Das Konstrukt Rasenball wurde meiner Wahrnehmung nach seit BL-Eintritt medial kaum oder so gut wie nicht medial in Frage gestellt (im Gegensatz zu der Reaktion vielen Fanszenen). Vergleichsweise haben und hatten wir es trotz 46 Jahren ununterbrochener BL-Zugehörigkeit weitaus mehr mit Animositäten und verzerrten Darstellungen zu tun. Das Meisterjahr hat alles ein bissschen relativiert, aber nichts hält sich nunmal hartnäckiger als (dumme) Klischees. Hinzu kommt, dass Leipzig eine bedeutende Stadt in Ostdeutschland und exponierter Vertreter des Ost-Fußballs in der Top-Liga ist. Da hat man selbstredend auch ein interessantes Kunden-Potenzial vor Augen.
Das Konstrukt RB Leipzig kam durch die Gründung des Vereins durch die Red Bull GmbH im Jahr 2009 in den Fußball, wobei das Startrecht des SSV Markranstädt aus der Sachsenliga übernommen wurde. Was den sofortigen Start in der fünften Liga ermöglichte und eine schnelle Aufstiegskette in die Bundesliga einleitete, wobei der Club durch umstrittene Strukturen und Marketingstrategien (z.B. der Name "RasenBallsport Leipzig") die 50+1-Regel umging. Ein reines Geschäftsprojekt von Red Bull. Jürgen Klopp als "Global Head of Soccer" von Red Bull ist für mehrere Fußballteams zuständig bis hin zu Nationalteams (Salzburg, Leipzig, New York, Brasilien, Japan). Da sind Interessenkonflikte plus Wettbewerbsverzerrung m. E. so offensichtlich wie unvermeidlich (s. die Spielertransfers zwischen CL-Teams wie Salzburg und Leipzig). Mateschitz hätte vor allem dem deutschen Fußball, auch in politischer Hinsicht, einen besseren Gefallen getan, wenn er statt in das Kunstprodukt RB in Lok Leipzig oder BSG Chemie Leipzig investiert hätte. Wenn er schon dem ostdeutschen Fußball wieder mehr Geltung verschaffen wollte.