Posts by BayAddict

    Wirklich interessant (im Sinne von bestürzend), wie sich hier – wieder mal – ohne jede Kenntnis der Hintergründe und ohne dass es schon irgendwelche konkrete Fakten gäbe rein aus Spekulation und Ressentiments eine hysterische Anti-Haltung gegen Verein/Geschäftsführung hochschaukelt und manche auch noch stolz sind, einer reinen Dreckschleuder wie der Bild Munition geliefert zu haben. Für mich persönlich ein willkommener Anlass für einen guten Vorsatz für das neue Jahr.


    Mal wieder ein Beitrag der "voll ins Schwarze trifft" - Danke! Sowas hat langsam echt Seltenheitswert im Forum hier. :bayerapplaus

    Der Kapitän gibt die Richtung vor: LARS BENDER fordert gegen Lazio Rom mehr Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.


    Stefan Kießling ließ sich nicht locken. Das Spitzenspiel in der Münchner Allianz-Arena am kommenden Samstag war (noch) kein hema für den Leverkusener an diesem Wochenende: „Wir haben nach Rom das Hannover-Spiel sehr gut angenommen. Aber die Partie bei den Bayern interessiert mich jetzt null. Wir haben am Mittwoch gegen Lazio das wahrscheinlich wichtigste Spiel der Saison vor uns.“


    Es geht um Geld, um viel Geld. Und es geht um eine Menge Image. Rund 20 Millionen Euro nimmt ein Verein wie Bayer Leverkusen im Schnitt in der Königsklasse ein. Eine Etage tiefer, in der Europa League, bleibt vielleicht ein Viertel dieser Summe übrig. Zu wenig, um auf Sicht die Spieler halten zu können, mit denen man in der Spitze bleiben will. Ohnehin muss die Bayer Leverkusen Fußball GmbH mit verhältnismäßig geringen Investitionen am aufgeregten Markt operieren, die Bayer AG verhält sich als Besitzer vergleichsweise deutlich zurückhaltender als etwa der VW-Konzern.


    Die sportliche Ausgangslage nach dem Hinspiel ist nicht berauschend. Doch die schon nach der 0:1-Pleite von Rom präsentierte Zuversicht scheint ungebrochen bei den Leverkusenern: „Es war psychologisch gut, dass wir gewonnen haben. Es war ein guter Test“, analysierte Christoph Kramer nach Hannover. „Es wird ähnlich intensiv wie in Rom“, prophezeit Kapitän Lars Bender und fordert: „Wir müssen kaltschnäuziger sein, bestmöglich ein frühes Tor machen, um das Ergebnis auszugleichen. Dann ist es ein ganz offenes Spiel.“


    Die fehlende Abgezocktheit vor dem gegnerischen Tor ist eines der Kernthemen in Leverkusen. Die Mannschaft tritt couragiert auf, beherrscht meist den Gegner, es fehlt lediglich das eine oder andere Tor. Was gegen Teams wie Hofenheim oder Hannover reicht, kann gegen Lazio Rom ins Auge gehen.


    Bis auf Charles Aranguiz und die Langzeitverletzten Ömer Toprak und Tin Jedvaj kann Schmidt auf alle Prois zurückgreifen. Kyriakos Papadopoulos, der in Hannover von André Ramalho gut vertreten wurde, kehrt in die Startelf zurück, ebenso Karim Bellarabi und Heung-Min Son.
    FRANK LUßEM



    Quelle: kicker-Printausgabe vom 24.08.15

    Erheblichen Respekt vor Gegner Leverkusen zeigt MIROSLAV KLOSE (37). Der Lazio-Stürmer erwartet zwei intensive Spiele auf Augenhöhe.


    Vor dem Duell mit dem Bundesligisten hofft der deutsche Ex-Nationalspieler auf einen Sieg seines Teams im Hinspiel.


    Herr Klose, ist Lazio schon bereit für die Play-offs in der Champions League gegen Bayer Leverkusen, obwohl die Serie A noch nicht begonnen hat?
    Wir müssen bereit sein. Ich hoffe, dass wir ganz schnell wieder unseren Wettkampf-Rhythmus finden und mit der gleichen Effizienz spielen werden wie über weite Strecken der vergangenen Saison. Der Termin ist lange bekannt, also müssen wir funktionieren.
    Wer ist Favorit: Lazio oder Leverkusen?
    Ich glaube, da begegnen sich zwei Teams absolut auf Augenhöhe, da wird es ganz wichtig sein, weniger Fehler zu machen als der Gegner, damit wir das Spiel für uns entscheiden.
    Was macht die Leverkusener besonders gefährlich?
    Bayer Leverkusen ist eine kompakte und sehr homogene Mannschaft, die von Trainer Roger Schmidt taktisch extrem gut eingestellt sein wird. Ich habe die Jungs auch in der vergangenen Saison ein paar Mal gesehen, sie haben mir wirklich imponiert.
    Welche Leverkusener Problemzonen können Sie Ihrem Trainer und Ihren Mitspielern bei Lazio verraten?
    Das Leverkusener Autobahnkreuz! Spaß beiseite: Ich glaube wir sind gut beraten, die wenigen kleinen Schwächen für uns zu erkennen und hoffentlich auszunutzen.
    Ist es für Leverkusen ein Vorteil, dass das erste Spiel in Rom stattfindet?
    Vorteil hin oder her, wir wollen versuchen, das Spiel in Rom mit der Unterstützung unserer Fans für uns zu entscheiden. Ich erwarte da zwei sehr intensive Spiele.
    Was ist für Sie ein gutes Ergebnis im Hinspiel?
    Ganz einfach: ein Sieg.
    War die jetzige Saisonvorbereitung die letzte Ihrer großen Karriere? Oder macht es mit geschmeidigen 37 Jahren umso mehr Spaß, sich auf diesem Niveau zu messen?
    Ich spiele, solange ich noch richtig Spaß habe und mir keiner der Jungen einfach so davonläuft. Aber meine volle Konzentration gilt jetzt erst mal der Saison mit Lazio, in der wir sehr sehr gerne in der Champions League spielen würden. Was danach kommt, kann ich heute noch nicht sagen.
    INTERVIEW: K. WILD


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 17.08.15

    Die Verletzung von Lars Bender (26) könnte dafür sorgen, dass der Chilene sein Debüt in der KÖNIGSKLASSE feiert.


    Bangemachen gilt nicht. Schon gar nicht, wenn man erst 19 ist und einer der besten Mittelstürmer der vergangenen Jahre auf das Duell wartet. Also sagt Bayer Leverkusens neuer Innenverteidiger Jonathan Tah: „Mir persönlich macht es mehr Spaß, gegen große Namen zu spielen, weil man dann seine Qualitäten zeigen kann.“ Der große Name gehört in diesem Fall Miroslav Klose, einer Legende also und mit 37 Jahren fast doppelt so alt wie Tah. Und heiß darauf, den Landsleuten den Sprung in die Königsklasse zu vermiesen.


    „Diese Partie fühlt sich wie ein Achtelfinale an“, sagt Christoph Kramer, der die legendäre Hymne erstmals hören wird. Man habe sich einen „psychologisch guten Moment“ geschaffen durch den Sieg im Auftaktspiel gegen Hoffenheim, befand der Nationalspieler, „jetzt werden wir alles dafür tun, in Rom ein gutes Ergebnis zu erzielen. Wir wissen, was auf uns zukommt, die Römer aber ebenso.“


    Optimismus für das Spiel in der „Ewigen Stadt“ löste die Partie gegen Hoffenheim auch beim Trainer aus: „Wir fliegen nun mit einem sehr guten Gefühl nach Rom und sind sehr zuversichtlich für die Play-off-Spiele“, resümierte Roger Schmidt. Spätestens seit Samstag weiß er, dass er sich im Zweifelsfall auch auf seine gut besetzte Bank verlassen kann. Sportchef Rudi Völler und Manager Jonas Boldt haben dem Trainerteam in der Tat einen Kader zur Verfügung gestellt, der trotz der Abgänge von Simon Rolfes, Stefan Reinartz und Gonzalo Castro auch international etwas auf die Beine stellen kann. „Wir haben“, konstatierte auch Kramer, „schon eine enorme Qualität in der Breite.“


    Diese erlaubt es dem Trainer nun auch trotz der Sorgen um Lars Bender, relativ gelassen nach Italien zu fliegen. Der Kapitän – ohnehin gehandicapt durch eine beim Pokalspiel in Lotte erlittene Oberschenkelprellung – zog sich am Samstag bei einem Sturz eine Rückenblessur zu, wurde am Sonntag intensiv behandelt. Hinter seinem Einsatz steht ein Fragezeichen.


    Sein Fehlen würde eventuell die Premiere von Charles Aranguiz nach sich ziehen, der am vergangenen Donnerstag für die kommenden fünf Jahre verpflichtet wurde, rund 12 Millionen Euro zahlt Bayer an Internacional Porto Alegre. Der Chilene ist für die Sechser-Position vorgesehen, könnte neben Kramer zum Einsatz kommen. Um seinen Platz bangen muss Hakan Calhanoglu, der gegen Hoffenheim offensiv reichlich uninspiriert auftrat, erst gegen Ende als Sechser ein paar Aktionen hatte.
    FRANK LUßEM



    Quelle: kicker-Printausgabe vom 17.08.15

    Christoph Kramer, der bei all seinen Interviews ein ständiges Lächeln im Gesicht zu tragen scheint, war auch im Falle des jungen Kollegen nicht um einen lockeren Spruch verlegen: „Er ist unser Bär. Ein richtiges Schlachtschiff“, lobte er nach den 90 Minuten Debütant Jonathan Tah. Am 19-Jährigen hatten sich die Geister geschieden: Packt er die Bundesliga? Oder geht man mit ihm in der Innenverteidigung Risiko?


    Seit Samstag weiß man auf jeden Fall, dass der Junioren-Nationalspieler in der Lage ist, Akzente zu setzen. Ob Kevin Kuranyi oder Kevin Volland – Hoffenheims prominente Sturmspitzen blieben wirkungslos gegen Bayers Abwehr. Und Tah bestach durch Schnelligkeit, gute Antizipation und Zweikampfhärte: „Wir haben beim Gegentor ein bisschen geschlafen, aber nach dem Rückstand Charakter gezeigt und nicht mehr viel zugelassen“, freute sich der „Bär“. Es sei gerade auf seiner Position wichtig, Ruhe auszustrahlen, „das versuche ich in jedem Spiel“, so Tah, der Vertrauen spürt und Vertrauen zurückzahlen will. „Das bin ich der Mannschaft schuldig. Ich habe mich hier vom ersten Tag an sehr wohlgefühlt.“


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 17.08.15

    Bayer tat sich schwer, ehe JULIAN BRANDT (19) und ADMIR MEHMEDI (24) für die Wende sorgten. Sie stehen für die neue Qualität in der Breite.


    Das mit dem Sprinttraining nach dem Spiel kannte Admir Mehmedi (24) so nicht. „Aber warum nicht, ich bin ja eben nur eine halbe Stunde gelaufen“, lachte der Schweizer, der in der Kürze der Zeit einen maßgerechten Einstand in Leverkusen gefeiert und genau das gezeigt hatte, was man sich von ihm wünscht: Zielstrebigkeit gepaart mit feiner Technik, großer Handlungsschnelligkeit und Übersicht vor dem Tor.


    Der Ex-Freiburger kam nach einer Stunde, Julian Brandt (19) vier Minuten später und in der 71. Minute sorgten die beiden im Duett für die Entscheidung in einer Partie, die holprig begonnen hatte und überzeugend beendet wurde.


    „Wir haben versucht, den Unterschied zu machen. Das ist mir und Julian heute gelungen“, analysierte Mehmedi, der betont, „dass man immer von Anfang an spielen will“, aber mit Vernunft und Selbstdisziplin an die Sache geht: „Wir haben eine unheimlich hohe Qualität im Kader. Aber der Trainer kann eben nur elf Mann aufstellen. Es ist wichtig, die Minuten zu nutzen, die man bekommt.“ Dies gelang den beiden, die somit Werbung in eigener Sache betrieben, nach ihrer Einwechslung zeigte sich Bayer wie ausgewechselt: „Es ist wichtig, nach einem Rückstand das richtige Gesicht zu zeigen“, sagte Brandt, der Schütze zum 2:1, „wir haben das heute geschafft.“


    Ein Manko blieb: „Wir haben viele Angriffe nicht konzentriert zu Ende gespielt und es deshalb versäumt, den Sack zuzumachen“, kritisierte Stefan Kießling.


    Damit verhinderten die Bayer-Profis nicht nur die Einwechslung ihres neuen Kollegen Charles Aranguiz (26), den Roger Schmidt nach einer endgültigen Entscheidung sicherlich gebracht hätte. So erschien ihm der Einsatz nach nur zwei Trainingseinheiten, die der Neuzugang mit den Kollegen absolvierte hatte, doch zu riskant. Seine Mannschaft setzte damit auch fort, was bereits in der vergangenen Saison so manchen Punkt gekostet hatte. Bei 14 teilweise glasklaren Möglichkeiten nur zwei Treffer – das ist – gerade angesichts der großen Qualität in der Offensive – ein echter Arbeitsansatz für das Trainerteam.


    Doch unter dem Strich bleibt eine couragierte Leistung nach viel zu hektischem Beginn. Und die Erkenntnis, dass die Bayer-Spieler mittlerweile in der Lage sind, während des Spiels ohne Hektik und Chaos auf Ballbesitzfußball umzustellen, auf Kombinationen und den Versuch, im richtigen Augenblick den Konter zu fahren. Diese Flexibilität könnte dafür sorgen, dass Bayer eine stärkere Hinrunde spielt als in der vergangenen Saison. Was nicht unwichtig wäre angesichts der Konkurrenz aus Dortmund und Schalke, die sich offensichtlich nicht mehr mit der Rolle des Jägers zufriedengeben wollen.
    F.L.

    Quelle: kicker-Printausgabe vom 17.08.15

    Deutscher Rekord: Leverkusen muss zum fünften Mal in die Qualifikation. Scheitern ist erneut verboten, sagt HEUNG-MIN SON (23).

    Drei Spielzeiten lang wirbelte Son beim HSV, nun geht Südkoreas Fußballer des Jahres 2014 in seine dritte Saison mit Bayer Leverkusen. Der 134-malige Bundesligaprofi (41 Tore) spricht sehr gut Deutsch und wirkt gereift.


    Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Lazio aus dem Lostopf gezogen wurde, Herr Son?
    Unser Ziel ist es, die Play-offs zu schaffen, Champions League zu spielen. Da ist Lazio ein sehr starker Gegner. Ich bin gespannt darauf, was uns da erwartet.
    Viel mehr Qualität geht also nicht als Gegner?
    Keine Frage, das ist schon Champions League, das hat nichts mit Qualifikation zu tun. Es wird eine sehr schwierige Aufgabe gegen einen Gegner, der sicherlich sehr heiß sein wird. Aber das sind wir auch.
    Einer der Stars von Lazio heißt Miroslav Klose. Was denken Sie über ihn?
    Boah! Als ich zehn Jahre alt war, hatte ich keine große Ahnung vom Fußball. Aber ich kannte die Spieler, die Tore schossen. Die Jungs wie Ronaldo und Klose haben mich interessiert. Klose schoss bei der WM 2002 viele Tore. Seitdem beobachte ich ihn. Er ist ein unglaublich guter und erfolgreicher Stürmer.
    Er ist 37 Jahre alt, 14 älter als Sie. Ist es für Sie vorstellbar, so lange zu spielen?
    Er ist unfassbar! Vor ihm habe ich allergrößten Respekt. Er schießt ja heute noch viele Tore, ist vor einem Jahr Weltmeister geworden und Rekordschütze bei Weltmeisterschaften. Kompliment! Natürlich kann man von solch einem Spieler lernen. Ganz einfach, weil er offensichtlich alles richtig gemacht hat.
    Ein Profi hat heute eine Menge Stress mit vielen Spielen, vielen Reisen. Ist so eine lange Karriere heute noch denkbar?
    Ich will versuchen, so lange wie möglich durchzuhalten. Es wäre doch traumhaft, jetzt noch 14 Jahre Champions League zu spielen. Ich versuche alles dafür zu tun. Fußball ist mein Leben, und was das angeht, sind Spieler wie Klose Vorbilder.
    Sie gehen in Ihr sechstes Bundesligajahr. Fühlen Sie sich mit 23 Jahren immer noch als junger Profi? Oder nur dann, wenn Sie auf Ihr Geburtsdatum schauen?
    Nach so vielen Jahren in der Liga fühle ich mich nicht mehr so jung.
    Sind Sie bereit, mehr Führung und Verantwortung zu übernehmen?
    Das muss man irgendwann machen, ja. Wir haben einige Spieler, die jünger sind als ich. Julian Brandt, Jonathan Tah, Tin Jedvaj, Ryu, auch Hakan Calhanoglu. Ich habe eine Menge Erfahrung gesammelt, national und international, und versuche Verantwortung zu übernehmen. Ich bin im Alter zwischen den Jungen und den Älteren, da kann ich ein bisschen vermitteln. Die Bereitschaft ist auf jeden Fall da.
    Letzte Saison erzielten Sie in den Play-offs gegen Kopenhagen zwei Tore. Sind das die Spiele, an die Sie sich gerne erinnern?
    Klar. Sie haben uns aber auch das Leben ganz schon schwer gemacht – vor allen Dingen im Hinspiel. Es waren sehr intensive Spiele.
    Vor allem waren es offensiv geführte Spiele. Wird das gegen die Italiener nun anders? Taktischer?
    Das erwartet man von italienischen Teams, klar. Dass sie gut stehen und kontern. Aber wer weiß schon, wie das Spiel sich entwickelt? Wichtig ist, dass wir unser Spiel durchziehen. Wir wollen Champions League spielen, die Hymne öfter hören.
    Was – außer der Hymne – macht die Champions League aus?
    Jeder Fußballer will dort einmal spielen. Als ich klein war, war es mein Traum, diese Hymne auf dem Rasen zu hören. Und dann habe ich sie zum ersten Mal live in Old Trafford gehört. Dem Stadion, in dem ich schon als Junge spielen wollte. Ich war ein großer ManUnited-Fan. Champions League zu spielen macht mich stolz. Ganz einfach.
    Welchen Stellenwert genießt die europäische Champions League in Ihrer Heimat?
    Einen sehr hohen. Die Fans stehen mitten in der Nacht auf, um zuzuschauen. Jeder weiß dort um die Qualität des europäischen Fußballs.
    Welche Resonanz erfahren Sie auf Ihre Leistungen, etwa wenn Sie zwei Tore in einem Spiel schießen wie vorige Saison in St. Petersburg?
    Da wird schon sehr groß berichtet. Aber das liegt auch daran, dass ich der einzige Koreaner bin, der Champions League spielt. Deshalb spielt Leverkusen in meiner Heimat eine große Rolle. Wenn ich ein Tor mache, wird es noch krasser.
    Sie werden in Südkorea verehrt wie ein Pop-Star. Wie wird man damit fertig?
    Ich mag das durchaus. Man muss das einfach genießen, auch wenn es manchmal natürlich anstrengend ist. Dafür arbeite ich hart. Es ist auch ein Ansporn, noch mehr zu arbeiten, noch mehr für den Erfolg zu tun. Die Zuneigung zeigt mir, dass ich gut gearbeitet habe. Aber das muss ich bestätigen.
    Woran müssen Sie besonders arbeiten? An der Torquote zum Beispiel? Zuletzt trafen Sie in jedem dritten Pflichtspiel. Ist da noch Luft nach oben?
    Auf jeden Fall. Grundsätzlich will ich in jedem Spiel treffen, das ist doch klar. Aber es ist schon schwer, in der Bundesliga über zehn Tore pro Saison zu schießen. Das habe ich jetzt dreimal geschafft.
    Ihnen als Flügelspieler scheint das System, das Ihr Trainer spielen lässt, sehr entgegenzukommen.
    Ja, das auf jeden Fall. Aber es gibt darüber hinaus noch Dinge zu verbessern. Ich kann ruhiger vor dem Tor sein, ab und zu den Kopf hochnehmen, nicht direkt abschließen.
    Ist die vorige Saison erst dann eine erfolgreiche, wenn man die Play-offs übersteht?
    Eine ganz schwere Frage. Prinzipiell bin ich zufrieden mit der vergangenen Saison. Klar haben wir ein paar Punkte verschenkt. Das ist normal: Da war der neue Trainer, das neue System. Wir mussten uns umstellen und einspielen. Aber ich betrachte die vorige Spielzeit als abgeschlossen. Lazio ist in der neuen Saison.
    Gegen diese Mannschaft kann man auch mal ausscheiden. Käme die Teilnahme an der Europa League der Teilnahme am „Cup der Verlierer“ gleich?
    Darüber denke ich nicht nach. Wir wollen gewinnen, und wir sind gut genug, das zu schaffen. Ich glaube, dass es sehr schwer wird. Aber ich habe volles Vertrauen.
    Sie leben seit knapp sieben Jahren in Deutschland, beherrschen die Sprache sehr gut. Träumen Sie schon in Deutsch?
    (lächelt) Das kann ich gar nicht sagen. Ich vergesse immer sehr schnell, was ich träume.
    Wie viel Deutschland steckt in Ihnen?
    Ein wenig schon, das ist richtig. Die Zeit hat mich verändert. Als ich in der Sommerpause nach Südkorea in Urlaub flog, holte mich mein Bruder am Flughafen ab. Wir unterhielten uns, plötzlich lachte er. Ich fragte ihn, was er hat. Er guckte mich an, sagte: Du sprichst so komisch. Was ist los? Ich hatte tatsächlich einen deutschen Akzent in meinem Koreanisch. Ich brauchte wirklich zwei Tage, um wieder normal zu reden.
    Was bedeutet Ihnen die Heimat?
    Sehr viel. Sehen Sie: Bernd Leno kommt aus der Nähe von Stuttgart, und er vermisst seine Heimat, nutzt jede Gelegenheit, um dorthin zu fahren. Und genauso vermisse ich Korea. Das ist nur ein bisschen weiter. Es ist wichtig, dass meine Eltern mit mir hier sind. Koreanisches Essen vermisse ich dann auf keinen Fall – das ist wie ein Stück Heimat.
    Mit Ihrem Nationaltrainer sprechen Sie …
    Ja, mit Herrn Stielike spreche ich Deutsch. Ich finde es toll, dass er in Korea lebt, sogar versucht, Koreanisch zu reden. Er ist ein guter Trainer, mit dem wir Erfolg haben. Ich spüre sein Vertrauen, versuche ihm zu helfen, auch mit der Sprache.
    Mittlerweile spielt eine Handvoll koreanischer Profis in Deutschland. Gibt es ab und zu Treffen zwischen Ihnen?
    Es ist schwierig, der Spielplan lässt wenig zu. Aber wir versuchen uns zu treffen. Wir haben eine Whats-App-Gruppe und telefonieren oft.
    INTERVIEW: FRANK LUßEM



    Quelle: kicker-Printausgabe vom 17.08.15

    Ein Hering sei er früher gewesen, so LARS BENDER (26). Inzwischen ist er einer der Anführer des Bayer-Teams.


    Beim letzten Test gegen Chievo Verona (3:1) führte er die Mannschaft aufs Feld. Gut möglich, dass Lars Bender das Kapitänsamt von Simon Rolfes übernimmt. Er ist einer der wenigen Erfahrenen im Kader von Bayer Leverkusen. Den jungen Mitspielern aber traut er eine Menge zu, er persönlich will sich steigern – und hat dabei die Europameisterschaft im Visier.


    Herr Bender, fühlen Sie sich momentan älter, als Sie sind?
    Warum, wegen der harten Vorbereitung?


    Nein, weil Sie mit gerade mal 26 schon zu den wenigen Älteren im Kader von Bayer Leverkusen gehören.
    Stimmt, mit Mitte 20 spielt man hier im Training bei Alt gegen Jung ganz klar bei den Alten.


    Gonzalo Castro ist weg, Emir Spahic und Simon Rolfes ebenfalls – wie kann diese fehlende Routine aufgefangen werden?
    Ich habe mit Stefan Kießling neulich mal frühere Mannschaftsfotos durchgeblättert, und es ist schon bemerkenswert, dass wir jetzt als Einzige übrig geblieben sind. Aber was heißt schon Routine? Routine kann man auch mit 23 haben, wie zum Beispiel Bernd Leno. Neulich habe ich mir die deutsche U 21 bei ihren EM-Spielen angesehen, da haben einige ja schon fast 100 Bundesligaspiele hinter sich. Wir haben in Leverkusen auch viele ganz junge Spieler, die schon eine Menge erlebt haben. Die sind ja mit Anfang 20 viel weiter, als wir es waren.


    Wen meinen Sie?
    Julian Brandt zum Beispiel, der kam als 18-Jähriger rein und hat sich gleich bewiesen in der Bundesliga. Oder Jonathan Tah, meine Güte, was für ein Athlet. Ich bin noch nicht mit ihm zusammengeprallt, aber das tut definitiv weh. Und der ist erst 19 – ich war mit 19 Jahren noch ein Hering.


    Gegen Verona zeigte Bayer starke Form. Hatten Sie Bedenken nach den ersten, mäßigen Testspielen?
    Null, das war für mich ohne Bedeutung. Es ist ja logisch, dass wir nicht die Intensität runterfahren, nur um mal ein starkes Ergebnis da stehen zu haben.


    Die Hinrunde der vorigen Saison verlief holprig, auch weil sich die Spieler erst an den neuen Stil unter Roger Schmidt gewöhnen mussten. Startet Bayer diesmal automatisch stärker, weil gewisse Abläufe nun schon bekannt und eingeübt sind?
    Wir starten nicht bei null, das ist natürlich klar. Aber die neuen Spieler brauchen Zeit, das geht sicher nicht von heute auf morgen. Denn das ist ein Stil, der nicht so einfach ist, weil wir uns nicht am Gegner orientieren, sondern dem Ball folgen. Das klappte in der Rückrunde schon richtig gut, da müssen wir wieder ansetzen.


    Sie persönlich waren mit der vergangenen Saison nicht durchweg zufrieden. Wo sehen Sie noch Steigerungspotenzial?
    Ich war sicher nicht ganz so auffällig wie sonst. Vor einem Jahr habe ich in der Vorbereitung durch meine Verletzung viel Zeit verloren und bin erst später richtig in Fahrt gekommen. Aber es geht sicher besser, da ist Luft nach oben.


    Dann empfehlen Sie sich auch wieder für die Nationalmannschaft? Oder ist das für Sie kein Thema mehr?
    Tja, im März bin ich nicht eingeladen worden, ich stehe momentan hintendran. Das war schon ein Signal, aber ich habe das nicht abgeschrieben. Ich weiß, es wird hart, weil wir gerade im Mittelfeld viele Weltklassespieler haben. Aber klar ist die EM mein Ziel. Ich war 2012 dabei, ich weiß, was das für ein geiles Turnier ist. Nach meinem bitteren Aus kurz vor der WM will ich diesmal dabei sein.
    INTERVIEW: OLIVER BITTER



    Quelle: kicker-Printausgabe vom 03.08.15

    ... Dort nicken wir dann brav die "du musst mir erklären warum man hier Leverkusen -Fan wird" Sprüche ab und dann nehmen wir um 12:55 h den Zug...

    :bayerapplaus
    Herrlich - das kommt einem sowas vo bekannt vor! :D Aber genau DAS macht uns Bayer-Fans wahrscheinlich oft aus - UND ICH BIN STOLZ DRAUF! BIn gerne ein "Exot" & kann wunderbar über die Klischee-Bestätigung von "Fans" von (üblicherweise) B**ern, Doffm**d, Schlacke, ... etc. abschmunzeln.


    BAYER RULES!!! :LEV2
    :LEV3 :LEV3 :LEV3

    Ein bisschen mehr wie Manuel Neuer möchte BERND LENO (23) spielen. Und Leverkusens Keeper träumt von Berlin.


    AUS LEVERKUSENS TRAININGSLAGER IN ZELL AM SEE BERICHTET OLIVER BITTER


    Vier Testspiele, kein Sieg: Auch beim 1:1 bei RB Salzburg spielte Bayer wenig glanzvoll. Die Werkself kommt noch nicht auf Touren. Torhüter Bernd Leno sieht das mit seiner üblichen Gelassenheit.


    Für Sie war es nach dem Sonderurlaub und erst drei Trainingstagen das erste Match. Wie groß ist denn der Appetit auf Fußball schon wieder nach der frustrierenden U-21-EM, Herr Leno?
    Ich habe die drei Wochen Pause richtig genossen. Aber wenn ich dann sehe und höre, dass die Jungs in Leverkusen schon wieder auf dem Platz sind, dann will ich natürlich auch nicht mehr die Füße hochlegen.
    In der U 21 erhielt Marc-André ter Stegen den Vorzug. Dann gab es bei der EM auch noch das Aus im Halbfinale mit einem deprimierenden 0:5 gegen Portugal. Wie sehr belastet Sie denn diese EM-Erfahrung?
    Natürlich will ich immer spielen, aber Horst Hrubesch hat erklärt, dass es eine enge Entscheidung war. Das muss ich so akzeptieren, auch wenn es natürlich frustrierend war. Aber ich habe deshalb ja keine Kabinentüren eingetreten. Insgesamt waren es zwei tolle Jahre mit der Mannschaft und sicher keine verschenkte Zeit.
    In Leverkusen sind Sie zu einem der besten Keeper Deutschlands gereift und mittlerweile einer der wenigen erfahrenen Spieler im Kader. Wie merkwürdig ist es denn, wenn altbekannte Mitspieler wie Simon Rolfes und Gonzalo Castro auf einmal fehlen?
    Das war schon merkwürdig in der Kabine, ich kenne Bayer Leverkusen ja nur mit Simon und Gonzo, das waren über lange Jahre die Gesichter des Klubs und führende Figuren. Simon hat das überragend gemacht, hat nie die Ruhe verloren und war unglaublich gut darin, die jungen Burschen anzuleiten. Ich habe in meiner ersten Zeit auch unheimlich von ihm profitiert. So eine Figur ist schwer zu ersetzen.
    Nun kommt Bayer Leverkusen vor allem mit viel Talent, aber wenig Routine daher. Wie lassen sich diese Verluste denn auffangen?
    Das wird sich zeigen. Stefan Kießling ist schon lange dabei, auf ihn wird es noch mehr ankommen, dazu Lars Bender und Ömer Toprak – wir haben ja jetzt keine Jugend-Mannschaft am Start. Sie werden noch mehr Einfluss nehmen. Wenn die Sonne scheint, kann jeder glänzen. Aber wenn es mal schlecht läuft, dann zeigen sich die richtigen Typen, die vorangehen. Und ich bin sicher, dass wir die haben.
    Wie sehr stört es Sie, dass es in der Vorbereitung bisher noch keinen Sieg gab?
    Das würde ich nie zu hoch bewerten. Wir haben doch schon 100-mal erlebt, dass eine Mannschaft in der Vorbereitung alle Gegner zerlegt und dann im Pokal gegen einen Drittligisten ausscheidet.
    In der vorigen Saison hatten Sie sich vorgenommen, im Schnitt nur ein Gegentor pro Spiel zu kassieren. Das ging in der Rückrunde genau auf mit 17 Gegentoren in 17 Spielen. Zeit also, die Ansprüche ein wenig höher zu schrauben?
    Nein, nein, lassen wir das mal so. Am Anfang der Saison wollten wir noch zu viel, und es war ja klar, dass es etwas holprig wird, weil wir uns in einem neuen Spielsystem zurechtfinden mussten. Aber so, wie es in der Rückrunde lief, das muss unser Maßstab sein.
    Und dann kommt wieder Platz vier dabei heraus?
    Das ist das Mindestziel, alles andere wäre für mich ein Rückschritt. Auch wenn wir natürlich sehen, dass Wolfsburg sicher nicht schwächer wird, dass Gladbach etwa mit uns auf Augenhöhe ist, dass auch Schalke sicher kommt, von den Bayern ganz zu schweigen. Und Dortmund wird garantiert nicht noch mal eine so schwache Hinrunde spielen wie in der vorigen Saison.
    Wo sehen Sie bei sich persönlich noch Luft nach oben?
    Vor allem beim Mitspielen. Also: ein bisschen mehr Manuel Neuer. Unser System bietet ja die überragende Möglichkeit, als Torhüter den Raum abzudecken, wenn wir weit aufgerückt sind. Situationen erkennen und früh klären, das ist bei uns unabdingbar für den Torwart. Das ist genau mein Spiel, und daran kann ich sicher noch arbeiten.
    Höchstens ein Gegentor im Schnitt, mindestens Platz vier in der Bundesliga – was sind die weiteren Ziele für die neue Runde?
    Zunächst mal, die Play-off-Spiele zu überstehen und in der Gruppenphase der Champions League dabei zu sein, das ist klar. Und dann vielleicht mal über das Achtelfinale hinaus im Rennen zu sein. Wer weiß? Und dann habe ich noch einen anderen Traum.
    Nämlich?
    2009 war ich in Berlin, als Bayer im Pokalfinale gegen Werder Bremen 0:1 verlor. Wir sind bis jetzt meist im Viertel- oder Achtelfinale rausgeflogen, das muss sich unbedingt ändern. Ich habe über diese besondere Atmosphäre gestaunt, ganz Deutschland schaut auf dieses Spiel: Das möchte ich auch erleben.



    Quelle: kicker-Printausgabe vom 23.07.15

    LEVERKUSEN: Hoffnung auf Aranguiz-Transfer


    AUS LEVERKUSENS TRAININGSLAGER IN ZELL AM SEE BERICHTET OLIVER BITTER


    Oben auf der Areitalm, auf 1400 Metern Höhe, wich ein wenig Anspannung von Heung-Min Son und Wendell. Die Fahrt mit der Gondel zum Sponsorenempfang oberhalb von Zell am See traten die beiden Bayer-Profis mit gemischten Gefühlen an. Mit dabei im Bayer-Tross, der mit zünftiger Blasmusik empfangen wurde, auch Jonathan Tah, Neuverpflichtung für die Innenverteidigung. „Ich will mich möglichst schnell in der Bundesliga etablieren“, kündigte der Hüne an. Womöglich wird es für ihn schneller ernst als gedacht.


    In der Viererkette ist Ömer Toprak gesetzt; um den Platz neben ihm bewerben sich neben Tah, der für 7,5 Millionen vom HSV kam, noch Kyriakos Papadopoulos und Tin Jedvaj, die beide aber mit Blessuren zu kämpfen haben bzw. hatten. Der kantige Grieche nimmt nach seiner Schulteroperation gerade erst wieder Fahrt auf, Jedvaj, der eine Einblutung am Oberschenkel erlitt, wird für den Rest des Trainingslagers wohl nicht mehr mit der Mannschaft trainieren.


    So ergibt sich wohl schon am Dienstag gegen RB Salzburg für Tah die Möglichkeit, Punkte zu sammeln. In der vorigen Saison gefiel der Hüne (1,92 Meter, 90 Kilo), ausgeliehen an Fortuna Düsseldorf, bis zum Jahreswechsel mit starker Form, bevor auch er in der Rückrunde deutlich nachließ. Zu Beginn imponierte er durch große Ruhe am Ball sowie starkes Stellungsspiel. „Schnell, robust, technisch versiert, er wird uns weiterhelfen“, erwartet Rudi Völler. Tah selbst hat sich vorgenommen, „explosiver zu werden“; gegen wendige Stürmer hatte er in der Tat bisweilen Probleme.


    Tah allerdings wird nicht der letzte Sommereinkauf gewesen sein. Gesucht wird ein Backup für Stefan Kießling sowie ein zentraler Mittelfeldspieler. Bayers Wunschkandidat für den Posten vor der Abwehr steht fest, und nach wie vor bemüht sich Jonas Boldt intensiv um Charles Aranguiz (26, Internacional Porto Alegre), im Mittelfeld der chilenischen Nationalelf Partner des Ex-Leverkuseners Arturo Vidal. Zwar trumpfte er zuletzt bei der Copa America mächtig auf und hat seinen Marktwert noch einmal erhöht, doch aussichtslos sieht sich Bayer im Rennen um den begehrten Mittelfeldmann nicht. „Bei südamerikanischen Profis“, stellt Michael Schade fest, „haben wir einen ausgezeichneten Ruf. Und Arturo Vidal wird ihm sicher auch einen Wechsel nach Leverkusen nahelegen.“ Solche Empfehlungen, weiß der Bayer-Boss, können mitunter sogar finanzielle Nachteile wettmachen.



    Quelle: kicker-Printausgabe vom 20.07.15

    Er ist Bayer Leverkusens erfahrenster Innenverteidiger. Doch ÖMER TOPRAK (25) sieht sich längst nicht am Ende der Entwicklung, fordert Stabilität und Konstanz.


    Wenn er sich vor dem Training so umschaut in der Kabine, dann kann es durchaus passieren, dass Ömer Toprak sich ein wenig älter fühlt als die 26 Jahre, die er ab kommendem Dienstag auf dem Buckel hat. „Das ist aber eine rein optische Sache“, lacht der Leverkusener Abwehrspieler, „körperlich fühle ich mich völlig fit.“ Was er meint: „Mit Simon Rolfes und Emir Spahic haben uns zwei Spieler verlassen, die älter als 30 Jahre sind. So viele haben wir davon nicht.“ In der Tat: Aus der gedachten Stammelf haben lediglich Roberto Hilbert (30) und Stefan Kießling (31) in der Altersangabe eine Drei vorne, der Rest ist mehr oder weniger deutlich jünger. „Jung, aber erfahren“, fügt Toprak an, der seit 2008 Profi ist, 2011 aus Freiburg nach Leverkusen kam und dort längst zum Führungsspieler gereift ist. Er nimmt diese Rolle gerne an: „Ich will vorangehen. Und ich weiß, dass genau das von mir erwartet wird.“


    Nicht mehr und nicht weniger als die Chefrolle in der Abwehr nimmt der Deutsch-Türke aus Ravensburg ein, im Idealfall gemeinsam mit dem Griechen Kyriakos Papadopoulos (23), der sich nach Schulterverletzung und Reha langsam wieder an das Team heran arbeitet: „Er ist ein Zweikampf-Monster“, lobt Toprak lachend den Kollegen, dem er Respekt zollt „dafür, dass er sich nicht unterkriegen lässt von den Verletzungen. Er kommt immer wieder!“


    Sollte er auch, denn Erfahrung ist bitter nötig angesichts des Programms, das auf den Champions-League-Qualifikanten wartet: „Es werden viele Spiele, die Ansprüche sind hoch“, weiß Toprak, „dem wollen wir gerecht werden.“


    Hinter Papadopoulos sieht er „zwei Riesentalente“ mit den beiden 19-Jährigen Tin Jedvaj und nun noch Jonathan Tah, „sie müssen wir heranführen, da sind wir älteren Spieler gefordert“.


    Tahs Wechsel ist vollzogen, rund siebeneinhalb Millionen Euro lässt sich Bayer das Talent kosten, zuzüglich eventueller Bonuszahlungen. Die Werkself sieht sich damit hinten gut aufgestellt, so gut, dass Toprak eine Leistungssteigerung erwartet: „Wir haben in der Rückrunde defensiv gut gestanden. Da müssen wir zunächst wieder hin.“ Der nächste Schritt: „Wir wollen konstanter werden.“ Phasen wie in der Hinrunde der vergangenen Saison, als es viel zu oft hinter Torhüter Bernd Leno einschlug, sollen vermieden werden, „das wird klappen, wenn wir uns noch stabiler präsentieren und versuchen, in jedem Spiel die Topleistung abzurufen“.


    Offen bleibt, wer Bayer in der Nachfolge von Simon Rolfes als Kapitän aufs Feld führt. Den ausgerufenen Dreikampf zwischen Favorit Lars Bender, Kießling und ihm sieht Toprak nicht: „Da mache ich mir überhaupt keinen Kopf. Ich will nur eines: ein bisschen besser werden als in der vergangenen Saison. Das kann ich auch ohne die Binde. Und mich jetzt damit beschäftigen – das lenkt nur unnötig ab und macht mich sicherlich nicht besser. Der Trainer wird das entscheiden, und dann geht es weiter.“
    FRANK LUßEM



    Quelle: kicker-Printausgabe vom 16.07.15

    LEVERKUSEN: Brandts erstes Spiel als „Senior“


    Der Rahmen mutete eher bescheiden an, das strahlend schöne Wetter und die zur Millionen-Veranstaltung mutierten „Kölner Lichter“ klauten der Kölner Viktoria sicherlich mehr als ein paar Fans, sodass nur knapp über 1000 Zuschauer im Sportpark Höhenberg Zeugen wurden, wie Bayer Leverkusen auch sein zweites Testspiel nicht gewann. Nach dem 0:1 beim Drittligisten Sonnenhof Großaspach reichte es gegen den Viertligisten immerhin zu einem 1:1.


    Völlig unter ging die Tatsache, dass Julian Brandt in eben diesem Rahmen eine Premiere feierte: Der Blondschopf – seit Donnerstag wieder im Trainingsbetrieb – bestritt sein erstes Spiel als „Senior“. Seine bisher 37 Bundesligaspiele seit der Rückrunde der Saison 2013/2014 absolvierte er als A-Junior, bei seinem Debüt am 15. Februar 2014 gegen den FC Schalke war er ganze 17 Jahre alt.


    Rudi Völler (55) kommentierte den Statuswechsel so: „Man hat sich in der Zeit, seit er hier ist, so an ihn und seine Spielweise gewöhnt, dass es gar nicht mehr auffiel, dass er noch A-Jugendlicher war.“ Völler ist ein Fan des Spielers, der durch seine Unbekümmertheit ebenso besticht wie dank der Fähigkeit, auch in höchstem Tempo immer Richtung Tor zu ziehen. „Er hat sich gut entwickelt und er weiß, dass er sich bei uns Stück für Stück weiter entwickeln wird“, lobt Völler. Trotz seiner Jugend habe Brandt keine Flausen im Kopf, im Gegenteil: „Julian hat hart an sich gearbeitet, ist körperlich robuster geworden.“


    In insgesamt 35 Pflichtspielen stand der Außenstürmer in der vergangenen Saison auf dem Platz, ließ sich auch durch Leistungsschwankungen nie aus dem Konzept bringen. Er verkraftete längere Pausen gut und verlor nie den Ehrgeiz, der ihn seit seinem ersten Tag in Leverkusen auszeichnet. Dass er sich verbessern kann, weiß Brandt, „nur“ vier Tore und zwei Vorlagen bedeuten eine ausbaufähige Bilanz. „Er wird sich nicht ausruhen“, sagt Rudi Völler, überzeugt davon, dass Brandt sein Steigerungspotenzial ausnutzen will.


    Brandt (kam aus Wolfsburg) und seine Kollegen Levin Öztunali (vom Hamburger SV) und Karim Bellarabi (Eintracht Braunschweig) sind ein glänzendes Beispiel für die wohl wichtigste Seite der Leverkusener Personalpolitik. Gemeinsam kostete dieses Trio etwas mehr als 600 000 Euro an Ablöse. Durch die Leihgebühren für Bellarabi (von Braunschweig) und Öztunali (Bremen) dürfte diese Summe zur Hälfte wieder in die Bayer-Kassen gespült worden sein. Der Marktwert dieses Trios beläuft sich bei Ausgaben von 300 000 Euro heute auf rund 40 Millionen Euro – eine schier unglaubliche Gewinn-Entwicklung. Allerdings denkt niemand in Leverkusen ans Verkaufen: Bellarabi verlängerte vor ein paar Monaten bis 2020, Brandts Vertrag läuft bis 2019 (soll eine Ausstiegsklausel ab 2018 beinhalten) und Öztunali ist ab der Saison 2016/2017 als feste Größe im Mittelfeld eingeplant.


    Kleiner wird die Marge bei Jonathan Tah. Der Hamburger – dies zeichnet sich immer deutlicher ab – soll in Kürze einen Vertrag in Leverkusen unterschreiben, seine Ablöse liegt wohl jenseits von sechs Millionen Euro.
    FRANK LUßEM


    Quelle: kicker-Printausgabe vom 13.07.15

    LEVERKUSEN: Bayers dienstältester Spieler lässt sich nicht mehr allein an Toren messen


    Auch in seine 26. Vorbereitung geht Stefan Kießling (31) als Stürmer, der in jeder Wunschelf von Bayer Leverkusen vor der Saison auftaucht. „Ich habe mich in 13 Jahren immer durchgesetzt“, sagt der älteste Feldspieler von Bayer, „ich denke schon, dass diese Bilanz sehr aussagekräftig ist.“


    Selbst in der vergangenen Spielzeit, „die definitiv nicht zu meinen guten Saisons gehörte“, kam Kießling in allen 49 Pflichtspielen zum Einsatz: „Ich fühle mich fit, auch wenn ich der Älteste bin.“


    Wenn nach so vielen Profijahren auch vieles Routine ist, eines ist meist neu für den Blondschopf – der Spieler, der die Rolle neben ihm, hinter ihm, um ihn herum oder gar seine übernehmen soll. Ob Patrick Helmes, Eren Derdiyok oder zuletzt Josip Drmic – durchweg prominente Namen, allein: Nur Kießling ist noch da, die anderen sind Geschichte. Kießling: „Ich habe mich jedem Konkurrenzkampf gestellt.“ Und keinen verloren.


    Auch für die kommende Spielzeit dürfte sich daran nichts ändern. Zwar schaut sich Bayer nach einem Back-up für Kießling um. Allerdings besitzt diese Suche nicht allerhöchste Priorität und hat weniger damit zu tun, dass er infrage gestellt werden soll, vielmehr würde ein ähnlicher Spielertyp dafür sorgen, dass nach einem Kießling-Ausfall nicht die Spielweise umgestellt werden muss. Dies wäre der Fall mit Admir Mehmedi als einziger Alternative für den Mittelstürmer, dies war der Fall mit Drmic.


    Kießling lässt alles auf sich zukommen: „Ich bin Stürmer und schieße gerne Tore“, sagt er, „aber vor allem bin ich Mannschaftsspieler. Und wenn meine Rolle dann vorsieht, dass ich für die Flügelspieler Räume schaffen soll, dann mache ich das eben.“ Diese Uneigennützigkeit nimmt man einem wie ihm ab. Dass er an Toren gemessen wird, ist ihm klar. Seinen Wert für das Team sieht er selbst nicht nur darin: „Meine Aufgaben sind vielfältiger geworden, das Spiel hat sich geändert.“ So kamen Karim Bellarabi (12) und Heung-Min Son (11) auf zweistellige Torquoten, Kießling erstmals seit neun Jahren nicht: „Gefreut hat mich das nicht.“


    Dafür freuten ihn fast 400 gewonnene Zweikämpfe, damit ist er Liga-Spitze, kein Stürmer kommt an ihn heran. Daran soll sich nichts ändern. Schlusssatz Kießling: „Ich setze alles daran, möglichst oft zu spielen.“ Wie es eben immer war.
    FRANK LUßEM



    Quelle: kicker-Printausgabe vom 09.07.15