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Saturday, July 5th 2008, 5:44pm

Der Wunderdoktor wechselt die Rheinseite

Der Wunderdoktor wechselt die Rheinseite

Dieter Trzolek (60) ist ein feiner Kerl. In Leverkusen wissen sie das, zumindest die, auf die er noch zählt. Die das vergessen haben, können ihm gerne den Buckel runterrutschen, dann landen sie von selbst da, wo sie hingehören.

Nie, nie würde er das so sagen, der feine Kerl, aber manche Pause im Gespräch hinterlässt – na ja – nennen wir es Interpretationsmöglichkeiten. Aber dann sagt er ganz schnell: „Nee nee, hinterher treten gibt es bei mir nicht. Das ist nicht mein Stil.“ Heißt aber: Er könnte die Möglichkeit, gelinde gesagt, in Erwägung gezogen haben. Und Anlass hätte es gegeben, keine Frage. Es bleiben also zunächst mal zwei Zitate, weichgespült und floskelhaft: „Ich habe in meinem Alter einfach noch mal eine Herausforderung gesucht und gefunden“, sagt Dieter Trzolek.

Einzigartige Methoden
„Ich habe ein Problem damit, mir Bayer 04 ohne ihn vorzustellen, immerhin endet damit eine jahrzehntelange, erfolgreiche Zusammenarbeit, für die ich Dieter Trzolek danke“ soweit Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Solche Sätze gehören sich nicht. Nicht nach 32 Jahren. Auch, wenn ein Vereinswechsel von Bayer 04 Leverkusen zum 1. FC Köln (oder anders herum) seit jeher besondere Maßstäbe verdient. Es ist der Physiotherapeut, der geht. Aber trotzdem nicht irgendwer. Dieter Trzolek ist ein Kauz. Er nuschelt ein bisschen, wirkt manchmal schroff, brödelt vor sich hin, seine Methoden sind eh einzigartig. Aber er hat ein großes Herz. „Kein gutes Gefühl“ beschleicht ihn beim Abschied, es tut auch ein bisschen weh. „32 Jahre kann man nicht weg schmeißen.“ Nächste Woche Mittwoch, wenn er mit seinem neuen Arbeitgeber aus dem Trainingslager in Kärnten zurück ist, werden ihm seine Bayer-Freunde eine Abschiedsfeier hinlegen, die sich gewaschen hat. Inklusive Geschenke und Tränen. Und das ist mal klar: Trzolek kann mehr Freunde im Verein zählen, als jeder Krawattenträger im Vorstand von Bayer 04.

Treue Seele
Weil zu den Freunden auch Michael Meier und Christoph Daum zählten, als FC-Manager und -Trainer noch rechtsrheinisch wirkten, landet er jetzt auf der linken Rheinseite, was in der Region viel mehr bedeutet, als einfach eine Flussüberquerung. „Ausgerechnet zum FC, viele können das nicht verstehen. Aber die müssen damit klar kommen.“ Und das muss Trzolek auch. Er zählt in Deutschland zu den populärsten seiner Branche, er hat schon immer Angebote gehabt, aus Hamburg, aus Dortmund, aus Schalke, „aber ich konnte mich nie trennen“. Feiner Kerl, treue Seele und sowas von loyal. Plötzlich kann er also. Mit 60. „Jetzt mache ich das halt.“ Von wegen Herausforderung.

Das Kräuterbuch von 1895
Blutegel pflastern seinen Weg. Er setzt sie gegen Blutergüsse. Und erhitztes Murmeltierfett. Und Weißkohlsuppe. Gegen Entzündungen. Ihn deshalb Wundermann zu nennen ist eigentlich Unsinn, zwar waren seine Methoden in der Bundesliga völlig unbekannt, doch sind sie für jedermann nachzulesen im Kräuterbuch „Der Drogist“, und das stammt von 1895. Trzolek, der Heilpraktiker gelernt hat, vertraut lieber auf Hausmittel als auf Tabletten, möglicherweise war der Pillenklub Bayer deshalb eh ein Irrtum, doch sie haben ihn gelassen, denn seine Erfolge waren unübersehbar. Nicht, dass er der Schulmedizin misstraut, aber er sagt: „Lieber unwissenschaftlich gesund als wissenschaftlich krank.“ Dass die Spieler heute aufgeschossener und interessierter sind, ist auch sein Verdienst. „Blutegel haben keine Nebenwirkung, Voltaren-Tabletten schon“, das kapiert jeder Kicker. Für viele ist Trzolek eine Vaterfigur, nur wenige können seinen Seitenwechsel nachvollziehen. Das Telefon steht dieser Tage nicht still, jetzt rufen auch mal die Kollegen Physios an. „Früher haben die mich für bescheuert gehalten, heute gehören Kohl, Quark und Egel auch zu ihrem Repertoire.“

Nordlicht im Westen gestrandet
Dieter Trzolek ist Kult. Auch die Fans lieben ihn, und die lieben so leicht keinen in Leverkusen. Er hat nichts mitgenommen beim Seitenwechsel, lässt aber einiges da. „Eine medizinische Abteilung, die sich in der Bundesliga sehen lassen kann.“ Der Zusatz kriegt ein Ausrufungszeichen: „Das können auch die Verantwortlichen nicht leugnen!“ Jetzt sorgt sein Wechsel über den Rhein für soviel Wirbel, dabei ist die Wümme sein Fluss. Trzolek stammt aus Rotenburg zwischen Hamburg und Bremen, im Westen gestrandet und doch ein Nordlicht, daran haben die Jahrzehnte nichts geändert, wie man hört, „un dat will ich auch bleiben“.

Er sagt trotzig „Leverkusen zu den Akten“, doch der Wechsel ist nicht wirklich vollzogen, irgendwas ist da noch. Und wer ihm alles Gute wünscht im neuen Klub, der ebenso alles Gute brauchen kann, solange der Physiotherapeut die prominenteste Neuverpflichtung ist, der kriegt zur Antwort: „Dat mach ich mir gut.“

http://www.welt.de/sport/article2170479/…Rheinseite.html