Über das "Mode-Thema"Gewalt im Stadion

  • 25. April 2007

    ERINNERUNGEN EINES EX-HOOLIGANS

    "Ich habe die Gewalt gebraucht"

    2. Teil: Was Toni Meyer über Politik und gröhlende Kuttenfans denkt und warum die Polizei seiner Meinung nach bei Schlägereien oft wegsieht.

    In Deutschland formierten sich im Schatten der Proficlubs berüchtigte Gruppen. Die Gelsenszene in Gelsenkirchen, die Adlerfront in Frankfurt, die Red Devils in Nürnberg oder Endsieg in Berlin. Auch in München wurden Fans von der Welle des englischen Hooliganismus erfasst, die nun über Europa rollte. Zahlenmäßig konnten sie aber nicht mit der Konkurrenz mithalten.

    Deshalb schlossen sich 1986 Gleichgesinnte aus den verfeindeten Lagern des FC Bayern und des TSV 1860 zusammen. "Das hat am Anfang großen Krach gegeben", sagt Toni Meyer. Den Namen der Gruppe möchte er nicht verraten. Der harte Kern bestand aus dreißig bis vierzig Leuten, manchmal kamen auch hundert zusammen. Alkohol war nun vor den Schlägereien tabu, niemand durfte geschwächt werden. Auch die äußere Erscheinung wandelte sich. Toni Meyer legte Schal und Trikot in den Schrank. Er trug Bomberjacke, enge Röhrenjeans, Adidas-Allround-Turnschuhe - und Vokuhila. Die ganze Gruppe sah so aus. Wie eine militärische Einheit.

    Eines will er an dieser Stelle klarstellen. "Wir waren unpolitisch, nicht rechts und auch nicht links. Wir wollten nur die stärkere Gruppe sein und die Farben unserer Stadt verteidigen." Er kann sich gut an die Typen mit den rasierten Schädeln und den braunen Hosen erinnern. Sie standen vor den Stadiontoren, verteilten Prospekte und suchten neue Mitglieder für ihre rechtsextremistischen Parteien. "Uns hat das kalt gelassen", sagt Toni Meyer. Der politische Hintergrund der Hooligangruppen war von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Die meisten waren unpolitisch. In Gelsenkirchen mischten viele Türken mit, in Karlsruhe Kroaten und Serben, in München gehörten zwei Farbige der Szene an. In West-Berlin dagegen war die Zahl der Rechtsradikalen groß. Toni Meyer ging es nicht um politische Botschaften, ihm ging es um Gewalt. "Der Spielplan bestimmte unseren Gegner, fast an jedem Wochenende hatte es gekracht." Der Fußball war eine Zeitlang nicht mehr das wichtigste. Er war Begleitmusik, Mittel zum Zweck.

    In den ersten Monaten herrschte Anarchie. Regenschirme dienten als Schlaginstrumente, Zeitungen wurden zusammengerollt und verwandelten sich in Knüppel. Einige Wahnsinnige warfen Steine, Flaschen, Leuchtkugeln und Dartpfeile. Erst dann kamen die Fäuste ins Spiel. Diese lebensgefährliche Prozedur wiederholte sich Woche für Woche, die Abläufe waren stets die gleichen. Jede Gruppe hatte einen Anlaufpunkt. Vor den Spielen des FC Bayern im Ruhrgebiet zum Beispiel trafen sich die Münchner Hooligans in der Düsseldorfer Altstadt.

    Es gab keine Handys, es gab kein Internet. Späher wurden in die gegnerischen Lager entsandt, meistens waren es die Jüngeren, die am Bodensatz der Hierarchie auf den Aufstieg warteten. Manchmal verbündeten sie sich mit anderen Gruppen. Der FC Bayern pflegt seit Jahren eine Fanfreundschaft mit dem VfL Bochum. Irgendwann setzte sich der Mob in Bewegung, es ging weiter nach Gelsenkirchen oder Dortmund. Am Bahnhof des Zielortes warteten die Kontrahenten, in der Regel waren es blutige Empfänge. In München verhielten sie sich dagegen meist unauffällig, die bayerische CSU-Landesregierung unter Franz Josef Strauß hatte straffe Regeln eingeführt.

    "Wir waren ein bisschen arrogant"

    Toni Meyer fand Gefallen an seinem neuen Lebensinhalt. Wie die meisten seiner Mitstreiter bediente er nicht die Klischees, er war kein sozial frustrierter Betonkopf. Selbst Anwälte und Ärzte flüchteten als Hooligans aus dem normalen Leben. Toni Meyer hatte seine Lehre als Schreiner in München vor Jahren abgeschlossen. Berauschend waren seine Noten nicht, doch das war ihm egal. Er schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, arbeitete auf dem Bau oder als Lagerist. Karriere machen wollte er nicht. Noch nicht.

    Für eine längere Beziehung blieb keine Zeit, mit seinen Gedanken war er ohnehin woanders. Die Gruppe war ihm wichtig. "Die Loyalität." Adrenalin ist eine von den stärksten Chemikalien im menschlichen Körper. "Ich habe das gebraucht, der Alltag war wie weggeblasen", sagt Toni Meyer und klingt wie ein Alkoholiker, der seine Sucht inzwischen besiegt hat. "Als Hooligan habe ich gemerkt, dass ich lebe, egal, ob ich ausgeteilt oder eingesteckt habe." Ihm war immer klar, dass sich das für Unbeteiligte sehr seltsam anhören muss.

    Bald kannte jeder jeden in der Szene. Die Duelle wiederholten sich. Es kam Routine in das Leben der Schläger. Und mit der Routine wuchs die Fairness. Wurfgeschosse wurden zunehmend als unehrenhaft angesehen, als einzige Waffe war der Körper bestimmt, allerdings hielten sich nicht alle an diesen Kodex. Toni Meyer zählte nun zu den erfahrenen Kräften, in einem halben Jahrzehnt war er bis an die Spitze der Hierarchie vorgedrungen. Die Hooligans sahen sich als Elite der Fanszene. Sie kleideten sich inzwischen kostspielig, trugen Chevignon-Jacken und Marken-Sportschuhe.

    "Wir waren ein bisschen arrogant und haben uns als das Nonplusultra angesehen", sagt Toni Meyer. "Mit den besoffenen und grölenden Kuttenfans wollten wir nichts mehr zu tun haben." Der Fanblock, der Alkohol, die schwitzenden Leiber, das war nicht mehr seine Welt. Die Hooligans nahmen auf der Haupttribüne Platz, neben den Ehrengästen. Sie verhielten sich unauffällig, ihre Spielfelder waren woanders. "Die Polizisten haben oft weggeschaut. Sie wussten, dass wir keine Unbeteiligten vermöbeln wollten."

    Lesen Sie morgen im zweiten Teil: Warum Meier in Rotterdam trotz Todesangst den ultimativen Kick erlebte und wie er die Seiten vom Hooligan zum Jugendbetreuer wechselte.

    [URL=http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,477759-2,00.html]spiegel.de[/URL]

    [color=red]Ein Löwe stirbt nie - er schläft nur

  • 26. April 2007

    ERINNERUNGEN EINES EX-HOOLIGANS

    Tournee der Torturen

    Der ehemalige Hooligan Toni Meyer war jahrelang geil auf Gewalt. Den Höhepunkt seiner Straßenkampfzeit erlebte er mit dem "deutschen Mob" in Rotterdam. Mittlerweile hat Meyer die Seiten gewechselt und versucht, Jugendliche vor dem Einstieg in die Hool-Szene zu bewahren.

    Toni Meyer war trotz zahlreicher Ausschreitungen in den Fußballstadien der Republik noch immer nicht gesättigt. "Ich habe mich wie ein Junkie hoch dosiert, ich wollte mehr, immer mehr." Wieder suchte er die unbekannten Nischen. Den Nervenkitzel. Er reiste mit seinen Münchner Kollegen ins Ausland, folgte dem FC Bayern zu den Spielen im Europapokal und der deutschen Nationalmannschaft zu brisanten Länderspielen. Gegen England oder Holland wurden die Feinde aus der Heimat plötzlich zu Verbündeten. Für wenige Stunden war der Hass vergessen, Hooligans aus München, Dortmund oder Hamburg bildeten plötzlich einen Mob. So war es bei der Europameisterschaft 1988 in Deutschland. Und so war es auch beim Spiel der DFB-Auswahl gegen Holland am 26. April 1989 in Rotterdam. Toni Meyer bezeichnet diesen Tag als Höhepunkt.

    Schon vor Wochen war klar, dass es in Rotterdam nicht friedlich zugehen würde. Die Zeitungen sind gefüllt mit Schreckensszenarien. Und sie sollen Recht behalten. Am Spieltag herrscht Chaos in der Innenstadt. Autos mit deutschen Kennzeichen werden attackiert. Rauchbomben fliegen durch die Straßen, an jeder Ecke gibt es Schlägereien. Fensterscheiben zerspringen, Gitterstäbe werden aus ihren Verankerungen gerissen. 500 Deutsche befinden sich in Rotterdam.

    Toni Meyer hastet durch die Gassen. Er wird von Holländern gejagt, er blickt sich um und spürt, wie der Schweiß seinen Rücken hinunter rinnt. Das ist es, wonach er sich gesehnt hat, "das ist der Kick". Plötzlich wird ein Deutscher neben ihm von einem Pflasterstein getroffen. Er sackt zusammen, blutet, zittert am ganzen Körper, als hätte er einen epileptischen Anfall. Wie ein Kriegsopfer ziehen sie ihn über den Asphalt in einen geschützten Hauseingang. Toni Meyer wartet einen Moment, bis sein Mitstreiter versorgt ist. Dann stürzt er zurück in die Gasse und hastet weiter. Eine Warnung war der Steinschlag für ihn nicht.

    Das Katz- und Mausspiel geht weiter. Wer die Katze ist, und wer die Maus, wird an jeder Ecke aufs Neue verhandelt. Toni Meyer gerät in einen Hinterhalt, er sieht nur noch fremde Gesichter. Gegner. Ihm bleibt nur eine Möglichkeit: Er holt einen orangefarbenen Schal aus seiner Jackentasche, den er einem Holländer Minuten zuvor gestohlen hat. Für einen Moment fällt er in der aufgebrachten Masse nicht auf. Bis er etwas gefragt wird - und nicht antworten kann. Er ist ertappt, und schon zieht ein Holländer ein Messer. Toni Meyer steht starr auf der Stelle, seine Gesichtszüge gefrieren, zum ersten Mal in seinem Leben verspürt er Todesangst. Bevor Schlimmeres passiert, setzt er sich in Bewegung. Er läuft so schnell er kann und flüchtet in den Hauptbahnhof, wo viele deutsche Hooligans eine Pause einlegen. Er zittert am ganzen Körper und atmet tief durch. Kurz darauf drücken ihm Freunde ein paar Bierdosen in die Hand. War ihm das eine Lehre? Ist seine ewige Sehnsucht nach Schmerz nun gestillt?

    Jede Sekunde ohne Freiheit ist schlimm

    Meyer überlegt nicht mal eine Sekunde. Minuten später steht er wieder draußen auf der Straße und prügelt sich mit holländischen Fans. Satt ist er noch lange nicht. Manche würden es als krank bezeichnen, als pervers, aber in diesem Moment glaubte er tatsächlich daran Geschichte zu schreiben. Der amerikanische Journalist Bill Buford kann das nachvollziehen. Er hatte englische Hooligans Jahre lang begleitet und bei Krawallen irgendwann selbst Aggressionen entwickelt, in seinem Buch "Geil auf Gewalt" schildert er seine persönlichen Erfahrungen: "Ich spüre die Lust, ihn von hinten beim Hals zu packen und zuzudrücken, bis sein Atem aussetzt. Ich bin überzeugt, es ist ein echtes Bedürfnis und nicht nur eine gewalttätige Phantasie." Die Brutalität hatten ihn vollkommen eingenommen. Er bezeichnete sie als "Die Erfahrung absoluten Erfülltseins."

    Fast zwanzig Jahre nach den Krawallen in Rotterdam bekommt Tony Meyer noch immer eine Gänsehaut. Es war die heftigste Zeit des Hooliganismus und die heftigste Zeit in seinem Leben. Er hatte es geliebt, am Morgen danach in die Zeitungen zu schauen. Die beängstigenden Bilder und Schlagzeilen waren Zeugnisse seiner Aggression. Seine Eltern hingegen waren tief enttäuscht, wenn wieder eine Anzeige im Postkasten landete. Er muss lange überlegen, um die Gesamtsumme der Strafgelder zu errechnen.

    Vielleicht waren es umgerechnet 10.000 Euro, die er an Gerichte und Geschädigte zahlen musste, vielleicht waren es mehr. Die klassischen Vergehen waren Landsfriedensbruch und Körperverletzung. Zweimal erhielt er eine Bewährungszeit, drei Jahre und zwei Jahre. In dieser Zeit hielt er sich bedeckt. So gut es eben ging. Manchmal stand er auf dem Fernsehturm in München und beobachtete, wie seine Kollegen ihre Gegner vor sich her trieben. Ein Mal war er drei Wochen im Jugendgefängnis. "Jede Sekunde ohne Freiheit ist schlimm."

    [URL=http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,477774,00.html]spiegel.de[/URL]

    [color=red]Ein Löwe stirbt nie - er schläft nur

  • 26. April 2007

    ERINNERUNGEN EINES EX-HOOLIGANS

    Tournee der Torturen

    2. Teil: Lesen Sie im zweiten Teil: Wie Meiers Tournee der Torturen ein Ende fand, welchen Einfluss sein Sohn auf den Schläger hatte und wie er versucht, Jugendlich vor dem Einstieg in die Hooligan-Szene zu bewahren.

    Geändert hatte sich Toni Meyer danach nicht, trotz der vielen Platzwunden und Knochenbrüche, die seine Sucht dokumentierten. Die Tournee der Torturen ging weiter. Er reiste zur WM 1990 nach Italien und zur EM 1992 nach Schweden. Er trat 1994 in Paris mit sechzig Verbündeten gegen 400 Hooligans von St. Germain an. Zwei Jahre später rächten sie sich an derselben Stelle für den ungleichen Kampf. Toni Meyer hatte noch immer nicht genug. Er suchte sich neben dem Fußball andere Nischen, in denen er sich austoben konnte. Mit Freunden fuhr er zu den Mai-Demonstrationen nach Berlin und prügelte sich mit Polizisten. Dahinter verbarg sich keine politische Haltung, betont Toni Meyer. "Ich wollte nur Spaß". Für die Polizisten war es dagegen bitterer Ernst.

    Ein Jahrzehnt dauerte sein Leben als Hooligan nun schon. Als er dreißig wurde, begann er zaghaft über seine Zukunft nachzudenken. Sollte der Bundesliga-Spielplan auf ewig seinen Alltag bestimmen? Sollte er sich noch mit vierzig vor einem Richter verantworten müssen? Toni Meyer diskutierte viel mit seinen Freunden, er merkte, dass seine Sucht nach Schmerz nachgelassen hatte. Plötzlich vermisste er eine feste Beziehung, obwohl er niemals eine hatte.

    Mit 27 war er Vater eines Sohnes geworden, doch mit der Mutter blieb er nicht lange zusammen. Er wollte sich nun mehr um das Kind kümmern. Er spürte seine Verantwortung, seiner Familie und sich selbst gegenüber. Zum ersten Mal ließ er sich nicht von Endorphinen steuern, zum ersten Mal dachte er an seine Gesundheit: "Das war ein Reifeprozess. Jetzt sind alle Entzugserscheinungen überwunden."

    So wie Toni Meyer sich veränderte, so veränderte sich auch die Szene der Hooligans. Die Stadien wurden sicherer, durch Blocktrennung und Kamerasysteme, die Strafen wurden drastischer. Sozialpädagogen aus Fanprojekten kümmerten sich zunehmend um jugendliche Fans. Der klassische Hooligansimus aus England, so wie ihn Toni Meyer hautnah erlebte, trat in einen Auflösungsprozess. "Heute bestimmt nicht mehr der Spielplan den Gegner, heute bestimmen die Kontakte den Gegner."

    Manchmal trifft er Schläger der neuen Generation, das lässt sich nicht vermeiden. Dann werden ihm die Geschichten brühwarm aufgetragen. Meyer hat noch immer einen gewissen Status in der Szene, auch wenn er das gar nicht will. Die Münchner Hooligans verabreden ihre Schlägereien per Handy. Sie treffen sich wie die meisten anderen in Deutschland in der Abgeschiedenheit. In Waldstücken, auf Wiesen oder in Industrieanlagen. Ihr Ziel: Die Polizei darf nichts mitbekommen. Gleichstarke Gruppen stürmen aufeinander los. Eine, maximal zwei Minuten dauert ein Kampf. Manchmal stellen sie sich ein zweites Mal auf. Studenten, Ärzte, Arbeiter oder Polizisten. Der Fußball ist weit weg.

    "Warum sollte ich das bereuen?"

    Meyer hat die Seiten gewechselt, er ist nur noch Theoretiker. Er arbeitet jetzt in einer sozialen Einrichtung, die sich um Jugendliche kümmert. Er, der die Gewalt so sehr liebte, sorgt nun dafür, dass andere ihr nicht verfallen. Er hat schon viele Jugendliche vom falschen Weg abgebracht. Er wirkt auf sie ein, spricht mit ihnen und versucht Lösungen zu finden. Wenn jemand in Schwierigkeiten ist, will er den Schaden zu begrenzen. Er begleitet junge Straftäter zu den Gerichtsverhandlungen, andere besucht er zu Hause oder im Gefängnis. Immer wieder hört er die gleichen Geschichten. Von Gewalt-, Drogen und Eigentumsdelikten. Meyer will seine Problemfälle nicht aufgeben. "Man darf ihnen nicht das Gefühl geben, dass sie keine Perspektive haben", sagt er. Sätze wie diese hören die Jugendlichen oft. Doch aus seinem Mund, sagen sie, klingen sie ein bisschen glaubwürdiger.

    Mit großer Freude spricht Meyer über sein zweites Leben. Bereut er sein erstes? Meyer schiebt seinen Teller in die Mitte des Tisches. Er überlegt einen Moment. "Warum sollte ich das bereuen?", fragt er zurück. "So habe ich damals empfunden." Er geht offensiv mit seinen Erinnerungen um, er möchte sie in einem Buch veröffentlichen. Das Manuskript hat er fertig gestellt, auch die Bilder früherer Krawalle hat er bei den Fotoagenturen bezahlt. Nur die Suche nach einem Verlag gestaltet sich schwierig. Viele wollen ihm kein Forum bieten. Nicht ohne kritische Einordnung. Toni Meyer wird weiter suchen.

    Bleibt eine letzte Frage. Vermisst er die Adrenalinstöße? "Nein", sagt er. Manchmal machen sich die alten Reflexe bemerkbar. Wenn seine Freundin von jemandem angesprochen oder schief angeschaut wird, ertappt sich Toni Meyer manchmal dabei, wie die Lust der Gewalt wieder in ihm aufsteigt. Doch er kann sich beherrschen. Er holt sich den Kick nun woanders. In seiner Freizeit geht er surfen, fährt Motorrad, Kajak und Snowboard. Oder er geht ins Sportstudio und boxt. Ganz legal. Zum FC Bayern geht er nicht mehr regelmäßig, in der Hierarchie der Fankurve beansprucht er keinen Platz mehr.

    Das Handy von Toni Meyer klingelt. Sein Sohn teilt ihm mit, dass er krank geworden ist und nicht zum Nachhilfe-Unterricht gehen kann. Meyer wird ihn bei der Lehrerin abmelden. Er redet gern über seinen Sohn, er ist sehr stolz auf ihn. "Er befindet sich gerade in einem schwierigen Alter." Ob sich der Junge schon geschlagen hat? "Nein!" Die Antwort kommt ohne Zögern. "Und darüber bin ich sehr froh." Toni Meyer kennt die Geschichten von Gewalt, Schmerz und seltsamen Süchten. Er muss sie nicht noch einmal hören. Erst recht nicht von seinem eigenen Sohn.

    [URL=http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,477774-2,00.html]spiegel.de[/URL]

    [color=red]Ein Löwe stirbt nie - er schläft nur

  • Die Problem-Fans

    Weil laufend neue Gewalt und rechtsradikale Vorfälle aus Amateur-Ligen bekannt werden, will der DFB mit dem sächsischen Verband ein Projekt gegen Krawalle im Fußball starten. Der Erfolg ist fraglich.

    Warum sollte es im Sport auch anders sein als im Leben außerhalb des Stadions? Die Republik ist erregt, weil in Halberstadt, Sachsen-Anhalt, Rechtsradikale eine Theatergruppe brutal zusammengeschlagen hat. Und weil die Polizei offenbar nur lau eingegriffen hat. Im Fußball-Osten, das ist die traurige Erkenntnis der vergangenen Monate, sind solche Übergriffe inzwischen Alltag. Einmal hört man von Ausschreitungen, ein anderes Mal von neonationalem Gebrüll. Meist kommt beides gemeinsam.

    Dabei haben sich die Schläger und rechten Gesinnungsgenossen in die unteren Ligen verabschiedet, weg vom grellen Licht der Bundesligen. Vor kurzem ist sogar ein Vorfall aus einer Jugendliga öffentlich geworden. In Wurzen, einer Kleinstadt in der Nähe von Leipzig, hatten sich Spieler aus der C-Jugend, die zwölf bis 14 Jahre alt sind, rassistisch und antisemitisch beschimpft. Alkoholisierte Zuschauer pöbelten gegen Ausländer.

    Die Fußball-Verbände starten nun wieder einen Versuch, gegen diese umgreifende Bedrohung für das Spiel vorzugehen. In Sachsen soll am 1. Juli ein bundesweites Pilotprojekt beginnen, das Krawalle in Fußballstadien verhindern soll. Im Sächsischen Fußball-Verband (SFV) wird dafür ein vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und vom Land Sachsen finanzierter hauptamtlicher Mitarbeiter eingestellt, der die Fan-Arbeit in den Vereinen koordinieren soll.

    Aus diesem Grund trifft sich SFV-Präsident Klaus Reichenbach am Mittwoch in Frankfurt mit DFB-Präsident Theo Zwanziger und dem Vorsitzenden der vom DFB eingesetzten Task Force zu Sicherheitsfragen, Helmut Spahn. Dabei geht es um die Aufgaben des Mitarbeiters sowie die Finanzierung, die sich nach Angaben Reichenbachs auf insgesamt rund 60.000 Euro für ein Jahr belaufen wird.

    Bisher konnte von einer dauerhaften Bekämpfung des Problems in Ostdeutschland keine Rede sein. Meistens versuchen die betroffenen Vereine, die Vorfälle klein zu halten, auch der ATSV Frisch Auf Wurzen ging nach den Übergriffen bei seinem Jugendspiel nicht in die Offensive. Erst der Assistent des Schiedsrichters meldete den Skandal.

    Auch beim sächsischen Pokalendspiel zwischen dem FC Erzgebirge Aue II und Dynamo Dresden (0:2) am vergangenen Sonntag gab es wieder Ausschreitungen. Dort waren nach dem Abpfiff Fans durch ein geöffnetes Stadiontor auf den Rasen gelaufen. Die Polizei drängte die Fans zurück. Daraufhin hatte es im Dresdner Block Randale gegeben, in dessen Folge Bänke herausgerissen und die Lautsprecheranlage teilweise zerstört worden waren. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 30.000 Euro.

    Erster Prozess gegen einen Hooligan in Leipzig

    Dies sind Vorfälle unter vielen. Am Mittwoch in Leipzig beginnt der erste Prozess gegen einen Hooligan. Nach den schweren Fußball-Krawallen im Februar mit 39 verletzten Polizisten steht vor dem Amtsgericht ein mutmaßlicher Täter vor Gericht, dem Landfriedensbruch und versuchte schwere Körperverletzung vorgeworfen werden.

    Nach einem Landespokalspiel des in die Bezirksliga abgestürzten ehemaligen Europacupfinalisten Lok Leipzig hatten am 10. Februar 800 Randalierer eine Straßenschlacht gegen etwa 300 Polizisten begonnen. Sportrechtlich konnten die Krawalle vom sächsischen Verband nur mit einem Pokalspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit und 2000 Euro Geldstrafe geahndet werden.

    Reichenbach will Problemvereine wie Lok Leipzig künftig neben den zivilrechtlichen Möglichkeiten zur Bestrafung der Täter mit drakonischen Strafen bis hin zum Ausschluss aus dem Spielbetrieb belegen.

    „Diese Forderungen nach solchen Strafen gibt es bei der Mehrheit der Fußballfamilie, und DFB-Präsident Zwanziger selbst hat entsprechende Maßnahmen schon einmal für das Regelwerk ins Gespräch gebracht. Die Geldstrafen treffen die Vereine, aber sie bewegen bei den gewaltbereiten Tätern nichts. Diese Ausschreitungen schaden nicht nur dem Fußball, sondern ganzen Regionen wie Ostdeutschland“, sagte Reichenbach.

    "Wir können nicht zu 80.000 Spielen einen DFB-Kontrolleur schicken

    Zum neuen Pilotprojekt mit dem DFB sagte Reichenbach: Jetzt gehe es darum "eine effektive Zusammenarbeit zwischen DFB, sächsischem Verband und Vereinen zu gewährleisten und nicht aneinander vorbei zu reden.“ Nach einem Jahr soll mit allen Beteiligten Bilanz gezogen und über eine Fortsetzung des Projekts, möglicherweise auch in anderen Landesverbänden, beraten werden.

    Ob die neue Initiative die Gewalt in den unteren Ligen beendet, ist allerdings fraglich. "Leider können wir nicht zu allen 80.000 Spielen am Wochenende einen DFB-Kontrolleur schicken", sagt Helmut Spahn, Sicherheitsbeauftragter des DFB.

    (sueddeutsche.de/dpa)

    [color=red]Ein Löwe stirbt nie - er schläft nur

  • Zitat

    Original von Grimaudino

    Die Problem-Fans

    Auch beim sächsischen Pokalendspiel zwischen dem FC Erzgebirge Aue II und Dynamo Dresden (0:2) am vergangenen Sonntag gab es wieder Ausschreitungen. Dort waren nach dem Abpfiff Fans durch ein geöffnetes Stadiontor auf den Rasen gelaufen. Die Polizei drängte die Fans zurück. Daraufhin hatte es im Dresdner Block Randale gegeben, in dessen Folge Bänke herausgerissen und die Lautsprecheranlage teilweise zerstört worden waren. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 30.000 Euro.


    Bild und Ton davon:
    HIER

    Alles Große in der Welt wird nur dadurch Wirklichkeit,
    dass irgendwer mehr tut, als er tun müsste.

  • Sachsen-Anhalt koordiniert Kampf gegen Hooligans

    Polizei und Fußballvereine in Sachsen-Anhalt wollen die Gewalt in Fußballstadien gemeinsam eindämmen. Dazu haben Innenministerium und der Landes-Fußballverband einen Ausschuss "Sicherer Fußball in Sachsen-Anhalt" gegründet. Innenminister Holger Hövelmann zufolge, soll das Gremium zunächst intensiv die Situation analysieren. Sachsen-Anhalt sei eines der ersten Bundesländer mit einem solchen Gremium, das nach Beschluss der Innenminister in allen Ländern geplant sei.

    Regionale Ausschüsse geplant

    Der Ausschuss soll künftig vor Beginn jeder Saison zusammenkommen. Bei Bedarf wird es den Angaben zufolge auch Treffen während der Saison geben. Die konkrete Zusammenarbeit von Vereinen und Ordnungskräften sowie Einsatzpläne für bestimmte Spiele müssten in den Regionen geklärt werden, in denen auf unterer Ebene ähnliche Gremien geplant seien.

    Vereinen drohen Kosten für Polizeieinsätze

    Fußballverband und Landespolitik reagierten damit auf die Zunahme von Gewalt in und am Rande von Fußballstadien in den dritten und vierten Ligen. Innenminister Hövelmann zufolge konnte oft nur massiver Polizeieinsatz größere Auseinandersetzungen verhindern. Die Kosten für Polizei-Einsätze in der vergangenen Spielzeit bezifferte Hövelmann auf 1,5 Millionen Euro. Allein beim Spiel des 1. FC Magdeburg gegen Dynamo Dresden am 24. März seien fast 1.500 Polizisten im Einsatz gewesen. Der Innenminister schloss eine künftige Beteiligung der Fußballvereine an den Kosten nicht aus, falls sich Klubs nicht kooperativ verhalten.

    Der Präsident des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt, Heinz Marciniak, appellierte an Spieler und Trainer, schon auf dem Platz der Gewalt entgegenzutreten. "Spieler und Trainer müssen ordentlich miteinander umgehen". Der Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes, Hans-Georg Moldenhauer, betonte, Gewalt in Fußballstadien sei kein ostdeutsches, sondern ein internationales Problem.

    http://www.mdr.de/sport/fussball_rl/4737971.html


    Was der Hövelmann im Video da schon vorab sagt hört sich für das Spiel FCM-Dynamo wieder nach nem Kriegsszenario an. Diesmal muss das Spiel ohne mich auskommen, spielen ja am gleichen Tag in Hamburg.

    Alles Große in der Welt wird nur dadurch Wirklichkeit,
    dass irgendwer mehr tut, als er tun müsste.

  • Neues von Dynamo Dresden.


    Dynamo greift nach Strafe durch

    Dynamo Dresden hat gegen 22 Fans bundesweit gültige Stadionverbote erlassen. Grund waren Randale am Rande des Heimspiels gegen Fortuna Düsseldorf. Zuvor hatte Dynamo für andere Ausschreitungen seiner Anhänger büßen müssen und eine Geldstrafe vom Deutschen Fußball Bund kassiert.

    Maas: "Maßlos enttäuscht"

    Die Dresdner müssen 5.000 Euro zahlen, weil Dynamo-Fans beim Spiel in Oberhausen zwei Rauchbomben gezündet hatten. Dynamo-Geschäftsführer Bernd Maas reagierte sauer: "Ich bin maßlos enttäuscht über diese Rauchbomben. Zumal ich im Vorfeld mit verschiedensten Fangruppierungen intensive Gespräche geführt habe. Dabei wurde mir von diesen Gruppen versichert, nur das Wohl des Vereins im Auge zu haben und jegliche Formen von Ausschreitungen zu verurteilen." Maas bestätigte, dass die Suche nach den Verantwortlichen mittels Foto- und Videoaufzeichnungen läuft. Sollte der Schuldige gefunden werden, kündigte er ein bundesweites Stadionverbot sowie eine Zivilklage an.

    22 Verbote erst der Anfang

    Praktiziert hat dies Dynamo bereits bei den Randalierern von Düsseldorf. 22 Anhänger, die sich nach dem Heimspiel geweigert hatten, die Abgangszone der Gästefans zu verlassen und die Polizei angriffen, bekamen ein Stadionverbot. Maas: "Wir müssen und werden der Öffentlichkeit zeigen, dass wir zukünftig nicht mehr gewillt sind, Dynamo Dresden weiterhin von Chaoten diskreditieren zu lassen."

    Mitglieder vor Ausschluss

    So wird Dynamo als nächstes gegen die Personen vorgehen, die am 1. September eine bizarre Gedenkveranstaltung auf Dresdens Stadiongelände abgehalten haben. Laut Polizei hatten sich etwa 50 Vermummte versammelt, um den Ausschreitungen beim Dresdner Stadtderby am 1. September 2002 mit 43 verletzten Polizisten zu "gedenken". Dabei seien ein Schal und ein Trikot des Dresdner SC verbrannt worden. Gegen die acht namentlich ermittelten Täter will Dresden bundesweite Stadionverbote erlassen. Fünf Personen seien Dynamo-Mitglieder. Gegen sie sollen Ausschlussverfahren eingeleitet werden.

    http://www.mdr.de/sport/fussball_rl/4835766.html

    Alles Große in der Welt wird nur dadurch Wirklichkeit,
    dass irgendwer mehr tut, als er tun müsste.

    Einmal editiert, zuletzt von ingo82 (14. September 2007 um 18:38)

  • Passt 50/50

    Zitat

    Steine statt Flanken

    Heute vor 25 Jahren kam zum ersten Mal in Deutschland ein Fußballfan am Rande eines Spiels zu Tode: Der 16-jährige Adrian Maleika starb infolge eines Steinwurfs bei Fankrawallen vor dem Pokalspiel Bremen gegen HSV. Bis heute ist das Verhältnis der beiden Nordclubs deshalb zerrüttet. Von Broder-Jürgen Trede

    Weiterlesen


    Horschti

    Einmal editiert, zuletzt von Archiv5 (17. Oktober 2007 um 14:59)

  • 1500 Polizisten für 180 Minuten Fußball

    Zwei Tage lang hielten gewalttätige Fußballfans die Sicherheitskräfte in Dresden in Atem - für ein Spiel der dritten und eines der fünften Liga. 1500 Polizisten waren im Einsatz, 229 Anhänger wurden in Gewahrsam genommen, Randale gab es trotzdem.

    Plötzlich geht alles ganz schnell: Polizeisirenen heulen auf, hektisch laufen Beamte in schwarzen Uniformen und martialischer Schutzkleidung über die vierspurige Fahrbahn. Links und rechts stehen Straßenbahnen still. Nichts geht mehr. Kahlrasierte Jugendliche mit Hass in der Stimme und ausgestreckten Armen grölen: "Juden Berlin". Dann ertönt ein ohrenbetäubender Knall, Flaschen fliegen, Menschen rennen durcheinander, einige stürmen in das Bahnhofsgebäude. Wieder rückt die Polizei an, rennt direkt zwischen die rivalisierenden Gruppen. Mittendrin schütteln verstörte Bahngäste den Kopf, Eltern eilen mit ihren Kindern zurück in das Bahnhofsgebäude.

    So sah es am Samstag um 16.30 Uhr am Dresdner Hauptbahnhof aus. 45 Minuten nach der Regionalliga-Partie zwischen Dynamo Dresden und dem 1. FC Union Berlin (0:1) wollten rund 250 Dynamo-Fans auf Biegen und Brechen eine Schlacht mit den verfeindeten Anhängern des Hauptstadtclubs anzetteln. 1500 Beamte aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und von der Bundespolizei, zwei Polizeihubschrauber sowie Dutzende Einsatzfahrzeuge, die als Blechbarriere zwischen den Fangruppen dienten, verhinderten ein Aufeinandertreffen.

    Am Sonntag ging es weiter, jagten sich wieder Fans und Polizei. Den Anlass bot dieses Mal die Landesligapartie zwischen Dynamos zweiter Mannschaft und Lok Leipzig. Weil unterklassige Fußballspiele gerade in Leipzig und Dresden regelmäßig solche kostspieligen und brandgefährlichen Szenarien provozieren, stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch vertretbar ist, solche Partien durchzuführen.

    "Natürlich ist so ein Polizeiaufwand für ein Landesliga-Spiel unverhältnismäßig", sagte Markus Hendel, Sicherheitsbeauftragter von Dynamo Dresden, heute zu SPIEGEL ONLINE. Angesichts der dauerhaft prekären Lage war er allerdings vor allem erleichtert, dass die Polizei nur vergleichsweise wenige Ausschreitungen zuließ. "Wir müssen weiter viel präventive Fanarbeit leisten, um irgendwann wieder den Fokus auf den sportlichen Teil zu verlagern", so Hendel. Es wird ein sehr, sehr weiter Weg werden.

    Denn bei den Dresdner Anhängern, die am Samstag am Bahnhof auf Randale aus waren, dürfte jegliche "präventive Fanarbeit" sinnlos sein. Sie sind nur enttäuscht darüber, dass an diesem Tag, wie einer sagt, "nichts geht". So löst sich der Dresdner Mob, in dem sich halstätowierte Rechtsradikale ebenso fanden wie kampfbereite Frauen im Jogginganzug und dick vermummte Teenies, frustriert auf. Schließlich hatte man mit den Berlinern noch einige Rechnungen offen. Die aus alten DDR-Zeiten beispielsweise - denn die alten Rivalitäten taugen als vorgeschobene Rechtfertigung für Gewalt unter Ostclubs immer noch. Selbst in der fünften Liga.

    Vor dem heutigen Landesliga-Derby zwischen Dynamo II und Lok Leipzig (das Spiel endete 2:0) hatten sich die gewaltbereiten Fans beider Lager schon vorher angeheizt. Dresdner Anhänger beschmierten das Vereinsgraffiti am Leipziger Bruno-Plache-Stadion. Die Zahlen 28.10. und ein großes Kreuz sollten kein Zweifel daran lassen, was Leipziger Fans heute in Dresden erwartete. Die Leipziger wiederum verewigten sich an den historischen Flutlichtmasten sowie an den Cateringständen im Dresdner Stadion mit Lok-Schriftzügen. Seit Tagen kursierten im Internet zudem martialische Videos: Collagen von früheren Straßenschlachten wurden dabei mit Kampfansagen für den heutigen Tag angereichert.

    Fernsehverbot im Stadion

    Die Leipziger zeigten sich von ihrer geschmacklosesten Seite und entwarfen Plakate, auf denen die Stadt Dresden im Jahr 1945 in Kriegstrümmern zu sehen ist. Eine Siegesgöttin mit Lok-Fahne in der Hand posiert darüber. Der Slogan lautet: "Auf nach Dresden". In zahlreichen Diskussionsforen im Internet überschlugen sich daraufhin die Drohungen aus beiden Lagern. Vielleicht war das der Grund, dass der sächsische Fußballverband im Vorfeld beschloss, lieber keine Fernsehkameras für das Fünftliga-Derby ins Stadion zu lassen. Schließlich interessierten sich die Sender ja auch sonst nicht für solche Spiele. Nach einigen Protesten durfte zumindest der MDR drehen.

    Was die Kollegen vor die Kamera bekamen, war ein munteres Landesliga-Spiel mit zwei Roten Karten. Die befürchteten Krawalle im Stadion blieben aus. Lediglich einige Dresdner Fans bewarfen die Polizisten im Innenraum immer wieder mit Feuerwerkskörpern. "Das ist natürlich nicht schön. Dennoch bin ich zufrieden, dass es im Stadion nicht zu größeren Ausschreitungen gekommen ist", so Hendel.

    Nach dem Spiel eskalierte die Situation dann aber. Während die Lok-Fans in einem Spalier von Einsatzfahrzeugen und Beamten zum Dresdner Hauptbahnhof geleitet wurden, versuchten Dynamo-Hooligans immer wieder, die Gästefans zu attackieren. Kurz nach dem Schlusspfiff griffen rund 200 Dresdner unweit des Stadions eine Gruppe Beamten an, warfen Steine und feuerten mit Leuchtspur. "Wir wurden massiv bedrängt, haben die Situation aber schnell in den Griff bekommen", sagte ein Dresdner Polizeipressesprecher SPIEGEL ONLINE. Die Beamten drängten den Mob in Richtung Hauptbahnhof, wo sich die Krawalle fortsetzten.

    Zug in letzter Minute gestoppt

    Während die Leipziger auf einem eigens für sie abgesicherten Eingang Richtung Zug eskortiert wurden, gingen Dresdner Hooligans auf dem Bahnhofsvorplatz erneut auf die Beamten los. Nachdem die Polizeikräfte die Angreifer mit Schlagstöcken und Pfefferspray vom Vorplatz gedrängt hatten, versuchte eine Gruppe Dresdner quer über die Gleise in den Hauptbahnhof und damit zu den Lok-Fans zu gelangen. Auf der Suche nach dem Gegner begaben sie sich in Lebensgefahr: Ein einfahrbereiter Zug konnte im letzten Moment gestoppt werden. Nach einem weiteren Vorstoß der Polizei löste sich die rund 200 Mann starke Gruppe schließlich auf.

    Die Bilanz des Krawall-Wochenendes: 229 Fans wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen. Zehn Personen, darunter vier Polizisten, wurden verletzt.

    "Für Toleranz und Integration" warb an diesem Spieltag der Deutsche Fußball-Bund und ließ Plastikbanner mit dem edlen Motto in den Stadien der oberen Ligen anbringen. Angesichts der programmierten Randale an Wochenenden wie diesem erscheinen solche frommen, in der Frankfurter Verbandszentrale erdachten, Appelle als Bekenntnis zur Hilflosigkeit.

    Die nächsten Randalen beim unterklassigen Fußball sind bereits am kommenden Mittwoch zu befürchten. Dann trifft Dresdens Regionalligamannschaft im Sachsenpokal auf Sachsen Leipzigs zweite Mannschaft. Die Polizei kommt mit einem Großaufgebot. Die Randalierer auch. Es ist also wie immer.

    http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,514040,00.html

  • Polizei kritisiert DFB und fordert Spielverbote

    Die Deutsche Polizeigewerkschaft verlangt, dass Partien, bei denen Randale droht, abgesagt werden. Ein Sprecher griff den DFB und die Vereine an, die nicht in der Lage seien, gewaltbereite Fans unter Kontrolle zu halten. Der DFB nannte die Vorwürfe "deplatziert".

    Hamburg - Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert nach den schweren Fußball-Krawallen vom Wochenende in Dresden Veranstaltungsverbote. "Städte und Kommunen müssen in Zukunft das Recht haben, Fußballspiele zu verbieten, bei denen mit gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Anhängern der konkurrierenden Fußball-Clubs zu rechnen ist. Davon sollten sie auch Gebrauch machen, damit den Vereinen endlich klar wird, dass die Polizei nicht länger für ihre Versäumnisse herhalten kann", sagte Rainer Wendt, Vorsitzender der DPolG, heute in Berlin.

    Zugleich fordert er ein härteres Durchgreifen vom Deutschen Fußball-Bund (DFB): "In Dresden ist deutlich geworden, dass die Bemühungen des DFB auf ganzer Linie gescheitert sind. Wenn der DFB offensichtlich nicht in der Lage ist, Randalierer unter Kontrolle zu bringen, dann gibt es keine andere Möglichkeit, als diese Spiele von dritt- und viertklassigen Vereinen zu untersagen." Wendt verwies auch auf die hohen Kosten der Polizeieinsätze, die von den Steuerzahlern beglichen werden müssen - und auf die Folgen für die Polizei: "Unsere Kolleginnen und Kollegen stehen im Steinhagel, weil der DFB Spiele veranstaltet und die Auswüchse nicht im Griff hat. Das ist mehr als grotesk."

    Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn wies die Vorwürfe zurück: "Es ist völlig deplatziert und fahrlässig, den Eindruck erwecken zu wollen, dass bei gewalttätigen Ausschreitungen die Versäumnisse dafür auf Seiten der Vereine liegen und die Polizei dafür herhalten muss."

    Spahn sagte: "Gleichzeitig wäre die Entscheidung, künftig Spiele abzusagen, eine Kapitulation vor kriminellen Gewalttätern und eine Bestrafung der Mehrheit der friedlichen und positiven Fans."

    Das sächsische Innenministerium will noch in diesem Jahr die seit längerer Zeit angekündigte Polizeiverordnung verabschieden, wonach die Clubs bei Verstoß gegen bestimmte Auflagen die Kosten für Polizeieinsätze, die über das normale Absicherungsmaß hinausgehen, mittragen müssen.

    http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,514675,00.html

  • Je mehr die ,sagen wir Grünen + Staat, die Daumenschrauben weiter anziehebn, desto schneller wird sich die Gewaltspirale drehen. Ich halte die Politik für Kontraproduktiv. Die Verein werden nicht durchgreifen können, ausser mit noch mehr Gewalt. Wo ist eigentlich die Deeskalation hingegangen?

    Horschti

    Einmal editiert, zuletzt von Archiv5 (31. Oktober 2007 um 20:09)

  • nach Hause...;)

    Ernsthaft: in vielen Bereichen ist Deeskalation sicherlich richtig und wichtig. Aber ich glaube kaum, dass Du da bei diesen Sachsenderbys mit Deeskalation vorwärts kommst...

    "Dummerweise liebe ich diesen Scheiß-Verein!" (Rüdiger Vollborn)

    Nordkurve e.V.: eine Kurve, Deine Kurve, Nordkurve! http://www.nk12.de

  • Spiele absagen halte ich in solchen Fällen für absolut angebracht. Oder zumindest ohne Zuschauer austragen. Da ist doch mehr Pack als Fans unterwegs und diese Polizeieinsätze, die absolut angebracht sind, kosten ja auch ne Menge Geld.

    Außerdem sollte da mal dringend die Strafen für Randalierer verschärft werden. Wird doch alles gefilmt.

    Einmal editiert, zuletzt von BigB (31. Oktober 2007 um 23:41)

  • Zitat

    Original von Horschti
    Wie denn? Mit knüppeln auf alles was sich bewegt?

    Horschti

    Nö. Das wäre das andere extrem. Aber hart durchgreifen. Und vor allen Dingen hinterher bestrafen, dass es weh tut und die sich dreimal überlegen, sowas nochmal zu machen...passiert doch immer wieder diese Scheiße da. Warum? Weils nicht weh tut...

    "Dummerweise liebe ich diesen Scheiß-Verein!" (Rüdiger Vollborn)

    Nordkurve e.V.: eine Kurve, Deine Kurve, Nordkurve! http://www.nk12.de

    Einmal editiert, zuletzt von Erik M. (1. November 2007 um 11:35)

  • Zitat

    Original von Erik M.

    Knüppeln nicht, aber wegheften, wer sich strafbar macht, alles filmen und hinterher knallhart bestrafen.

    Dann haben wir demnächst den gleichen Fussball wie auf der Insel. Ich finde, das der Fussbal dort kaputt gemacht wurde. Mal abgesehen davon das ich ne permanente Überwachung für verfassungsrechtlich sehr bedenklich halte.
    Ich bin nicht dafür im Stadion Kameras aufzustellen, was aber in allen grossen Arenen schon passiert ist. Die Gewalt ist sowieso nie im Stadion, sondern meistens davor. Was bringt also der ganze Shice? NIx-ausser falschen difamierungen. Wie oft ist es denn schon passiert, das Ordner auf verdacht in den Block gekommen sind um irgendwas zu regeln, wo es gar nix zu regeln gab? Das habe ich das letzte mal in Oberhausen live gesehen. Ich bin eher für eine Selbstregelung, auch wenn es am Anfang schwierig werden würde. Verschiedene Fanszenen, z.B. Offenbach, haben das ganz gut unter Kontrolle. Von dort hört man relativ wenig im Bezug auf Feuer und Gewalt.

    Horschti

  • Zitat

    Original von Horschti
    Ich bin eher für eine Selbstregelung, auch wenn es am Anfang schwierig werden würde. Verschiedene Fanszenen, z.B. Offenbach, haben das ganz gut unter Kontrolle.

    Wie soll denn das funktionieren? Vor allen in Dresden oder Leipzig? Bei diesen unterklassigen Spielen sind doch teilweise mehr Leute wegen der Randale da als wegen des Spiels.