Ich habe mir die Mühe gemacht, EtH einmal analytisch zu betrachten – weniger unter dem Aspekt der widrigen Umstände (z. B. Transferpolitik, die ihm das Arbeiten ohnehin erschwert), sondern stärker auf die Person selbst einzugehen.
Von Beginn an haftete ihm das Etikett an, lediglich die zweite – wenn nicht sogar dritte – Wahl nach Fàbregas gewesen zu sein. Diesen Makel konnte er bis heute nicht ablegen. Vielmehr hat er dieses Image des „Ersatzmannes“ sogar selbst bestätigt und wird durch die extreme Transferpolitik des Vereins auch genauso behandelt. Für mich ist keine echte Synergie zwischen Kaderplanung und CEO erkennbar. Ich bin überzeugt – so absurd es auf den ersten Blick wirken mag –, dass intern längst die Entscheidung gefallen ist, dass man sich in EtH getäuscht hat. Dass Bild und Kicker sehr frühzeitig eine kritische Linie eingeschlagen haben, ist für mich ein deutliches Signal. Nach nur zwei Profispielen lehnt man sich nicht ohne Grund so weit aus dem Fenster.
Deutlich sichtbar war das bereits bei der ersten PK in Brasilien bei Flamengo in Rio, zusammen mit SR, Fernando und EtH. Allein die Bildsprache dieser Pressekonferenz war bezeichnend: Simon und Fernando saßen eng beieinander, tuschelten sogar, während EtH daneben saß wie ein Fremdkörper. Schon damals wirkte das Ganze skurril und schlecht inszeniert. Insbesondere Fernando fiel auf: von Anfang an eine „komische Visage“, dann die Szene, wie er sich nach vorn beugt, um das Mikrofon von EtH zu bedienen, weil dieser es selbst nicht hinbekam – ein klares Signal der Geringschätzung. Meiner Meinung nach war Fernando innerlich schon da gegen ihn eingestellt. Man spürte es an den gequälten, überspielten Lächeln während EtHs Kauderwelsch. Später, nach der 1:5-Blamage gegen die Flamengo-U20, folgte das legendäre „Das ist mir eigentlich scheißegal“ – eine völlig unkontrollierte und unprofessionelle Überreaktion. Souveränität sieht anders aus. Man darf nicht vergessen: Der Verein hatte als erste Bundesliga-Mannschaft überhaupt ein Sommertrainingslager in Südamerika organisiert, eine Akademie eröffnet, mit Sponsoren und brasilianischen Ex-Spielern im Rücken – und der neue Trainer präsentiert sich derart unglücklich. Wer Fernando kennt, kann sich ausmalen, was hinter den Kulissen los war.
Auch bei der PK vor dem Bremen-Spiel wurde die Problematik erneut deutlich. Vielen fiel auf, wie hölzern und ineloquent EtH wirkt. Im Gegensatz zu XA, der stets die Anwesenden mit einem „Hallo zusammen“ begrüßt, fehlt ihm jede Form von natürlicher Höflichkeit. Während der gesamten PK wandert sein Blick unstet im Raum, nie fokussiert auf die Fragesteller. Hinzu kommen Gesten, die Nervosität und Unsicherheit verraten (z. B. Händereiben, Abwenden, unruhige Bewegungen). In der Kommunikationspsychologie spricht man von Inkongruenz: Er sagt A, sein Körper signalisiert aber B. Das Publikum spürt intuitiv: Hier passt etwas nicht zusammen. Das Resultat ist fehlende Glaubwürdigkeit und Angreifbarkeit.
Zum Vergleich EtH vs. XA:
Alonso: verschränkte Arme, ruhiger Blick, aufrechte Haltung = High Status (Selbstvertrauen, Unabhängigkeit, Souveränität).
Ten Hag: Hände reibend, gedrängt wirkend = Low Status (unsicher, reaktiv statt souverän).
Journalisten (und Fans) nehmen diese Statushierarchie automatisch wahr. Genau deshalb wird EtH medial so viel schwächer wahrgenommen. Er kann es schlicht nicht ausstrahlen.
Meine Vermutung: Carro hat, möglicherweise mit Unterstützung von XA, längst seinen Nachfolger durch die Hintertür installiert.
Und dieser Nachfolger könnte Lucas Vázquez sein. Zwar bereits 34, aber mit enormer Erfahrung und Erfolgen ausgestattet, überstrahlt er EtH in Außenwirkung und Vita mühelos. Seine Kerneigenschaften – Führungsstärke und Teamgeist – prädestinieren ihn regelrecht für eine Rolle als Spielertrainer/Trainer. Er verkörpert exakt das, was EtH fehlt: Souveränität, Intelligenz, Sympathie. Auf öffentlichem Parkett agiert er mindestens auf Alonso-Niveau, wenn nicht sogar darüber. Dazu kommen über 22,5 Mio. Follower auf Instagram – rund 10 Mio. mehr als XA. In der heutigen Zeit ein nicht zu unterschätzender Faktor. Für mich ist klar: Das ist ein reines Carro-Projekt.