Leverkusen (rpo). Der FSV Mainz 05 hat in Leverkusen drei eminent wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg gewonnen. Nach neun Spielen in der Fremde ohne dreifachen Punktgewinn beendete die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp am 26. Spieltag in der BayArena mit 2:1 (1:0) den Auswärtsfluch. Die UEFA-Cup-Hoffnungen der Werkskicker erhielten hingegen einen herben Dämpfer.
Schlammschlacht um Ex-Manager Reiner Calmund, die Mannschaft nur ein Torso - Bayer Leverkusen steht vor einem Scherbenhaufen. Nach den unappetitlichen gegenseitigen Schuldzuweisungen um den Abschied des ehemaligen Machers Calmund lieferte die Bayer-Truppe bei der desaströsen 1:2 (0:1)-Niederlage gegen Abstiegskandidat FSV Mainz 05 als I-Tüpfelchen noch den sportlichen Offenbarungseid ab.
"Wir haben als Mannschaft versagt, es fehlte die Einstellung. Für so eine Leistung müssen wir uns sehr schämen", meinte Torschütze Paul Freier (85.) selbstkritisch. Sportchef Rudi Völler verschwand nach dem Abpfiff wutschnaubend in den Katakomben, während Bayer-Boss Wolfgang Holzhäuser mit aschfahlem Gesicht bereits nach einer Stunde seinen Platz verlassen hatte und wie schon häufiger den einer Arbeitsverweigerung gleichenden Auftritt der Werkskicker auf der Tribüne nicht mehr ertragen konnte.
Statt wichtige Punkte im Kampf um einen UEFA-Cup-Platz daheim gegen die zuvor seit neun Auswärtspartien sieglosen Rheinhessen einzufahren, erhielten die Leverkusener von den Gästen Anschauungsunterricht in Sachen Disziplin, mannschaftlicher Geschlossenheit und Einsatzwille. Das Plakat des FSV-Fans mit der Aufschrift "100 Prozent Einsatz für unser Ziel" war Programm für die "05er". Der Ägypter Mohamed Zidan (34./64.) sorgte mit einem Doppelpack für den ersten Auswärtserfolg seit dem 21. September 2005. "Wir haben vor drei Wochen einen Neuanfang ausgerufen, unseren Kampf als Abstiegskampf aufgenommen", kommentierte FSV-Trainer Jürgen Klopp, der den Matchwinner lobte: "Zidan ist gelaufen wie ein Reh."
Lethargische Gastgeber
Ganz anders die Hausherren. Schneider, Berbatow, Woronin und Co. wirkten lethargisch, ideen- und kraftlos. Trainer Michael Skibbe ("Wir haben das Kampfspiel nicht als Kampfspiel angenommen") analysierte zwar wie schon häufiger vortrefflich, aber seiner Mannschaft konnte er bislang nicht vermitteln, woran es letztendlich hapert. "Wir treten auf der Stelle", lautete das fast hilflos wirkende Resümee Skibbes. Zu allem Überfluss erlitt Ex-Kapitän Jens Nowotny schon nach wenigen Minuten eine schwere Prellung am linken Knie und musste ausgewechselt werden.
Mit einem 1:3 in Mainz hatte Skibbe, der ehemalige Assistent von DFB-Teamchef Völler, am 15. Oktober vergangenen Jahres sein Traineramt in Leverkusen angetreten. Die ernüchternde Skibbe-Bilanz seitdem: sieben Niederlagen und nur fünf Siege bei sechs Remis.
Auch in der Auseinandersetzung mit Calmund fährt Bayer unterdessen einen sonderbaren Kurs, der Konflikt wurde am Wochenende weiter angeheizt. Dem einstigen XXL-Manager wurde von Seiten des Bayer-Konzerns eine Medienkampagne vorgeworfen, obwohl sich "Calli" nur zur Wehr setzte, nachdem Bayer zwei Wochen zuvor schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Geschäftsführer erhoben hatte.
"Prozess-Weltmeister"
Bayer hatte eine Zahlung von 580.000 Euro an den Spielervermittler Volker Graul, die von Calmund veranlasst worden war, als Grund für die Demission des Ex-Managers 2004 angegeben. "Die öffentlichen Erklärungen von Reiner Calmund haben nach Einschätzung der Bayer AG deutlich gemacht, dass der frühere Geschäftsführer mit Angriffen gegen Holzhäuser von den eigentlichen Sachverhalten ablenken will, anstatt nachprüfbare Fakten über den Verbleib und die Verwendung der 580.000 Euro Barentnahme vorzulegen. Verein und Konzern verurteilen diese Vorgehensweise von Reiner Calmund", heißt es in der Erklärung des Bayer-Konzerns.
Das Unternehmen machte das weitere Verhalten gegenüber Calmund vom Ausgang der laufenden Ermittlungen abhängig und behielt sich weitere juristische Schritte vor. Den Titel als inoffizieller "Prozess-Weltmeister" hat Bayer nach diversen juristischen Scharmützeln allerdings schon inne ...
STIMMEN ZUM SPIEL
Trainer Michael Skibbe (Bayer Leverkusen): "Wir haben heute gegen Mainz ebenso verdient verloren wie in der Hinrunde und in Bielefeld. Das Hauptübel war, dass meine Mannschaft kein Rezept gegen das Mainzer Team mit Disziplin, Zweikampfstärke und Laufstärke gefunden hat. Wir treten weiter auf der Stelle."
Trainer Jürgen Klopp (FSV Mainz 05): "Wir haben ein sehr diszipliniertes Spiel gemacht und dabei schnell von Abwehr auf Angriff umgeschaltet. Das haben die Jungs klasse umgesetzt. Das 2:1 war ein Erfolg der Leidenschaft, ansonsten ist nicht viel passiert, wir stehen nur drei Punkte besser als vorher da."
STATISTIK
Leverkusen: Butt - Fritz (87. Papadopoulos), Nowotny (16. Ramelow), Madouni - Barnetta, Schneider, Rolfes, Babic (67. Krzynowek) - Freier, Berbatow, Woronin. - Trainer: Skibbe
Mainz: Wetklo - Abel, Friedrich, Noveski, Rose - Demirtas, da Silva, Babatz - Thurk (90. Casey) - Zidan, Auer (71. Ruman). - Trainer: Klopp
Schiedsrichter: Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
Tore: 0:1 Zidan (34.), 0:2 Zidan (64.), 1:2 Freier (85.)
Zuschauer: 22.500 (ausverkauft)
Beste Spieler: Barnetta, Rolfes - Zidan, Demirtas, Wetklo
Gelbe Karten: - Thurk (5/3), Noveski (5/2), Ruman (4), Wetklo