Das ist schon eine harte Nummer – und für Robert Andrich persönlich sicherlich eine große Enttäuschung. Nach einer ziemlich turbulenten Vorsaison, in der er noch Kapitän war, und der verpassten WM – aus sportlicher Sicht zu Recht verpasst – scheint er nun auch bei seinem Verein kaum noch gefragt zu sein. Kapitänsbinde weg, Stammplatz offenbar ebenfalls und plötzlich steht sogar seine Zukunft im Verein infrage.
Dass das bei seiner Frau, die ohnehin sehr Social-Media-affin ist, zu einer schnellen und vermutlich nicht bis ins Letzte durchdachten Reaktion führt: sei’s drum.
Ich persönlich kann dem Spieler und auch dem Menschen Robert Andrich wenig vorwerfen. Er ist geradlinig. Bei ihm weiß man ziemlich genau, was man bekommt – und eben auch, was man nicht bekommt. Fußballerisch hat er seine Grenzen, dafür bringt er Leader-Qualitäten mit, die ich in unserem Kader momentan nicht im Überfluss sehe. Er kann vorangehen, Dinge klar ansprechen und dürfte gerade für jüngere Spieler ein gutes Sprachrohr und eine wichtige Bezugsperson sein.
Deshalb bedaure ich diese Entwicklung durchaus.
Was mich an der ganzen Geschichte aber am meisten irritiert: Wie kann es sein, dass es offenbar derart stark von der jeweiligen Einschätzung eines Trainers abhängt, ob ein Spieler Kapitän und auch dadurch ein Aushängeschild des Vereins ist oder kurze Zeit später praktisch zum Verkaufskandidaten wird?
Das ist mir zu einfach und vor allem zu schnelllebig. Natürlich muss ein Trainer sportliche Entscheidungen treffen und darf dabei auch vor großen Namen nicht zurückschrecken. Aber bei Spielern, denen man zuvor bewusst Verantwortung, Führungsrollen und damit auch eine gewisse Bedeutung für die Identität einer Mannschaft gegeben hat, erwarte ich vom Verein etwas mehr Kontinuität. Solche Strukturen und Personen sollte man meines Erachtens nicht im Eilgang austauschen, nur weil sich die sportliche Hierarchie unter einem Trainer verändert.