Koeffizient 2 = 4
    1953/54 Platz 1 × Koeffizient 3 = 3
    1954/55 Platz 7 × Koeffizient 4 = 28
    Summe: 40


    4.
    Schalke 04
    1951/52 Platz 2 × Koeffizient 1 = 2
    1952/53 Platz 6 × Koeffizient 2 = 12
    1953/54 Platz 3 × Koeffizient 3 = 9
    1954/55 Platz 5 × Koeffizient 4 = 20
    Summe: 43


    5.
    Bayer 04 Leverkusen
    1951/52 Platz 6 × Koeffizient 1 = 6
    1952/53 Platz 10 × Koeffizient 2 = 20
    1953/54 Platz 7 × Koeffizient 3 = 21
    1954/55 Platz 3 × Koeffizient 4 = 12
    Summe: 59


    6.
    Preußen Münster
    1951/52 Platz 7 × Koeffizient 1 = 7
    1952/53 Platz 7 × Koeffizient 2 = 14
    1953/54 Platz 4 × Koeffizient 3 = 12
    1954/55 Platz 9 × Koeffizient 4 = 36
    Summe: 69


    7.
    Fortuna Düsseldorf
    1951/52 Platz 12 × Koeffizient 1 = 12
    1952/53 Platz 9 × Koeffizient 2 = 18
    1953/54 Platz 10 × Koeffizient 3 = 30
    1954/55 Platz 6 × Koeffizient 4 = 24
    Summe: 84


    8.
    Alemannia Aachen
    1951/52 Platz 3 × Koeffizient 1 = 3
    1952/53 Platz 5 × Koeffizient 2 = 10
    1953/54 Platz 9 × Koeffizient 3 = 27
    1954/55 Platz 11 × Koeffizient 4 = 44
    Summe: 84


    9.
    SV Sodingen
    1951/52 Platz 20 × Koeffizient 1 = 20
    1952/53 Platz 11 × Koeffizient 2 = 22
    1953/54 Platz 14 × Koeffizient 3 = 42
    1954/55 Platz 2 × Koeffizient 4 = 8
    Summe: 92


    10.
    MSV Duisburg
    1951/52 Platz 8 × Koeffizient 1 = 8
    1952/53 Platz 4 × Koeffizient 2 = 8
    1953/54 Platz 11 × Koeffizient 3 = 33
    1954/55 Platz 15 × Koeffizient 4 = 60
    Summe: 109


    Erstens einmal.
    Es braucht ja wohl kaum Phantasie, um nachzuvollziehen, dass in den 50er Jahren genau solche Rechenbeispiele wie dieses hier oben in allen Variationen hin- und hergewälzt worden sind.
    Um herauszufinden:
    Wie steht's?
    Wer wäre dabei, wenn wir jetzt handeln?
    Und das hat, wie ihr euch denken könnt, in den 50er Jahren halt nicht gepasst.
    Vor allem hatte Rot-Weiß Essen nach dem Krieg den Probanden S 04 und BVB den Rang abgelaufen, dieser Zustand durfte keinesfalls zementiert werden.
    Die "Lex Schalke" kennt man spätestens seit der Aufstockung der Bundesliga 1965 und dem Bundesliga-Skandal 1971;
    die "Lex BVB" spätestens seit dem noch in frischer Erinnerung gebliebenen Lizenz-Skandal rund um die Schulden-Ära Meier/Niebaum.
    Also:
    Nicht handeln, sondern warten, bis die Tabellen-Rechnungen so stimmen, wie man sie haben wollte; das war angesagt.


    Zitat

    Original von Wikipedia
    In Westdeutschland diskutierte man nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls über die Einführung einer landesweiten Profiliga.
    ...
    Wie bereits vor dem Krieg waren die Landesverbände von der Idee einer Bundesliga zunächst wenig begeistert. Auch der DFB hatte große Bedenken.
    ...
    Somit scheiterte auch ein erster Versuch zur Gründung der Bundesliga auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag 1958 in Frankfurt.


    So was aber auch.
    1962 stimmten die Quotienten und Koeffizienten, und prompt erfolgte der Beschluss.


    Und zweitens einmal.
    Wären vom DFB bei einer Bundesliga-Gründung 1955 die gleichen regionalen Gesichtspunkte wie jene von 1963 angewendet worden, dann wären für den "Ruhrpott" Rot-Weiß Essen und Borussia Dortmund, für die Rheinregion der 1.Köln und Bayer 04 Leverkusen, und für Westfalen Preußen Münster in die Bundesliga aufgerückt.
    Nicht aber der MSV Duisburg und - vor allem liebe Freunde! - auch nicht Schalke 04.
    Und z.B. die SpVgg Fürth statt dem 1.FC Nürnberg.
    Tennis Borussia oder Viktoria 89 Berlin statt Hertha BSC.


    Wer weiß, womöglich wären unter diesen Umständen Rot-Weiß Essen, Bayer 04, die SpVgg Fürth und Tennis Borussia Berlin schon seit über 50 Jahren Bundesliga-Establishment, und andere wären es nie geworden.
    Was muss das in Funktionärsköpfen für ein Szenario des Grauens gewesen sein...


    Als einziger Ausweg blieb nur die Manipulation, eine möglichst gesellschafts- und mehrheitsfähige natürlich.
    Ein sportlicher Wettbewerb fand nicht statt.
    Dieser hätte nur stattgefunden, wenn beschlossen worden wäre, nicht vergangene Spielzeiten rückwirkend; sondern künftige Spielzeiten (z.B. die nächsten 3 Spielzeiten) als Qualifikation zu spielen.
    Die ganze Bundesliga-Gründung war ein einziger unglaublicher, durch und durch unsportlicher und in der Sportgeschichte einmaliger Akt von Willkür, Strippenzieherei und Protektion.


    Die Bundesliga wurde nicht aus Erwägungen des sportlichen Wettberwerbs ins Leben gerufen, sondern aus rein sportfunktionalen, machtpolitischen und protektionistischen Gründen.


    Fazit, Ökland65:
    Das Fanaufkommen wurde nicht erst nach Einführung der Bundesliga 1963 rekrutiert.
    Nein, rekrutiert wurde es bereits in den 20er bis 50er Jahren.
    Aber mit der Einführung der Bundesliga wurde es einigen wenigen Vereinen zu-, und vielen anderen Vereinen wegmanipuliert.

    Bayer 04 Leverkusen.
    Weil seit 1904 drin ist, was drauf steht.