VON UDO BONNEKOH - zuletzt aktualisiert: 22.06.2009
(RP) Richard Sukuta-Pasu mag nicht mehr nur das fünfte Rad am Wagen sein. Der bald 19 Jahre alte Stürmer macht sich zumindest gedanklich zum Überholen bereit. In Bayers Offensive ist schließlich eine neue Lage entstanden.
Er ist ein paar Tage in Urlaub gewesen. In Brüssel und in Paris. Mit der Familie hat er die Verwandtschaft in Belgien und Frankreich besucht. Und jetzt heißt es noch eine Woche warten, warten auf den ersten Trainingstag bei Bayer mit Jupp Heynckes am 29. Juni nachmittags um drei. "Ich will in dieser Saison angreifen, mehr aus mir rausgehen, besser spielen, mehr Einsätze haben", sagt Richard Sukuta-Pasu, Leverkusens jüngster Stürmer, von dem es stets heißt, er habe das Rüstzeug für die Bundesliga. In der abgelaufenen Spielzeit hat er in Bayers Profi-Team im Höchstfall 15 Minuten Zeit zur Präsentation bekommen. Das war Anfang des Jahres im Pokal-Achtelfinale beim 3:1 gegen Energie Cottbus in Düsseldorf. Da ist "Richy" kurz nach Theofanis Gekas eingewechselt worden.
Sukuta-Pasu, der diese Woche Mittwoch sein 19. Lebensjahr vollendet, trifft beim Trainingsauftakt den Griechen, der aus Portsmouth unters Bayer-Kreuz zurückkehrt, wieder. Und beide wissen, dass sich durch Patrick Helmes' Ausfall eine völlig neue Lage in der Abteilung Attacke ergibt. Klar, Stefan Kießling ist noch da, und Eren Derdiyok, dem türkisch-stämmigen Schweizer, eilt als Angreifer ein guter Ruf voraus. Gekostet hat der Ex-Baseler auch nicht gerade wenig, was Trainer Heynckes allerdings kaum als Kriterium heranziehen wird, wenn ein Konkurrent aus dem eigenen Lager ihm stärker erscheint. Bayers neuer Coach hat nichts gegen Verdrängung.
"Ich achte nicht darauf, was andere machen, ich will nur auf mich schauen, auf meine eigene Leistung", sagt Sukuta-Pasu. Deshalb weigert sich der Sohn einer französischen Mutter und eines kongolesischen Vaters auch, so etwas wie eine Rangliste der gegenwärtigen Leverkusener Stürmer aufzustellen. "Ich zweifle nicht an mir", betont er, ohne überheblich zu wirken. Was der gebürtige Wuppertaler einbringen kann an Qualität, sind Schnelligkeit, eine starker Behauptungswille, eine gediegene Technik und eine – an der Körpergröße (1,88 Meter) gemessen – verblüffende Geschmeidigkeit. "Aber auf allen Gebieten kann und muss ich noch was lernen", bekräftigt er. So gehört sich das auch für einen Newcomer.
Weil Sukuta-Pasu seit Jahren sämtliche Auswahlmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes durchläuft – mit dem Titelgewinn bei der U-19-EM in Tschechien als Höhepunkt –, muss er sich damit auseinander setzen, im September zur besten Bundesliga-Zeit nach Ägypten beordert zu werden. Dort wird die U-20-WM ausgetragen. Und dies träfe auch die Kollegen Toni Kroos und Stefan Reinartz, den Rückkehrer aus Nürnberg. "Ich glaube, da ist aber das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagt Sukuta, der im August erst seine Lehre als Sport- und Fitness-Kaufmann abschließen will. Der unbekümmerte Bursche, eine Frohnatur, hat viel vor.