München - Nur noch drei Wochen hat Bundestrainer Joachim Löw Zeit bis zum ersten Länderspiel der Saison am 20. August gegen Belgien, um seine künftige Nummer eins zu nominieren.
Um diese Position gibt es ein heftiges Gerangel. Ende dieser Woche hat Löw mit seiner derzeitigen Stammkraft Jens Lehmann ein Treffen anberaumt, bei dem es um die Zukunft des Neu-Stuttgarters geht.
"Ich will mit ihm mal essen gehen und grundsätzlich darüber sprechen, wie er seine Karriere plant. Er hat es ja offen gelassen", sagt Löw zur "Sport Bild".
Unabhängig davon, wie sich der 38-Jährige über seine Zukunft äußern wird, meldete nach Robert Enke (Hannover) nun auch Leverkusens Keeper Rene Adler Ansprüche an, Lehmanns Nachfolger werden zu wollen.
Für Adler wäre es "das Größte"
Der 23-Jährige sagte gegenüber der "Bild", er stehe bereit, falls der ehemalige Arsenal-Schlussmann seinen Rücktritt anböte: "Die Nummer eins für dein Land zu sein - das ist doch das Größte, was ein Spieler erreichen kann."
Auch dass er noch zu jung für das hohe Amt sei, glaubt Adler nicht: "Es wäre die Bestätigung meiner Arbeit der letzten zwei Jahre."
Der Bundestrainer hält große Stücke auf den Leverkusener. "Es ist toll, wie er als Torwart mitspielt und ein Spiel lesen kann. Er verkörpert den modernen Torhüter von heute", meinte Löw.
"Junge Torhüter mit Qualität"
Ob Lehmann freiwillig die herausragende Position in der Nationalmannschaft aufgeben wird, darf bezweifelt werden.
Zuletzt hatte der Bundestrainer betont, dass er die Entscheidung treffen müsse: "Jens ist schließlich 38 Jahre alt, und wir haben junge Torhüter wie Adler und Manuel Neuer, die ihre Qualität unter Beweis gestellt haben."
Sollte Lehmann doch abtreten, dann würden auch weitere Kandidaten wieder für den DFB-Kader in Frage kommen. "Wenn es eine neue Ordnung im Tor geben sollte, stehen vier, fünf Torhüter im Blickpunkt, verriet Löw in der "Sport-Bild". "Dazu zählen auch Tim Wiese und Roman Weidenfeller."
Friedensangebot an Wiese?
Während sich der Dortmunder Weidenfeller bedeckt gehalten hatte, hatte sich der Bremer nach seiner Nicht-Nominierung im letzten Jahr echauffiert.
"Ich bin nicht enttäuscht", hatte Wiese gesagt: "Aber das Kapitel Nationalmannschaft unter Bundestrainer Joachim Löw ist damit für mich kein Thema mehr. Es ist abgehakt."
Fast resignierend fügte Wiese hinzu: "Ich kann halten wie ich will, es wird ja sowieso nicht belohnt."
Leistung als Kriterium
Der Rüffel vom Bundestrainer folgte prompt. "Wir entscheiden nicht nach Sympathie oder Antipathie, sondern nach Leistung."
Erst recht nach der EM. "Wenn Jens Lehmann nicht mehr zur Verfügung steht, dann haben wir eine andere Situation. Dann gibt es nicht mehr die klare Nummer eins", sagte der DFB-Coach.
"Wir wollen einen Konkurrenzkampf. Alles hängt von den Leistungen in der Bundesliga und im Europacup ab."
Christian Gies