Der Tonfall hier wieder. Ein Hochgenuss.
Mal zur Sache: Bei allem Frust, für den der Trainer naturgemäß Ventil Nummer 1 ist - ich bleibe dabei, die Saison ist anderswo verkackt worden, nicht auf der Trainerbank.
Hjulmand war und ist die fleischgewordene Schadensbegrenzung. Der ist menschlich wie fachlich ein vermutlich leicht überdurchschnittlich talentierter Erstligatrainer - nicht mehr, nicht weniger. Er ist hier in eine der schlechtesten Situation reingeworfen worden, die sich eine Spitzenmannschaft im deutschen Fußball jemals ohne große Not selbst angetan hat - Meistermannschaft verkauft, für enorm viel Geld Spieler von zweifelhafter Qualität geholt, angeblichen Spitzentrainer nach wenigen Spieltagen gefeuert - und hat aus dieser Situationn relativ viel gemacht.
58-61 Punkte, Europapokalqualifikation, CL-Ligaphase überstanden, Pokalhalbfinale - mal ganz ehrlich, wer von uns hätte das am 3. Spieltag gesehen? Wer hätte das im Zweifelsfall sofort unterschrieben und genommen als Saisonresultat? Ich hätte es nicht gesehen, und auf jeden Fall sofort genommen. Ich hatte ernsthafte Sorgen, dass wir aus der Situation nach dem EtH-Rauswurf nicht am Ende ganz unten rein rutschen, wie damals nach dem Aus von Toppmöller.
Am Ende hat Hjulmand auch seine Grenzen klar erkennen lassen. Viele unserer Spieler nicht wirklich entwickelt, taktisch oft blass, am Ende wohl auch Teile der Mannschaft verloren. Aber dennoch: Seine Resultate sind für die gegebenen Rahmenbedingungen ganz ok. - Am Ende der Saison muss man dann aber den Schadensbegrenzer jetzt dann auch gehen lassen und nach einem Trainer suchen, der das Potential für mehr hat.
Aber man darf Hjulmand aus meiner Sicht unter'm Strich eher dankbar sein für seinen Beitrag, als dass man ihn hier an Kreuz nageln sollte.
Verkackt worden ist diese Saison, wie gesagt, anderswo. Es war natürlich die sportliche Führung, die diese enorme Wette eingegangen ist, den Kader in einer in der Bundesliga nie zuvor gesehenen Art und Weise zu entwerten, unsere Meisterspieler durch eine Riege von Wundertüten zu ersetzen, von denen mit Ausnahme von Maza und mit Abstrichen Poku, Kofane und Blaswich kein Einziger (!!!!!) die gezahlte Ablöse wert war. Alle Transfers über 12 Millionen, von denen wir erschreckend viele hatten, sind gefloppt (über Quansah kann man diskutieren, aber 35 Millionen? Seh ich immer noch nicht). - Dazu dann noch die Vollkatastrophe mit ten Hag.
Da kommen dann eine der schlechtesten Kaderplanungen mit der konkurrenzlos schlechtesten Trainerentscheidung zusammen, die in der Bundesliga im Spitzenbereich jemals getroffen wurden. Sorry, man kann der sportlichen Führung da stand jetzt kein besseres Zeugnis ausstellen.
Rolfes und Co. haben diese Saison verkackt. Nicht Hjulmand. Der hat den Schaden begrenzt. Nicht mehr, nicht weniger. Das kann man lobend anerkennen. Und ihn mit diesem Lob dann nach dem nächsten Spieltag bitte verabschieden, und Rolfes noch mal die Chance geben, es besser zu machen.
Die letzte Chance, hoffe ich, nach zwei zuletzt eben sehr schwachen bis katastrophalen Sommer-Transferperioden.