Was unserem Team in Gänze fehlt, ist ein Herzstück, ein führender Motor, ein Taktgeber. Nun ist dies allerdings nicht neu. Unser ZM ist völlig isoliert und ohne Bindung der vorderen und hinteren Reihen. Insofern sind wir auch nicht in der Lage, aus dem Team heraus, souverän die letzten Minuten eines Spiels zu absolvieren oder im Laufe des Spiels Ruhe hinein zu bringen. Da sind wir aktuell noch zu sehr von extern angewiesen. Dies ist insofern interessant, da dass 4-3-3 im spielerischen Umsatz zu den einfacheren Systemen gehört. Aranguiz ist als 8er im Grunde unser Xavi, einer der antizipiert, Räume zuläuft, die erst noch entstehen, die vordern Reihen absichert, eine Art defensives Gehirn, ohne mit überragender Offensive herauszustechen. In der BL kann er allerdings ebenso als alleiniger 6er agieren und diese Fähigkeiten einbringen, bspw. wenn Baumgartlinger fehlt, nur muss man dies dann auch entsprechend deutlich machen, denn Voraussetzung dafür ist ein Stück weit, dass die vor ihm agierenen Spieler ihre Offensivqualitäten einbringen und den komplementären Part übernehmen. Aranguiz hat aus dieser Perspektive im Spiel gegen Mainz eine richtig gute Partei gemacht, nur sind wir nicht unbedingt die taktikaffinste Nation, um dies entsprechend zu erkennen oder einzuschätzen. Mit Wirtz haben wir eine brilliante Besetzung als 7er im Zentrum, der nun einen Nebenmann benötigt, um sich selbst freier zu bewegen. In dieser Hinsicht ist seine Situation vergleichbar mit der von Brandt, der ebenfalls jemanden an seiner Seite benötigt. Diese dritte Position ist es, die wir präziser besetzen müssen. Und dies ist eine kleine Herausforderung. Denn das ist unsere Stellschraube, wenn wir strategisch weiter auf Ballbesitz gehen und in vergleichbarer Form agieren wollen. Amiri hat ein paar gute Spieler auf dieser Position absolviert, in erster Linie in Umschaltmomenten, er bleibt allerdings ein 11er und sollte entsprechend in der vorderen Reihe positioniert werden, im Zentrum ist er fehlplatziert, hat seine Stärken in anderen Positionierungen. Der Versuch mit Demirbay kann nur gelingen, wenn er die Positionsbeschreibung mit an die Hand bekommt und klare Aufgaben zu erledigen hat, mit wenigen Kontakten und cleverem Stellungsspiel aus dem Zentrum heraus und ohne, auf den Seiten aufzutauchen. Die vermutlich schnellste Lösung wäre mit einem Strategiewechsel das Heil im direkten Umschaltspiel zu suchen, dann wäre zur Besetzung des ZM mit Diaby auch ein zweiter 7er an der Seite von Wirtz denkbar, flankiert von Bailey auf links und Amiri oder einem weiteren Spieler aus unserem Portfolio auf rechts. Dies hieße jedoch, Spieler in erster Linie nach ihren Stärken einzusetzen...
Vielleicht noch ein Gedanke: Hradecky ist im Gesamtpaket womöglich der beste Torhüter, der jemals für uns im Tor stand. Sicher aber einer der Besten. Mit dem Wissen seiner Leistungsfähigkeit käme nach einem schwächeren Spiel wohl niemand auf die Idee, ihn komplett in Frage zu stellen oder gar den Torwart-Trainer zu hinterfragen. Was wäre nach einer Serie an schwächeren Spiel oder wenn der Ersatztorhüter patzen würde? Würden wir dann den Torwart-Trainer hinterfragen? Wieviele Torwarttalente müssten auf der Strecke bleiben oder in der Entwicklung stagnieren, bis der Torwart-Trainer tatsächlich hinterfragt würde? Beim Headcoach an der Seitenlinie ist dies viel gezielter möglich, jede Woche erbringen mindestens 10 Feldspieler diese Informationen in zeitlich geraffter Form. Wenn wir nun wissen, was ein einzelner Spieler zu leisten im Stande ist und welchen Anteil dieser, im Hinblick auf die Teamleistung, zu erbringen vermag, dann entsteht eine durchaus informative Betrachtung. Dazu am Gegner oder der Belastung orientierte Aufstellungen, vorgenommene oder verpasste Wechsel, Entwicklungen und Stagnationen einzelner Spieler, Integrieren neuer Spieler, Abstellen von Fehlern. All dies scheinen Informationen, die wir hier Woche für Woche gebalt gebündelt bekommen. Das ist dagegen beim Torwart-Trainer vermutlich eine echte Herausforderung... 