Fototermin mit Grundschul-Chaos

  • VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 14.07.2009

    Leverkusen (RP) Beim offiziellen Mannschaftsfoto-Termin für die neue Bundesliga-Saison hatten die Bayer04-Kicker gestern jede Menge Vergnügen. Bis es endlich soweit war, herrschte allerdings ein Chaos, das den einen oder anderen Fußballprofi an seine Einschulung erinnert haben mag.

    Manchmal muss es einfach raus, das Kind im Manne. Da sind Fußball-Profis nicht anders als ihre Altersgenossen mit "gewöhnlichen" Jobs. Gestern hatten die Spieler von Bayer 04 einen Termin, der ihre infantile Seite weckte. Kein Wunder, erinnerte das Geschehen doch an das Chaos, das den meisten aus Grundschulzeiten noch erinnerlich ist, von den Tagen, an denen Fotografen die Kinder einzeln und in Klassenstärke auf Film bannten.

    "Ich muss hier hin." "Nein, du musst nach dort." Kurze Konfusion, und dann waren alle auf ihren Plätzen. Die Tatsache, dass statt eines Grundschul-Amateur-Knipsers rund 30 professionelle Sportfotografen ihre Vorstellungen umgesetzt sehen wollten, war beim Mannschafts-Fototermin der Werkself nicht gerade Auslöser für ein gesteigertes Maß an geordnetem Ablauf.

    Soweit zu sehen, traute sich überraschenderweise keines der erwachsenen "Kinder", seinem Nachbarn die bei I-Dötzchen so beliebten Hasenohren zu zeigen. Beim späteren Aufstellen zu den Einzel- und Porträtaufnahmen präsentierte immerhin Jungstürmer Richard Sukuta-Pasu die in V-Form ausgestreckten Zeige- und Ringfinger seiner rechten und linken Hand dem RP-Fotografen Uwe Miserius locker vor dem Oberkörper – als lässige Variante wohl mehr des internationalen Victory-Siegessymbols als der Hasenohren.

    Klassen-Clown-Bewerbung

    Damit bewarb er sich eifrig und in dieser Hinsicht als überaus ernst zu nehmender Kontrahent des trotz Verletzung herumflachsenden Patrick Helmes um den Posten des Klassen-Clowns.

    Die Blessur bewahrte diesen und andere verletzte und angeschlagene Bayer-Kicker nicht vor dem Team-Foto auf dem Trainingsplatz. (Fußball-)Lehrer Jupp Heynckes hatte diesen im Ablauf störenden Punkt des Tagesprogramms für alle seine Schützlinge zum Pflichttermin erklärt und damit höhere Disziplinmaßstäbe angesetzt als seine Vorgänger.

    Nicht einer wagte sich dieser klaren Ansage zu widersetzen. Wohl kaum aus Angst vor schlechten Noten (denn die erhalten Fußballer allenfalls von Journalisten), sondern vielmehr aus Respekt vor dem "Klassenlehrer". Zumindest für einen wurde es knapp. Wie schon zu Schulzeiten schaffte es der letzte soeben noch pünktlich zum Fototermin. Sascha Dum war derjenige, der gerade passend zum Start eintraf.

    So ein Fototermin mit 30 mehr oder weniger eigenwilligen Fotografen dauert seine Zeit. Da offenbarte sich bei manchem Routine wie bei Heynckes oder Liverpool-Ikone Sami Hyypiä. Andere zeigten sich gelangweilt (Theofanis Gekas), hibbelig (Arturo Vidal) oder abgelenkt (der außer der Reihe stehende Pirmin Schwegler, der mit seinem Nebenmann quatschte), stemmten unbeholfen die Hände in die Hüften (Ersatzkeeper Fernandez) oder lächelten übertrieben (Helmes). Grundschuleltern hätten mit dem Nachwuchs wohl geschimpft angesichts der Nachlässigkeiten im Outfit. Vidal hatte die Hose so tief hängen, dass sie ohne sichtbares Bein direkt in die Stutzen überging.

    Das Trikot hing erst schluderig aus der Hose und wirkte dann – nach einem Rettungsversuch – noch schlampiger: in der Mitte hineingestopft, außen halb heraushängend. Simon Rolfes, als Spielführer gewissermaßen so etwas wie der Klassensprecher, gab kein gutes Vorbild ab. Er stand so verkrampft, dass sein Trikot in Bauchhöhe zahlreiche unschöne Falten warf.

    Verspieltheit bewahren

    Hoffentlich läuft es zum Bundesligastart auf dem Platz etwas geordneter ab. Ein Stück der Verspieltheit des gestern offenbarten Kindes im Manne sollte sich die Werkself jedoch bewahren, denn das kann durchaus belebend wirken im Meisterschaftsbetrieb...

    Bayer Leverkusen - Mannschaftsfoto 09/10

    RP Online

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