Günter Netzer: Mit Heynckes stürzt Bayer nicht wieder ab

  • Mit Heynckes stürzt Bayer nicht wieder ab


    08.11.2009 - 07:49 UHR


    Von GÜNTER NETZER


    Als alter Freund und Weggefährte von Jupp Heynckes freue ich mich, dass er so erfolgreich zurückgekehrt ist ins Fußball-Geschäft. Das ist sein Leben, der Fußball hat ihm immer alles bedeutet. Und es war hart für ihn, eine ganze Zeit lang nicht mehr aktiv mitzumischen.
    Was er jetzt mit Bayer Leverkusen zeigt, ist eindrucksvoll. Aber der eigentliche Geniestreich liegt bereits einige Monate zurück. Ich meine damit die Idee des FC Bayern, Jupp Heynckes in einer Phase nach München zu holen, die sehr bedrohlich war. Und die dennoch ein nicht mehr zu erwartendes Ende fand.


    In diesen fünf Wochen hat Jupp gezeigt, dass er sehr wohl in der Lage ist, in diesem Fußball-Geschäft weiterhin erfolgreich zu arbeiten.


    Ich fand es großartig und weitsichtig, dass Rudi Völler kurze Zeit später Jupp Heynckes nach Leverkusen geholt hat. Leverkusen hatte bis dahin eine gute Mannschaft, die teilweise sehr guten Fußball gespielt hat. Aber was fehlten, waren Stabilität und Durchhaltevermögen.


    Das hat Jupp verändert. Er hat mit seiner Art für Konstanz gesorgt. Die Spieler fangen an zu glauben, dass sie mit diesem Trainer etwas Großes erreichen können – bedingt durch die Art und Weise, wie Jupp mit den Spielern umgeht.


    Er ist glaubwürdig, ehrlich, verbindlich, aber auch hart und konsequent, wenn es sein muss. Und fachlich ist er auf dem höchsten Stand. Man sieht, dass er auch ohne Trainer-Job nie weg war aus diesem Geschäft. Er hat den Fußball immer gelebt.


    Und man spürt, dass er wie wir alle mit zunehmendem Alter an Souveränität gewinnt. Das wirkt sich positiv auf die Spieler aus. Er erreicht seine Profis. Doch neben dieser ruhigen Art hat er sich nach wie vor seine Besessenheit am Fußball bewahrt.


    An einen möglichen Absturz in der Rückrunde wie einige Male zuvor darf man in Leverkusen nicht mal im Ansatz denken. Diesen Gedanken darf man erst gar nicht zulassen, sonst entwickelt sich womöglich noch ein Trauma daraus. Aber ich halte einen Absturz auch für unwahrscheinlich. Nein, im Gegenteil: Leverkusen ist für mich ein Kandidat auf die Meisterschaft.


    Wichtigen Anteil am Hoch in Leverkusen hat Sami Hyypiä. Dieser Transfer war durchaus riskant, denn Hyypiä steht mit seinen 35 Jahren am Ende seiner Karriere. Aber für diese Verpflichtung wurde Rudi Völler zu Recht belohnt. Der Finne organisiert die Abwehr und führt die jungen Spieler. Mit seiner Routine sorgt er für Ruhe.


    Bei aller Euphorie um Jupp Heynckes aber darf man nie vergessen: Der Trainer hat immer nur maximal 50 Prozent Anteil am Erfolg. Man darf die Spieler niemals aus der Verpflichtung entlassen.


    Quelle: Bild