Werbung

Werbung

You are not logged in.

1

Thursday, October 15th 2009, 10:33pm

Bayer zu Besuch beim alten Trainer

Von Stephan Klemm, 15.10.09, 21:29h, aktualisiert 15.10.09, 23:15h

Am Samstag trifft der Tabellenführer auf den zweitplatzierten HSV. Und Bruno Labbadia. Die Gefahr, dass Leverkusens Spieler gegen den alten Trainer übermotiviert sein könnten, besteht nicht. Das sagt zumindest dessen Nachfolger.

LEVERKUSEN - Erst mal rein ins Stadion und dann sofort nach ganz unten, Spielereingang, Richtung Hamburger SV und an die Kabine anklopfen. Das hat Wolfgang Holzhäuser am Samstagabend in der Hamburger Arena vor. Der Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen möchte eine Hand schütteln, eine besondere Hand, und es ist die Frage, ob seine Spieler dasselbe tun würden, aber sie sind ja auch nicht Holzhäuser. Der sagt: „Einer meiner ersten Wege wird mich am Samstagabend zu Bruno Labbadia in die Kabine führen. Ich will ihm »Guten Tag« sagen.“ Bruno Labbadia. Jetzt Trainer des HSV. Bis zum Ende der vergangenen Saison Trainer von Bayer 04. Am Samstag (18.30 Uhr) treffen sich beide Teams im Norden, zum Spitzenspiel: Der Zweite empfängt den punktgleichen Ersten. Hamburg gegen Bayer. Labbadia gegen Leverkusen. Oder Leverkusen gegen Labbadia. Alles wird richtig sein.

Labbadias Ab schied aus Leverkusen verlief ungewöhnlich. Die Leistung der Mannschaft stimmte am Ende nicht mehr, sie wurde immer schlechter. Dabei lief zu Beginn alles perfekt: Platz eins im Herbst 2008, nach 13 Spielen und 28 gesammelten Punkten. Doch es folgten in den 21 verbleibenden Partien nicht mehr als 21 weitere Punkte. Bayer 04 spielte in der Rückrunde gelähmt, zurückhaltend, ängstlich. Unzufriedenheit mit dem Trainer und seinen Methoden, seinen Ideen, seinem Spielsystem, das nur einen defensiven Mittelfeldspieler vorsah? Der Negativtrend spricht dafür. Dann kam das Pokalfinale.

0:1 hat Bayer damals, Ende Mai, gegen Bremen verloren. Am Tag vor dem Endspiel wurde ein Interview vorab veröffentlicht, in dem Labbadia (43) über seinen Arbeitgeber geschimpft hat. Der Zeitpunkt verblüffte - direkt vor dem Bayer-Spiel der Saison. Labbadia fühlte sich von dem damaligen Manager Michael Reschke gemobbt. Der habe intrigriert und die Spieler gegen ihn, Labbadia, aufgebracht. Labbadia vermutete „eine Kampagne“ gegen sich. Ein „Weiter so“ könne es nicht geben.

Holzhäuser und Sportchef Rudi Völler wollten Labbadia halten, die Mannschaft sprach sich eher gegen den Trainer aus. Auffällig ist, dass es keinen Bayer-Profi gibt, der sich in einem Interview rund um den Finaltermin - und auch davor - positiv über Labbadia geäußert hätte. Im Gegenteil. Stürmer Patrick Helmes schimpfte offen über Labbadia, Bernd Schneider auch und der sensible Renato Augusto beklagte sich über für ihn allzu unsensible Menschenführung. Holzhäuser sagt jetzt: „Rudi Völler und ich haben mit allen Spielern über die Angelegenheit Labbadia gesprochen. Ja, es gab Bedenken von Spielern, mit Labbadia weiterzumachen. Aber es gab auch Spieler, die mit ihm weiter machen wollten.“ Aber dann habe sich die Frage nicht mehr gestellt: „Labbadia wollte weg. Wir haben ihn gehen lassen“, sagt Holzhäuser.

Die Inhalte des Interviews und seine Platzierung „waren sehr, sehr unglücklich“, findet Holzhäuser, der auch eine Empfehlung für seinen ehemaligen Trainer hat: „Labbadia muss Sensibilität bei der Durchsetzung seiner Vorstellungen entwickeln. Er hat bei uns versucht, alles durchzudrücken, was ihm wichtig war. Fingerspitzengefühl für Situationen entwickelt sich aber erst im Laufe eines langen Berufslebens. Das fehlt ihm noch.“

In Hamburg kompromissbereiter

In Hamburg scheint Labbadia kompromissbereiter, zumindest hat er sein Taktik-Mantra aufgelöst: Er lässt nun mit zwei defensiven Mittelfeldspielern arbeiten, David Jarolim und Zé Roberto. Wobei das eine der offensichtlichsten Varianten der Liga ist. Änderungen fallen ihm aber trotzdem immer noch schwer. Am Donnerstag ist Labbadia gefragt worden, ob er seine Arbeitsweise geändert habe, ob er milder und rücksichtsvoller im Umgang mit Spielern sei. Oder genauso wie vorher in Leverkusen. Seine Antwort: „Ich bin wie vorher.“

Bayer 04 Leverkusen präsentiert sich im Herbst 2009 als eine gereifte Mannschaft mit nun zwei defensiven Mittelfeldspielern, der gewiss auch die einzige Ergänzung - Sami Hyypiä - einen Quantensprung in Stabilität und Konstanz bescherte: 20 Punkte nach acht Spielen, sechs Siege, zwei Unentschieden. Bayer ist Tabellenführer. Wobei Labbadias Saisonstart in Hamburg identisch war: sechs Siege, zwei Unentschieden. Platz zwei, es fehlt nur ein Treffer in der Tordifferenz gegenüber Bayer.

Es ist gut möglich, dass Labbadias Nachfolger Jupp Heynckes zurzeit ein leichtes Spiel hat mit seiner Elf, die sich vor allem nach Ruhe sehnte, Ausgeglichenheit, einer normalen Ansprache, Kompromissbereitschaft. Für das alles steht Heynckes. Die Gefahr der Übermotivation im Bayer-Spiel eins gegen Labbadia sieht Heynckes zunächst nicht: „Ein Spieler muss in jedem Spiel motiviert sein.“ Aber Heynckes sagt auch: „Es gibt Spieler, die noch eine Schippe zulegen bei einer besonderen Situation. Das kann auch diesmal möglich sein.“

http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1246884013002
Ein Löwe stirbt nie - er schläft nur

This post has been edited 1 times, last edit by "Grimaudino" (Oct 15th 2009, 11:41pm)