Kapitän auf dem Trockenen

  • Wie Renato Augusto wird nun auch Simon Rolfes erst zu Rückrunden-Beginn wieder im Kader zu finden sein. "Herbstmeisterschaft" hat für Völler keine übergeordnete Bedeutung. Er schaut auf den Abstand zu Platz sechs.

    Vier Spiele sind es noch bis Ultimo, bis Weihnachten – am Sonntag gegen den VfB Stuttgart, knapp eine Woche später in Hannover, schließlich in Berlin und gegen Borussia Mönchengladbach zum Ausklang einer erwärmenden Halbserie. Das sind alles Gegner, die in der Tiefparterre der Bundesliga wohnen. Wie wär's denn da auch fürs Gefühl in festlicher Zeit mit der "Wintermeisterschaft", mit der Verteidigung jenes Ranges, den die Leverkusener jetzt schon zur Freude ihrer Fans und zum Wohlgefallen der unmittelbar Beteiligten besetzen?

    "Herbst- oder Wintermeisterschaft, wie immer man das auch nennen mag, das hat für mich keine Bedeutung", sagt Rudi Völler fern von emotionaler Duselei, "Hauptsache ist, dass wir vorne dabei sind. Und mich interessiert viel mehr, dass wir den Abstand zu den Mannschaften vergrößern, die nach Platz fünf kommen." Er hat so seine Erfahrungen.

    Außerdem: Bayers Sportdirektor mag partout niemanden in Verlegenheit bringen mit fordernden Formulierungen, schon gar nicht den Trainer, der für sein Augenmaß bekannt ist, ohne in den Ruf eines Leisetreters zu geraten. Und Jupp Heynckes hat gerade jetzt – mit ein bisschen Verspätung wegen zuvor leicht angeschlagener Gesundheit – seine Spieler, die Leute aus dem Trainerstab und die vielen Zuarbeiter einem feinen Mittagsmahl eingeladen mit Antipasti, Pasta, Fisch und Fleisch – und einem Glas Wein für die, die nicht unter den Begriff Leistungssportler fallen. Teambuilding heißt das – ein wichtiges Element für den Erfolg einer Gemeinschaft. "Das war eine gute Atmosphäre", betont Völler.

    Nun sind die Leverkusener noch ohne Niederlage in der Meisterschaft in 13 Partien, obwohl das Ensemble selten in der vermeintlich besten Formation hat vorspielen können. Das vor allem stellen Völler und Heynckes im Rückblick heraus als eine Form von Qualität der Schwaabs, Reinartz', Kroos' oder Derdiyoks, die Leerstellen in der Regel mehr als nur mit Anstand zu füllen vermochten.

    Das aber hindert den Sportdirektor nicht daran, Belegschaft und Publikum schon mal voller Vorsicht einzustimmen auf die Stuttgarter, die kurz vor einem Trainerwechsel zu stehen schienen. "Der VfB hat eine gute Mannschaft", sagt Völler, "das hat sie nicht nur gerade mit ihrem Sieg in Glasgow gezeigt. Das Spiel am Sonntag wird sehr viel schwieriger werden als das gegen die Frankfurter."

    Mit den Vakanzen wird das bei Bayer noch eine Weile so bleiben. Dass das mit Renato Augusto erst wieder zur Rückrunde was werden würde, war klar. Nun aber herrscht auch bei Simon Rolfes Gewissheit weiterer Abwesenheit wegen dauernder Reizungen im operierten Knie. "Auch er wird erst nach der Winterpause wieder zur Verfügung stehen", betont Heynckes ohne jedes Klagen, "Simon wird im Urlaub ein Spezialprogramm absolvieren."

    rp-online.de

    Manchmal verliert man, manchmal gewinnen die Anderen.