Mit dieser Bilanz kann man die Winterpause bei Bayer 04 ganz entspannt genießen: In der Bundesliga sicherte sich die Werkself ungeschlagen die Herbstmeisterschaft. Zudem überwintern auch die U19, die U17 und die Frauen von Bayer 04 auf dem ersten Tabellenplatz. Vor allem die zweite Jahreshälfte war sehr erfolgreich, doch in „Mein 2009“ betrachten wir das Gesamtjahr aus verschiedenen Blickwinkeln. Heute mit Doreen Meier, der Cheftrainerin der Bayer 04-Frauen...
Frau Meier, nach einer durchwachsenen ersten Saison in Leverkusen läuft es seit dem Sommer für Ihr neu formiertes Team richtig rund. Wie erklären Sie sich diesen Leistungssprung von Platz 7 der letzten Abschlusstabelle hin zum ungeschlagenen Wintermeister?
Zum Ende der letzten Saison hat manches einfach nicht mehr gepasst. Während einige um einen Vertrag kämpften und sich in jedem Spiel anbieten wollten, hatten andere schon mit dem Gedanken abgeschlossen, weiter leistungsorientiert Fußball spielen zu wollen. Im Sommer haben wir dann einen klaren Schnitt gemacht. Es sind zehn neue Spielerinnen gekommen, das ist natürlich eine ganze Menge. Aber jetzt ist die Mannschaft sehr ausgeglichen besetzt, die Breite im Kader stimmt und vor allem die Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen Spielerinnen. Mit dieser Gruppe zu arbeiten, macht richtig Spaß.
Was zeichnet Ihre Mannschaft denn besonders aus?
Es passt einfach auf und neben dem Platz. Natürlich haben uns die vielen jungen, erfolgshungrigen Neuzugänge sportlich weitergebracht. Aber es war ebenso wichtig, dass wir alle Stützen der letzten Saison halten konnten. Eine Kerstin Stein, Maren Henseler oder Vanessa Baudzus sind für die Mannschaft ganz wichtig, auch Teresa Tüllmann spielt bislang eine überragende Saison. Man hat das Gefühl, dass nach einem 'Orientierungsjahr' bei Bayer 04 alle richtig hier angekommen sind.
Woran liegt das?
Das sind ganz viele Rädchen, die ineinandergreifen und dafür sorgen, dass sich alle wohlfühlen. Wir haben den Trainerstab noch mal erweitert, haben einen Athletiktrainer, eine eigene Physiotherapeutin. Unser neuer Bereich in der Nordtribüne der BayArena sucht im Frauenfußball seinesgleichen. Diese guten Rahmenbedingungen und natürlich auch die beruflichen Chancen, die die Fußball GmbH und der Bayer-Konzern den Spielerinnen bieten, haben sicher geholfen, die ein oder andere umworbene Spielerin nach Leverkusen zu holen. Aber nicht nur sportlich, auch menschlich sind die Neuzugänge echte Volltreffer, das ist mir sehr wichtig. Die Mädels sind eine echte Einheit, es wird viel gelacht. Auch Spielerinnen, die schon länger hier sind, sind noch einmal richtig aufgeblüht und entwickeln sich toll. Es gibt keine Grüppchen, jede rennt auf dem Platz für die andere. Man merkt, dass alle stolz sind, hier zu spielen.
Was war für Sie denn das Highlight in diesem Jahr?
Ganz klar das Pokalspiel gegen Duisburg vor 3.000 Zuschauern in der BayArena. Diese Kulisse und die Unterstützung der Fans waren einfach sensationell. Das zeigt auch, wie sehr der Frauenfußball in Leverkusen angekommen ist. Wir sind dem Verein sehr dankbar, uns dieses Erlebnis ermöglicht zu haben.
Gibt es bei so vielen Erfolgen denn überhaupt Anlass zur Kritik? Wie fällt für Sie das Halbzeitfazit aus?
Das Spiel gegen den 1. FC Köln, wo wir einen Zwei-Tore-Vorsprung nicht über die Zeit gebracht haben, hat denke ich gezeigt, woran die Mannschaft noch wachsen muss. Da fehlte ein Stück weit die Abgezocktheit. In zwei, drei Saisonspielen waren wir innerhalb der Spiele nicht so konstant, wie ich es mir gewünscht hätte. Insgesamt als Serie betrachtet, war die Hinrunde aber sicherlich sehr stark und erstaunlich souverän, wenn man bedenkt, wie jung das Team ist und wie viele Neuzugänge wir integriert haben.
Ein kleiner Ausblick auf die kommenden Monate - was können wir von den Bayer 04-Frauen nach dieser tollen Hinrunde noch erwarten?
Wir wollen die bisher gezeigten Leistungen bestätigen, es wäre schön, weiter so konstant zu spielen. Natürlich ist es unser Ziel, jedes Spiel zu gewinnen. Allerdings haben wir da keinen Druck. Wir haben immer gesagt, dass der Kader auf Perspektive ausgelegt ist. Jetzt spielen wir doch schon ganz oben mit - und da wollen wir einfach so lange wie möglich bleiben.