Bruno Labbadia hatte einen Wunsch. Schon im Spätsommer 2008, als Bayer Leverkusen begann, die Fußballnation mit einem hinreißenden Tempofußball zu begeistern, sprach der Trainer immer wieder davon, dass er sich nach einem "dreckigen Sieg" sehne. Doch seine Mannschaft gewann mal 5:0 oder sie spielte 3:3, nach der Winterpause begann sie dann regelmäßig zu verlieren. 25 Spieltage musste Labbadia warten, nun ist sein Wunsch mit einem biederen 2:0 (0:0) beim 1. FC Köln in Erfüllung gegangen. "Ich bin sehr zufrieden, weil wir heute mal nicht im Hurra-Stil gewonnen haben, sondern aufgrund unserer großen taktischen Disziplin", sagte Labbadia.
Es war ihm völlig egal, dass kaum noch etwas zu sehen ist vom faszinierenden Spaßfußball der ersten Saisonhälfte. Das Niveau der Partie war dürftig, Köln spielte mit einer "Zehnerkette vor dem Torwart", wie Patrick Helmes erklärte, und die Leverkusener verzichteten erstmals in dieser Saison auf Renato Augusto. Geschwächt von einer Magen-Darm-Grippe, saß der Brasilianer eine Stunde lang auf der Bank.
Dennoch erspielten die Leverkusener sich zunächst ein leichtes Übergewicht, hatten aber lange mit ihrem Hauptproblem der vergangenen Wochen zu kämpfen: Gute Torgelegenheiten ergaben sich kaum. Ein Fernschuss von Henrique blieb bis zur Pause die gefährlichste Aktion der Gäste (15.). Noch ungefährlicher waren allerdings die Kölner, die eigentlich "in 90 Minuten gar keine Chance" hatten, wie Labbadia meinte - genauso hatte er sich das aber auch vorgestellt.
Der Trainer war fast erstaunt, wie gut seine taktischen Überlegungen aufgegangen waren. Die Kölner sollten müde gespielt werden, damit sich nach einer Stunde Räume für die eingewechselten Kreativspieler Augusto und Toni Kroos ergeben. Kaum waren die beiden auf dem Platz, schloss Stefan Kießling eine gelungene Kombination zum 1:0 (66.) ab. Labbadia nahm diesen Treffer als Indiz für die Reife seiner Mannschaft. "Das ist ein Ergebnis unseres Lernprozesses", sagte er.
Zehn Minuten später entschied dann Schiedsrichter Peter Sippel das Spiel, als er den Leverkusenern einen umstrittenen Elfmeter zusprach (Geromel an Kießling). Helmes verwandelte und liegt nun mit 18 Treffern hinter Wolfsburgs Grafite (20 Tore) auf dem zweiten Rang der Torjägerliste.
Das bleibt aber eine Nebensächlichkeit, denn Bayer ist vor allem damit beschäftigt, eine Saison zu retten, die wie ein Märchen begann, zuletzt jedoch in ein Desaster zu münden drohte. "Dieser Sieg war wichtig für unser Selbstvertrauen", sagte Kießling, und das brauchen sie nicht nur für die Liga. Zwar konnte Bayer seinen Rückstand auf Platz fünf um einen Zähler verkürzen, der einfachere Weg in den Uefa-Cup führt aber über den DFB-Pokal, wo im Halbfinale Mainz 05 wartet. "Wir müssen in der Liga zurückkommen, um gegen Mainz eine Chance zu haben", sagte Labbadia. Vielleicht ist ja der kommende Spieltag mit einer Partie gegen Werder Bremen ein geeigneter Moment, auch die verlorene Spielkunst wieder zu entdecken.
Berliner Zeitung