Ich irre mich gerne, denn mir haben schon viele Menschen das Blaue vom Himmel versprochen. Stand heute vermittelt Wolf Siegeswillen und Feuer. Er ist fair mit den Spielern und kann, mit Verlaub, trotz seines breiten Lächeln durchaus Ansagen machen. Ich würde ihn nicht auf reine Taktikkompetenz reduzieren, denn ich glaube da kann er noch viel dazu lernen und ist vermutlich froh, Peter Hermann an der Seite zu haben.
Darüber hinaus hat Wolf aber definitiv überragende Kommunikationsfähigkeiten, mit denen er alle Trainer, die ich erlebt habe, in den Schatten stellt. Er arbeitet, wie er selber lobt, in einem großen Team, das aus seiner Sicht äußerst professionell aufgestellt ist. Er erlebt sich, so interpretiere ich seine Worte, als Teil eines Ganzen und nicht als "Chef" desselben. Er erkennt die Kompetenz des Teams an und wenn er vom Team der Fußball GmbH in seiner Rolle akzeptiert ist, dann könnte er durchaus die richtige Wahl zur Besetzung des Cheftrainerpostens sein.
Ich persönlich sehe in ihm nicht den Taktikfuchs, sondern den Motivationsfuchs. Und das kann nach hinten losgehen, wenn die Spieler das Gefühl bekommen, gegeneinander ausgespielt zu werden, weil sie die Fairness nicht erkennen. Aktuelles Beispiel wäre Kerem Demirbay, der schon direkt reklamiert hat, vom Ex-Trainer angeblich zu selten berücksichtigt worden zu sein. Eine solche Grundhaltung kann das gesamte Team vergiften und dann ist es aus mit Grinse-Wolf und seiner Fairness. Da nutzen auch keine Ansagen mehr.
Aber ist das ein Grund, Wolf seine Kompetenz abzusprechen? Das als Grund heranzuziehen wäre lächerlich, denn er arbeitet in einem Team und ist für nichts alleine verantwortlich. Welche Haltung sich bei den Spielern einschleicht, beeinflussen viele, nicht der Cheftrainer alleine bzw. der am allerwenigsten.
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So unterschiedlich können Wahrnehmungen und Ansichten sein, User Hartmut.
Ich glaube, ganz im Gegenteil zu dir, dass Wolf vor allem im taktischen Bereich seine Stärken hat. Im Spitzenbereich der Nachwuchsmannschaften des BVB, wo es eben nicht so sehr auf das Vermitteln von Siegeswillen, Feuer und klaren Ansagen ankommt, weil die noch lernen wollen und müssen, hat er es mit mehreren Meisterschaften bewiesen. Ich halte auch deshalb – natürlich nicht nur – Wolf für einen fachlich herausragenden Trainer.
Aber im Seniorenbereich, noch dazu bei einem Kader, wie dem unsrigen, musst du den Akteuren das Fußballspielen nicht mehr beibringen. Um hier maximalen Schub aus der Mannschaft zu holen, musst du den Kader für deine Spielidee und für die gemeinsame Sache überzeugen und darüber hinaus auch begeistern können. Du musst in der Lage sein, was auch viel mit natürlicher Autorität zu tun hat, diese begnadete Fußballmannschaft, mit weit über 20 verschiedenen Charakteren und verschiedenen Nationalitäten, während des Pflichtspiels zu einer verschworenen Einheit zu formen. Diese Fähigkeit fehlt ihm. Und die Mannschaft muss auch das Gefühl haben, dass der Trainer jederzeit alles, auch während des Spiels, im Griff hat. Also was ich bisher an der Seitenlinie von ihm gesehen habe, ist, dass er in dieser Beziehung nichts im Griff hat. Damit will ich nicht behaupten, dass er ein Spiel nicht lesen kann oder er nicht wüsste, wenn das Spiel der Mannschaft mal hakt, was zu tun wäre – ganz im Gegenteil. Er scheint aber während des Spiels, keinen Zugriff auf die Mannschaft zu haben. Die Mimik und Gestik bei Situationen, in denen er eingreifen und der Mannschaft helfen will, deutet eher auf Hilflosigkeit hin.
Hannes Wolf ist selbstbewusst, keine Frage, aber ihm fehlt eindeutig das Selbstbewusstsein, um dem absoluten Spitzenbereich des Profifußballs, seinen Stempel aufdrücken zu können. Er ist zu brav, er ist zu nett. Du musst auch mal, wie Calli immer sagt, ein Drecksack sein können. Die Mischung macht letztlich den Unterschied, siehe Nagelsmann, dem er fachlich in nichts nachsteht. Ein Cheftrainer auf diesem absoluten Spitzenniveau im Seniorenbereich zu sein, das entspricht einfach nicht seinem Naturell und deshalb hielten sich seine Erfolge in diesem Bereich auch in Grenzen.
Sein Auftritt im Sportschau-Club war sehr eloquent. Er ist ein sachlicher, intelligenter und natürlich absolut sympathischer Zeitgenosse. Daraus zu schließen, dass die Kommunikationsfähigkeiten auch innerhalb des drittteuersten Kaders in einer der Topligen Europas herausragend sein müssen, wie du es formuliert hast, halte ich für sehr gewagt.