Gestern Abend setzte sich Boris Palmer tatsächlich mit Markus Frohnmaier, Spitzenkandidat der AfD Baden-Württemberg für die Landtagswahl 2026 und Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, auf eine Bühne. Ein Mann, den der Verfassungsschutz als Rechtsextremisten einstuft, bekam damit Öffentlichkeit und Aufwertung. Palmer nennt es „Streitgespräch“. In Wahrheit war es Wahlkampf für die AfD. Frohnmaier profitiert von jeder Minute Präsenz: mehr Reichweite, mehr Normalität, mehr Eindruck, längst Teil des politischen Alltags zu sein. Genau das ist sein Kalkül – und Palmer hat es ihm geliefert.
Frohnmaier wurde nicht durch politische Arbeit bekannt, sondern durch Hetze. Mit Angriffen auf Geflüchtete, mit Parolen gegen Minderheiten, mit offener Verachtung gegenüber allem, was nicht in sein völkisches Weltbild passt. Politik hat er nicht im Angebot, nur Hass. Hass ist sein Programm, Hetze seine Methode, Ausgrenzung sein Alltag. Und genau dafür bekommt er Bühne und Mikrofon.
Einem Menschenfeind reicht man nicht die Hand. Kein Hallo, kein Guten Morgen, kein freundlicher Blick. Jede Geste, die Normalität vorgaukelt, macht ihn größer und gibt ihm das, was er sucht: Anerkennung. Wer das nicht begreift, öffnet Türen, die längst verschlossen bleiben müssten.
Dass in Tübingen Menschen laut protestierten, war kein Zufall. Viele haben verstanden: Diese AfD lebt genau davon, dass Demokraten ihr Podien bauen und sie in den „Diskurs“ holen. Doch mit Faschisten diskutiert man nicht. Man bietet ihnen keinen Stuhl im Saal, kein Mikrofon, keine Bühne.
Die Geschichte zeigt, wohin solche Fehler führen. Nazis werden nicht kleiner, wenn man mit ihnen redet – sie werden größer. Jede Einladung ist ein Sieg, jedes Podium ein Triumph. Palmer mag denken, er habe Frohnmaier gestellt. In Wirklichkeit hat er ihn aufgewertet – ausgerechnet im Wahlkampf, wo Klarheit gefragt wäre.
Mit Nazis spricht man nicht. Mit Nazis bricht man. Und man bekämpft sie – direkt, klar, kompromisslos. Alles andere ist Naivität, und Naivität war schon immer der beste Verbündete der Faschisten.