Sehe ich ähnlich wie BigB. 2006 wars noch irgendwie geil, ich war damals 15 Jahre geworden und so ein Deutschlandweites Fest hatte schon was. Alle konnten sich irgendwie mit der Nationalmannschaft identifizieren, das Tor gegen Polen in Dortmund war ein absolut magischer Moment. Die Mannschaft war sicherlich nicht Titelreif, aber grade weil sie das mit Kampf und Leidenschaft kompensieren wollte, konnte sie damals so ziemlich jeden begeistern. Nach dem Halbfinale gegen Italien habe ich 3 Tage mit keinem Menschen gesprochen.
2008 dann gingen wir die Spiele mit Leuten gucken, die durchaus aktive Fußballfans sind. Diese brachten dann ein paar Mädels aus der Klasse mit, und da fiel mir irgendwie auf das es irgendwie anders war als 2006. Plötzlich meinte jede(r) auf Teufel komm raus unbedingt bei dem Hype dabei sein zu müssen. Da standen Leute neben mir auf der Fanmeile, die absolut keine Ahnung von irgendetwas hatten, und diese Leute haben den Großteil der Anwesenden ausgemacht. Sensationell und Legendär war folgende Frage einer Begleiterin (in voller "Fan"-Montur), die wissen wollte, ob Podolski nun für Köln oder für Deutschland spiele.
2010 dann schien die Invasion der "alle 2 Jahres Fans" sich noch weiter zu entwickeln. An Fanmeile dachten wir gar nicht erst, sondern schauten die Spiele in kleineren Biergärten, in der Hoffnung, dort unter gleichgesinnten zu sein, aber Pustekuchen. Irgendwie war es einem unbehaglich, alle 2 Minuten hörte man jemanden Sachen fragen wie, was denn jetzt der Unterschied zwischen 4-5-3 und 4-3-5 (sic) wäre. An der Nationalelf bewunderte man teilweise fantastische Spiele, doch hundertprozentiger Titelhunger und Siegeswille war meiner Meinung nach nicht mehr zu erkennen.
2012 wars dann soweit, ich schaute mir die Spiele nurnoch zu Hause oder mit Freunden in winzigen Kneipen an. Die Marketingabteilung rund um den DFB hatte mir mittlerweile auch ziemlich die Lust genommen, mit der Nationalelf zu fühlen, zu hoffen, zu bangen, zu trauern. Das Auftreten, Interviews, PKs, die Außendarstellung, alles ist auf den Eventkunden zugeschnitten. Spieler mit Kanten sucht man vergebens, die Nationalmannschaft ist wichgespült bis zum geht nicht mehr.
Emotionen kommen da bei mir nicht auf. Ich werde mir sicherlich alle Spiele der WM soweit es geht anschauen, eigentlich aber nur aus rein Fußballerischem Interesse. Was die Deutsche Nationalmannschaft macht, ich hätte es selbst nicht für möglich gehalten, ist mir 2014 zu 90 % egal. Würde ich mich freuen wenn Deutschland Weltmeister werden sollte? Ja, ich denke schon. Aber ich würde nicht in Tränen ausbrechen wie nach dem Halbfinale 2006, wenn sie irgendwann ausscheidet. Habe das Gefühl auch bei unserem Fanclub und bei den Freunden, die sich auch außerhalb der Turniere für Fußball interessieren; die emotionale Bindung ist bei den aktiven Fans in den letzten Jahren absolut Flöten gegangen