Beiträge von Bergischer Löwe

    Ironiemodus an?

    Man könnte auch einen unschätzbaren Imagegewinn als proaktiv für den Naturschutz eintretender Konzern abschöpfen und dazu auch noch die gesamte Monheimer Bevölkerung als dankbare Freunde gewinnen.
    Im Sinne einer größtmöglichen Fläche für den Naturschutz und die Luftqualität wäre es für die Einwohner der Stadt Monheim und insbesondere für jene, die im äußersten Südwesten der Stadt leben, eigentlich das Beste, wenn die Bayer AG nicht nur das Areal für die angedachte Errichtung des Campus so komplett unverbaut belässt, wie es jetzt ist.

    Sondern darüber hinaus auch die komplette Bebauung südöstlich der Nobelstraße entfernen und die gesamte Fläche der dann vormaligen Crop Science unter den anspruchsvollsten Rahmenbedingungen eines nachhaltigen Naturschutzes aufwändig renaturieren lassen.
    Im nunmehr offenen Zusammenspiel mit dem Buschbergsee, dem Laacher See und der Hitdorfer Seenplatte entstünde ein zusammenhängendes Habitat zuvor unvorstellbaren Ausmaßes.
    Hätte was.

    Ironiemodus aus?

    Wenn man sich in einer strittigen Angelegenheit auf Sachverständige beruft, um die vermeintliche Richtigkeit des eigenen Standpunktes zu untermauern, so sollte man sich der beiden größten Kardinalfehler bewusst sein, welche die Expertise von Sachverständigen ad absurdum führen und die eigene Argumentation absolut unglaubwürdig machen:
    1. Man versäumt das "Einholen einer zweiten Meinung", also das Hinzuziehen kontrovers urteilender Sachverständiger.
    2. Man beruft sich auf einen wegen Befangenheit abzulehnenden Sachverständigen.

    Die in der Causa "Campus" den Naturschutz heranziehenden ablehnenden Begründungen der betreffenden Parteien wie auch sonstiger organisierter und nicht organisierter Gegner tappen tollpatschig in gleich beide Fehlerfallen.
    1. Die ins Feld geführte Expertise beschränkt sich auf eine natürliche Person.
    2. Diese Person, Frau Dr. Lorenz, ist aus gleich zweierlei Gründen wegen Befangenheit abzulehnen:
    2.1. Sie ist gleichzeitig Sachverständige und stimmberechtigtes Mitglied des Stadtrates von Monheim am Rhein.
    2.2. Sie agiert in dieser Sache gleichzeitig als Mitglied einer politischen Partei und als Mitglied einer nichtstaatlichen Organisation.

    Stammtisch- und Feierabend-"Politik" as its best.

    bayer04571
    Danke für deinen Beitrag.
    Vieles davon ist verständlich und nachvollziehbar.

    Halte ich auf den ersten Punkt, also mit Anreisen, leider absolut dagegen
    . . .
    muss ich dir leider definitiv bei deinem Beitrag widersprechen

    Deine beiden "leider" erklären die entscheidenden Schnittpunkte deiner Darstellung mit der meinen.
    Diesbezüglich lohnt eine Ursachenforschung der (insbesondere Nachkriegs-)Fußballgeschichte in NRW.

    Fortuna Düsseldorf gewann als erster NRW-Verein die Deutsche Meisterschaft (1933); allerdings war es und wird es wohl auch die einzige bleiben. Was aber nur teilweise erklärt, warum die Fanbase der Fortuna trotz der großen Erfolgsgeschichte 1979/80 mit 2 Pokalsiegen und dem Einzug ins Europacup-Finale insbesondere außerhalb von Düsseldorf von je her überschaubar war, und somit nicht erst durch den sportlichen Niedergang in den letzten 45 Jahren bedingt ist.
    Direkt danach war Schalke in den 1930er und 1940er Jahren der erste NRW-Verein, welcher eine ganze Serie von Meisterschaften errang, 6 Titel in 9 Jahren. Der Grundstein für den bis heute anhaltenden großen Zulauf dieses Vereins wurde also bereits vor über 90 Jahren gelegt. Hinzu kommt das für die gesamte weitere Entwicklung wichtige Faustpfand, 1963 Bundesliga-Gründungsmitglied sein zu dürfen. Und auf Krisen wie z.B. den Bundesliga-Skandal von 1971 oder den dreimaligen Bundesliga-Abstieg in den 1980er Jahren folgte die zweite große Erfolgsepoche mit dem Europacup-Sieg 1997 und drei Pokalsiegen nach der Jahrtausendwende. Ein Verein, der durch seine Erfolgsgeschichte wie auch durch seine Krisenbewältigung in der bereits sechsten Generation auf seine überaus große, "familiär weitervererbte" Fan-Tradition bauen kann, ist im Fan-Ranking selbstredend stark vertreten weil verwurzelt, auch bundesweit.

    Der entscheidende Knackpunkt für die diesbezüglichen Belange von Bayer 04 als Verein in NRW sind jedoch die ersten Jahrzehnte der Nachkriegszeit. In den 1950er bis 1970er Jahren wurden die Weichen für das heutige Fan-Aufkommen der NRW-Vereine gestellt, und zwar in beiden Richtungen.

    Als da zum einen sind die Titel und das, was daraus gemacht werden konnte. Oder auch nicht.

    Rot-Weiß Essen gewann als erster NRW-Verein der Nachkriegszeit Titel, 1953 Pokalsieger, 1955 Meister. Aufstrebende Konkurrenz für das nach dem Krieg bis dahin titellose Schalke? Nein, denn 1961, ausgerechnet ein Jahr vor dem 1962er Beschluss zur Gründung der Bundeliga im Jahr 1963, stiegen die Rot-Weißen aus der Oberliga West ab, hatten wegen der Dreijahres-Wertung keine Chance auf einen Bundesliga-Startplatz. Und gehören fortan zur großen Schar jener Vereine, welche vor 1963 z.T. über 50 Jahre lang überwiegend oder sogar ununterbrochen (Holstein Kiel!) der Erstklassigkeit angehörten, durch die Bundesliga-Gründung zum Zwangsabstieg verurteilt, und damit in den allermeisten Fällen einer fairen Wahrung ihrer Erfolgschancen beraubt wurden. Mit der Folge einer im Vergleich zu etablierten Bundesligisten deutlich geringeren Anzahl von Fans.

    Ganz im Gegensatz zu jenen 3 Vereinen aus NRW, denen diese wenigen Jahrzehnte in den Schoß fielen, sprich ihnen die ersten Titel und damit massenhaft Fan-Zulauf bescherten. Welchen sie in einem Fall mit erneuten Erfolgen mehren konnten, bzw. von dem sie in zwei Fällen dank "familiärer Vererbung" trotz sportlicher Flaute zehren können.
    Fall Eins ist Borussia Dortmund, mit 3 Meistertiteln 1956, 1957 und 1963, der unstrittigen Bundesliga-Zugehörigkeit 1963 sowie dem ersten Pokalsieg 1965 und darauf folgendem Europacup-Sieg 1966 waren sie es, die, anders als das erst kämpfende und schließlich doch abstürzende RWE (letzter Bundesliga-Abstieg 1977), Schalke den Rang abliefen. Was der Popularität im Revier und weit darüber hinaus trotz des Bundesliga-Abstieges und 4jähriger Zweitklassigkeit 1972-76 nicht nur keinen Abbruch tat, sondern durch die überaus erfolgreichen 1990er, 2000er und 2010er Jahrzehnte die auch durch die Größe der Fangemeinde dokumentierte Etablierung zur weltweit anerkannten Nummer Eins aus NRW betonierte.

    Die beiden nächsten in den 1960er und 1970er Jahren aufstrebenden NRW-Vereine sind, anders als sowohl Westfalen wie auch das Bergische Land, auf der historisch immer wieder französisch geprägten und somit falschen Rheinseite beheimatet.
    Den ersten von 7 Titeln gewann das privilegierte Bundesliga-Gründungsmitglied aus der verbotenen Stadt 1962, den letzten 1983. Das ermöglichte die Rekrutierung von mehr als der eigenen Einwohnermillion an Fans und deren Vererbung an die nächste Generation. Wie auch die Schaffung eines Mythos, der seine "Magie" mit anhaltender jahrzehntelanger Erfolglosigkeit ohne jedwede Aussicht auf Besserung "ausstrahlt". Muss man auch erst mal schaffen. Ist ja aber nichts Einmaliges und schon gar nichts Neues, die alteingesessenen = einzig wahren Münchner trotzen der Übermacht des FC Bayern bekanntlich auch durch ihre unzerbrechliche Treue zu den Sechzgern.

    Ganz anders sah/sieht es bei den Gladbachern aus. Langjähriger West-Oberligist, kein Bundesliga-Gründungsmitglied, aber schon 2 Jahre später wieder aufgestiegen. Nicht nur diesbezüglich glichen sie seinerzeit dem FC Bayern wie ein Ei dem anderen. Die Meisterschale ging 1969 an die Bayern, 1970 und 1971 an Gladbach, 1972, 1973 und 1974 dreimal in Serie and die Bayern, 1975, 1976 und 1977 dreimal in Serie an Gladbach. Dazu holten die Bayern 1974, 1975 und 1976 ebenfalls dreimal in Serie den Europapokal der Landesmeister, Gladbach 1975 und 1979 den UEFA-Cup. Man muss das inclusive der eingebetteten 1972er und 1980er Europameisterschafts- und 1974er Weltmeisterschaftstitel miterlebt haben, um ermessen zu können, warum diese Epoche bis heute vergeblich ihresgleichen sucht. Bei den Fußballfans in Europa und der ganzen Welt machte die treffende Wortschöpfung einer neuen Real/Barca-gleich dominanten deutschen Doppelspitze die Runde. Weshalb die bis heute anhaltende große Beliebtheit der Gladbacher keiner weiteren Erklärung bedarf. Und das, obwohl Gladbach sich spätestens seit dem 1995er Pokalsieg mit wesentlich weniger zufriedengeben muss. Immer in dem Wissen, dass ein befähigtes Management anstelle eines mit der finanziellen Expansion des Profifußballs hoffnungslos überforderten Helmut Grashoff die "Fohlen" mit ziemlicher Sicherheit dauerhaft auf der Erfolgsspur hätte halten können.

    Um sogleich die Schattenseite dieser Epoche aufzuzeigen.
    Bayer 04 war in den 1950er Jahren eigentlich auch auf einem guten Weg, stieg 1951 in die Oberliga West auf. Alsdann wurde 1955 der Einzug in die Endrunde zur Deutschen Fußballmeisterschaft nur ganz knapp verpasst. Am vorletzten Spieltag hatte man es selbst in der Hand, als Tabellen-Dritter im Heimspiel gegen den nur um einen Punkt besseren Tabellen-Zweiten SV Sodingen führte man zur Halbzeit 2:0. Ließ es sich aber mit 2:2 aus der Hand nehmen und musste dem Vorortclub aus Herne am Saisonende den Vortritt lassen.
    Nicht ahnend, dass diese Enttäuschung den Anfang der übelsten Durststrecke in der Vereinsgeschichte einläutete. 1956, nur ein Jahr später, Abstieg aus der Oberliga West. Der Wiederaufstieg von 1962 kam zu spät, ein Platz als Bundesliga-Gründungsmitglied war dahin. Die Chance zum Aufstieg bot sich wenige Jahre später trotzdem, aber 1968 ging auch das wieder hauchdünn daneben. Dieses mal profitierte Kickers Offenbach. 1973 dann der absolute Tiefpunkt, Abstieg in die drittklassige Mittelrheinliga. Der lange und sehr steinige Anstieg zum heutigen Status begann erst 1975.

    Wir brauchen wohl keine Zeittafel, in welcher der Niedergang von Bayer 04 zeitgleich mit der gigantischen Gladbacher Erfolgsgeschichte abzulesen ist. Um zu begreifen, warum 48 Jahre Bundesliga, 40 Jahre Europacup und selbst die dabei gewonnene Titelsammlung von 1988, 1993 und dem 2024er Double nicht mit den damaligen Begeisterungswellen mithalten können.
    Denn im Gegensatz zu den Jahrzehnten des Wiederaufbaus, des Aufbruchs, des Wirtschaftswunders, des unbekümmerten Lebens im stetig wachsenden Wohlstand, wo die Herzen den aufstrebenden Fußballvereinen nur so entgegenflogen; sehen wir uns schon seit längerem konfrontiert mit einem Sammelsurium aus existenziellen Problemen, Rückschlägen, Sorgen, Nöten. In solchen Zeiten der Bedrängnis noch nicht anderen Vereinen zugehörige Fans für sich begeistern zu wollen, ist per se schon schwierig genug.
    Das wird nur mit weiterer harter und jahrzehntelanger Arbeit fruchten. Und das auch nur dann, wenn man gezielt die Fußballfans nachwachsender jüngerer Generationen für sich gewinnen kann. Gerade deshalb ist die Nachwuchsförderung das A und O für Bayer 04. Denn junge Menschen und insbesondere solche im Alter von Heranwachsenden werden sich viel eher zu Bayer 04 hingezogen fühlen, wenn sie Jahr für Jahr neue Gesichter von Gleichaltrigen aus dem eigenen Bayer 04-Nachwuchs auf dem Grünen Rasen sehen.

    Und das wird bei den Anforderungen des modernen Fußballs nur mit einem erstklassigen Campus funktionieren.
    Womit sich der Kreis schließt.
    Nicht notwendigerweise mit dem heutigen Abend in Monheim, aber besser wäre es.

    Solche Überlegungen sind imho deshalb obsolet, weil sie das wichtigste aktuelle Charakteristikum der Leverkusener Fanszene unberücksichtigt lassen.

    Denn das Einzugsgebiet von Bayer 04 hat sich über die letzten 5 Jahrzehnte zumindest unserer beobachtenden Einschätzung nach grundlegend verändert. Während die überschaubare Zahl der Fans zu Zweit-, Dritt- und den ersten Bundesliga-Spielzeiten aus dem Stadtgebiet und der näheren Umgebung kam, bildet die Zahl der "Hiesigen" heute nur mehr eine Minderheit unter den ca. 25.000 Bayer 04-Fans in der BayArena ab.

    Und genau das unterscheidet uns von den meisten anderen Städten im Profifußball. Sowohl Gespräche mit "fremden" Fans in den Umlaufebenen vor den Spielen und in den Halbzeitpausen, als auch die Autokennzeichen der Fahrzeuge auf den Parkplätzen und Straßen im Stadtgebiet bei Heimspielen versetzen daran Interessierte ins Staunen: Mindestens die Hälfte der Anreisenden dürfte einen Strecke von Hin- und Rückweg in der Summe mehr als 100 Kilometern auf sich nehmen, um das Spiel/die Spiele in der BayArena sehen zu können. Vom Niederrhein, aus dem Münsterland, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen, dem Saarland kommen sehr viele. Auch die Fahrten aus weiter entfernten Bundesländern sind für viele kein Hindernis, und das, obwohl die Stadien anderer Bundesligisten für sie mit wesentlich weniger Aufwand zu erreichen sind als die BayArena.

    Damit nicht genug, ist die internationale Fanszene von Bayer 04 absolut vorzeigenswert. Aus den Niederlanden, aus Belgien, Luxemburg, (insbesondere Nordost-)Frankreich, der Schweiz kommen etliche regelmäßig, sogar unter den DKs sind sie zu finden. Klar, positiv Verrückte, die aus dem europäischen Ausland oder gar von anderen Kontinenten kommend zu Spielen einfliegen, gibt es nur wenige. Aber es gibt sie.

    Es gibt keinen anderen Verein im Rheinland, der ein Publikum mit derart umfänglichen Anreisen und ein, insbesondere auch vor den weltweiten Fernsehbildschirmen, derart internationales zig-Millionen-Publikum sein eigen nennen kann. Und genau das ist das Faustpfand von Bayer 04: Über alle Grenzen des Provinziellen hinweg Fans zu begeistern und anzulocken. Gleich wo, gleich welchen Geschlechtes, gleich welcher Hautfarbe, gleich in welcher Sprache sie ihr Bayer 04-Fan-Dasein artikulieren.

    Wichtig ist unser aller Bekenntnis zu Bayer 04. Nicht unser Wohnort.

    14./15. Juli 2021:

    Am fünften Jahrestag sind wir in unseren Herzen und Gedanken bei allen Betroffenen der Hochwasserkatastrophe an Wupper und Dhünn.
    Mögen die stete Aufarbeitung der Traumata und das Einkehren des inneren Friedens gelingen.
    Allen Helfern aus nah und fern gilt unser nochmaliger Dank für ihre Hilfsbereitschaft, ihren aufopferungsvollen Einsatz und ihre Solidarität.

    Die politischen Ebenen wie gleichermaßen alle anderen für den Hochwasserschutz verantwortlichen Stellen haben wir in Dringlichkeit mahnend aufzufordern, dafür Sorge zu tragen, Wupper und Dhünn wie auch die ihnen zufließenden Bäche schnellst möglich so wasserrückhaltend zu regulieren, dass unsere Stadt nie wieder von einem derartigen Unglück heimgesucht werden kann.

    (Fußball-)Göttliche Terminierung des 1.HF für alle zu Hause in Frankreich mitfiebernden Franzosen.
    Zur Anstoßzeit um 21:00 am arbeitsfreien Nationalfeiertag landesweite diffusion en direct publique (= Public Viewing).
    Dazu mit Salatblättern, Thunfisch, Tomaten, Scheiben von gekochtem Ei, Mais und Oliven gefüllte Baguettes oder Pain Bagnats sowie wahlweise Kronenbourg 1664, Cidre oder Rotwein.
    Ça va être merveilleux, excellent, phantastique, gigantesque . . .

    Was uns langjährige leidvolle Erfahrung lehrt:
    Wer infrastrukturbedingte Belastungen vor seiner eigenen Haustür ablehnt, der gehört in aller Regel zu genau denen, die für sich in Anspruch nehmen, selber jederzeit und beliebig oft mit dem Flugzeug überall hin fliegen und mit dem Auto überall hin fahren zu dürfen;
    und jeden Menschen, jedes Tier und jede Pflanze gleich wo auf der Welt durch seine eigene lärmende und umweltverschmutzende Anwesenheit belästigen und/oder schädigen zu dürfen.