Von Kirsten zu Heynckes
Gegen Werder Bremen war Kevin Kampl zum ersten Mal im Kader der Bundesligamannschaft – das Trikot mit der Nummer 37 hat er natürlich behalten.
FUSSBALL Der 18-jährige Solinger Kevin Kampl steht auf dem Sprung in die Bundesliga-Elf von Bayer Leverkusen.
Von Max Janke und Martin Auer
Sonntag, 17.30 Uhr: Normalerweise sitzt der 18-jährige Solinger Kevin Kampl um diese Uhrzeit zu Hause vor dem Fernseher und schaut sich die Bundesliga an. Diesmal nicht. Diesmal ist er ganz dicht dran. Bayer-Trainer Jupp Heynckes hat den Spielmacher der Regionalliga-Reserve kurzfristig in den Kader für die Bundesliga-Partie der Leverkusener gegen Werder Bremen beordert, weil sich mit dem Brasilianer Renato Augusto einer seiner Profis verletzt hatte. Diesmal bleibt Kevin Kampls Trikot mit der Nummer 37 bis zum Abpfiff unverschwitzt, aber der Weg des Solingers, der als 6-Jähriger von Bayer-Talentspähern nach Leverkusen geholt wurde, scheint geradewegs in den Profi-Fußball zu führen.
Starke Auftritte in der Regionalliga
„Im Moment trainiere ich fast nur bei der Ersten mit“, berichtet Kevin Kampl, der sich in seinem ersten Senioren-Jahr eigentlich in der Zweiten von Bayer 04, die von Ex-Nationalspieler Ulf Kirsten gecoacht wird, die ersten Sporen verdienen sollte. Aber nach sechs Partien in der Regionalliga, in denen der „Bayer-10er“ vom Fachmagazin „Kicker“ fünfmal als stärkster Leverkusener Akteur gesehen wurde, wurden Jupp Heynckes und sein „Co“ Peter Hermann auf den technisch starken Youngster aufmerksam.
ZUR PERSON
Geburtstag: 9. Oktober 1990
Grösse, Gewicht: 1,80 m, 63 Kilo
Vereine: 1994 bis 1997 VfB Solingen, 1997 bis 2009 Bayer Leverkusen Jugend, ab 2009 Bayer Leverkusen 2 Vertrag: bis Juni 2010
LÄNDERSPIELE: U 17 und U 18 für Slowenien
Das bedeutet für Kevin Kampl derzeit acht Trainingseinheiten pro Woche, den „Chauffeur“ nach Leverkusen macht - wie meist in den vergangenen zwölf Jahren - sein 18 Jahre älterer Bruder Jackie, der beim VfB Solingen in der Bezirksliga spielt. „Ich bin gerade dabei, meinen Führerschein zu machen“, erzählt Kevin, der nächste Woche Freitag seinen 19. Geburtstag feiert.
In Richtung Profi-Fußball geht es für Kevin Kampl seit gut vier Jahren. Mit Beginn der B-Jugend erhielt er in Leverkusen einen Vierjahres-Vertrag plus einjähriger Option für das erste Senioren-Jahr. Angebote aus dem Profi-Lager gab es schon vor dieser Saison, zumal Kevin Kampl auch bereits für die Junioren-Nationalmannschaft von Slowenien international im Einsatz war. „Mein Berater hat mir empfohlen, das Optionsjahr in Leverkusen zu machen‘‘, sagt Kevin Kampl. Seit einem Jahr lässt er seine Angelegenheiten von einer professionellen Agentur regeln: ,,Ich muss den Kopf für den Fußball frei haben, da kann man sich nicht auch noch um hereinkommende Angebote kümmern.‘‘
„Besonders Peter Hermann macht mir Mut, dass ich es sogar bei Bayer schaffen kann“, sagt Kevin Kampl, auch wenn er nicht mit einem schnellen Bundesliga-Einsatz rechnet: „Solange die Mannschaft ganz oben steht, werde ich wohl keine Chance kriegen.“ Klar ist, dass er mit dem Vertragsablauf Ende dieser Saison wichtige Weichen stellen muss - Kevin Kampl setzt ohne Alternative auf Profi-Fußball. Nach dem Hauptschulabschluss hat er das Angebot ausgeschlagen, eine Berufsausbildung bei Bayer zu machen. Dass Kevin Kampl gerne hier in der Region bleiben würde, hat auch mit Freundin Vanessa zu tun, die er vor eineinhalb Jahren auf einer Eishallenparty kennengelernt hat. Kevin: ,,Seit ich mit ihr zusammen bin, bin ich viel ruhiger geworden und hab’ nicht mehr so viel Mist im Kopf.‘‘
(solinger-tageblatt)