Theofanis Gekas ist mit zehn Toren aus neun Spielen in der europäischen WM-Qualifikation der beste Torschütze überhaupt. In den Playoffs will er mit Griechenland nun unbedingt das Ticket für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 zu lösen.
Doch mit der Ukraine wartet ein unangenehmer Gegner auf den Europameister von 2004. Im Exklusiv-Interview mit FIFA.com sprach der Angreifer in Diensten von Bundesliga-Tabellenführer Bayer Leverkusen über seinen Torriecher, den Gegner aus Ost-Europa und seine Situation im Verein.
Theofanis Gekas, Sie sind der erfolgreichste Torschütze der europäischen WM-Qualifikation. Was bedeutet Ihnen diese Tatsache?
Das bedeutet mir schon Einiges. Wenn man in der WM-Qualifikation die meisten Tore geschossen hat, dann ist das ein sehr schöner persönlicher Erfolg. Allerdings spiele ich ja nicht alleine. Das habe ich auch und vor allem der Mannschaft zu verdanken. Am meisten hätte ich mir gewünscht, dass wir uns direkt für Südafrika qualifiziert hätten. Dann hätte ich mich noch mehr über meine Tore freuen können.
Woher kommt diese Treffsicherheit in der Nationalmannschaft?
Das griechische System ist stark auf mich zugeschnitten. Das kommt mir zugute - genau so wie die Qualität meiner Mitspieler, die mich wunderbar einsetzen.
Bei der Auslosung der Playoffs schien es so, als würden alle nicht gesetzten Mannschaften darauf hoffen, gegen Griechenland gelost zu werden. Wie lautet Ihre Erklärung dafür?
Offensichtlich scheinen uns die anderen Mannschaften als eher leichten Gegner einzuschätzen. Aber kein Endergebnis entsteht aus Einschätzungen oder Erwartungen. Das Spiel wird immer noch auf dem Platz gemacht. Im EM-Jahr 2004 war das nicht anders. Da wollte jeder Griechenland als Gruppengegner haben. Man hat gesehen, was daraus wurde...
Letztendlich ist es nun die Ukraine, gegen die Sie am 14. und 18. November spielen werden. Wie denken Sie über diesen Gegner?
Natürlich ist das ein schwieriger Gegner, das wird kein leichtes Spiel. Trotzdem glaube ich, dass wir gute Chancen haben. Alles liegt in unserer Hand. Wenn wir unsere Leistung bringen, dann werden wir auch nach Südafrika fahren.
Könnte es für die Ost-Europäer von Vorteil sein, bereits einmal in den WM-Playoffs gestanden zu haben (2001 gegen Deutschland)?
Nein, das spielt überhaupt keine Rolle. Erstens haben sie ja damals verloren. Und außerdem ist das heute eine ganz andere Mannschaft mit vielen jungen Spielern. Die Ukraine hat keinen Vorteil. Im Gegenteil, ich denke, dass ihnen ein bisschen Erfahrung fehlen wird. Erfahrung, die wir besitzen.
Auf welche Spieler der Ukraine muss Griechenland ein besonderes Auge haben?
Wir spielen nicht gegen einen oder zwei Spieler. Wir müssen die gesamte Mannschaft im Auge behalten. Da darf man niemanden hervorheben. Aber wenn wir unser Spiel durchziehen und konzentriert sind, dann werden die Ukrainer Probleme bekommen.
Für Griechenland wäre es die zweite WM-Teilnahme nach 1994 in der Geschichte des Verbandes. Was würde das WM-Ticket für den Fussball in Ihrem Heimatland und für Sie persönlich bedeuten?
Für uns Griechen ist es immer etwas Besonderes, an einem großen Turnier teilzunehmen. Natürlich wäre es ein riesiger Erfolg für uns, in Südafrika dabei zu sein, weil wir uns jetzt drei Mal in Folge nicht für die Weltmeisterschaft qualifizieren konnten. Jetzt haben wir die große Chance. In der Heimat würde ein Freudentaumel ausbrechen. Für mich selbst wäre eine WM-Teilnahme - ich glaube, das gilt für jeden Spieler - einer der größten persönlichen Erfolge. Es ist einfach fantastisch, sich mit den Besten der Welt messen zu können.
Im Verein bei Bayer Leverkusen läuft es bislang noch nicht richtig rund für Sie. Und die Konkurrenz ist groß. Wie sehen Sie Ihre Situation bei der Werkself?
Richtig, die Konkurrenz ist groß in Leverkusen. Wir haben sehr gute Spieler, und jeder will in die Mannschaft. Deshalb muss man versuchen, die Chance zu nutzen, wenn sie sich bietet. Darauf konzentriere ich mich. Ich arbeite. Ich versuche da zu sein, wenn ich gebraucht werde. Das verlangt der Klub von mir - genau so wie ich selbst.
Dafür läuft es für den Klub umso besser. Was ist mit Bayer in dieser Saison drin?
Wir haben sehr gut angefangen in dieser Saison und uns klasse verstärkt. Das Team hat sich schnell gefunden, untereinander verstehen wir Spieler uns ausgezeichnet. Das Mannschaftsgefüge stimmt einfach. Aber eine ganz wichtige Rolle spielt natürlich der Trainer. Er hat die nötige Erfahrung. Er hat höchste Qualität. Wir können in dieser Konstellation viel erreichen, wenn wir weiterhin so zielgerichtet arbeiten. Wenn wir so fokussiert bleiben wie bisher, können wir bis zum Schluss oben mitspielen. Wir wollen nach Europa.
Sie arbeiten sowohl im Klub, als auch in der Nationalmannschaft unter sehr erfahrenen Trainern. Gibt es Parallelen oder gar große Unterschiede zwischen Jupp Heynckes und Otto Rehhagel?
Jeder Trainer hat seine eigene Philosophie. Otto Rehhagel vermittelt in seiner Arbeit eine rein deutsche Mentalität. Er versucht, typische deutsche Tugenden wie Disziplin oder Ernsthaftigkeit in unserem Spiel zu manifestieren. Mit seinem Ansatz hat er in Griechenland großen Erfolg. Das zeigt sich allein daran, dass in Hellas noch kein Nationaltrainer so lange im Amt war, wie er es jetzt ist. Er hat bei uns zweifellos Sportgeschichte geschrieben.
Jupp Heynckes hat lange Jahre in Spanien gearbeitet, auch in Portugal. Das hat ihn natürlich geprägt, die spanische Mentalität kommt bei ihm schon durch. Ich glaube, er profitiert heute sehr davon, bei großen europäischen Klubs gearbeitet zu haben. Jupp Heynckes ist ein sehr glaubwürdiger Trainer, der ein gutes Gefühl für die Spieler hat. Er versucht und schafft es eigentlich immer, mit seiner Arbeit etwas Besonderes für und aus jedem Spieler herauszuholen.