Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen. Erfolg im Profifußball auf allerhöchstem, am besten Champions-League-Niveau, ist auch, aber nicht nur abhängig von der individuellen Qualität der einzelnen Spieler, der Qualität im Training, der Aufstellung oder der passenden taktischen Ausrichtung der Mannschaft. Erfolg im Profifußball auf diesem Niveau ist auch Kopfsache, wie Selbstbewusstsein, Siegermentalität, die Bereitschaft in jedem Spiel, wenn nötig, den inneren Schweinehund zu überwinden, wenn es vielleicht mal nicht so läuft.
Wenn ich mir die Reaktion der Mannschaft nach der Niederlage gegen die Bayern gegen einen individuell unterlegenen Gegner Frankfurt anschaue, wenn ich mir die Reaktion der Mannschaft in der 2. Halbzeit nach der schlechten 1. Halbzeit gegen diesen Gegner anschaue, wenn ich mir das gestrige Spiel gegen Bremen anschaue, dann bestätigt mich das einfach nur in meinen subjektiven Einschätzungen, dass es ein Problem mit dem Vermitteln von Leidenschaft, Begeisterung und dem Glauben an die eigene Stärke zu geben scheint. Nur wer selber brennt, kann andere anstecken, so ein Sprichwort. Bosz hat zuletzt bewiesen – und mich damit eines Besseren belehrt – dass er kein schlechter Trainer ist, wenn auch kein Spitzentrainer. Aber um ganz vorne mitzuspielen, der Spielerkader gab und gibt es her, braucht es Konstanz und gerade, wenn es nicht so läuft, braucht ein Trainer die Gabe – die man nicht erlernen kann – der Mannschaft den Glauben an die eigene Stärke einzutrichtern und die Müdigkeit aus den Köpfen zu bekommen. Diese natürliche Gabe, neben all den fachlichen Qualitäten, haben Trainer wie Mourinho, Klopp, Tuchel oder auch Hasenhüttl.
Ich lasse mich von meiner Meinung nicht abbringen, wenn wir die Ziele des Geschäftsführers Carro wirklich erreichen wollen, dann brauchen wir Trainer dieser Kategorie. Ansonsten wird sich an dem ständigen Auf und Ab nichts ändern.
Und noch zur Personalie Alario:
Als kein Stürmer mehr zur Verfügung stand, hat Alario, ein Spieler, der bei Bosz fast nur auf der Bank gesessen hat, mit einer herausragenden Konstanz abgeliefert und mit seinen tollen Toren einen entscheidenden Teil dazu beigetragen, dass die jetzige Tabellensituation immer noch Anlass gibt zu hoffen, dass die Saisonziele erreicht werden können. Jeder weiß, dass Alario herausragende Abschlussqualitäten hat und vom individuellen Potenzial her gesehen, mehr ist, als ein nur ein Ersatzspieler. Nach so einer Phase ihn sofort wieder auf die Bank zu verfrachten, nachdem Schick – ohne Zweifel auch ein Stürmer mit herausragendem Potenzial – wieder fit war, das macht man einfach nicht. So setzte ich den Leistungsgedanken, den Konkurrenzkampf außer Kraft, demotiviere gute Spieler und schaffe Unfrieden im Gefüge der Mannschaft. Absolute Spitzentrainer wissen das und handeln entsprechend. Patrick Schick hätte es sein müssen, der nach seiner Verletzung von der Bank auf seine Chance warten und bei Einsatz hätte abliefern müssen, denn Alario hat abgeliefert und das ist eben Konkurrenzkampf, der eine Mannschaft pusht.