"Schnix" fehlt noch ein Titel

  • zuletzt aktualisiert: 28.01.2009 - 16:01

    (RPO) Düsseldorf (RPO). Von Ruhestand oder gar Rente will Bernd Schneider noch lange nichts wissen. Der Fußballer von Bayer Leverkusen, den alle Welt "Schnix" ruft, hätte zwar genügend Gründe, um seine Stutzen an den Nagel zu hängen, doch Schneider hat weiterhin viel Spaß am Fußball - und er will endlich einen Titel holen.

    Der Körper des 35-Jährigen muckt nach 17 Jahren Profi-Fußball auf, und erreicht hat er in seiner Karriere auch fast alles. Er stand bei einem WM-Finale und je einem Endspiel in der Champions League und dem DFB-Pokal auf dem Platz (jeweils 2002), hat 81 Länderspiele absolviert und in 66 Europacup-Partien nahezu alle großen Stadien Europas erlebt.

    Doch es gibt zwei Gründe dafür, dass Schneider fast zehn Monate nach seinem letzten Spiel und einer komplizierten Bandscheiben-Operationen an der Halswirbelsäule hart an seinem Comeback arbeitet. Zum einen liebt er das Spiel, er ist Fußballer mit Leib und Seele. Zum andern fehlt ihm in seiner großen Karriere noch die Krönung. Und es die Jagd nach einem Titel, die ihn antreibt.

    Denn bisher ist Schneider "nur" Vize. Zweimal blieb in der Meisterschaft Rang zwei, die Finals in allen Wettbewerben gingen verloren. Da nutzt es wenig, dass er seit seiner starken Leistung im WM-Endspiel von Yokohama (0:2 gegen Brasilien) als "weißer Brasilianer" geadelt wird: Schneider will seine Karriere nicht als ewiger Zweiter beenden.

    Und der Routinier spürt: in dieser Saison ist etwas drin. Im Achtelfinale des DFB-Pokal stand Bayer am Mittwoch mit dem "Heimspiel" in Düsseldorf gegen Energie Cottbus eine vermeintlich lösbare Aufgabe bevor, und auch in der Meisterschaft gilt die junge Leverkusener Mannschaft als Geheimfavorit.

    Zwar beendete sie die Hinrunde auf Platz fünf, spielte dabei aber teilweise mitreißenden Fußball. Die Herbstmeisterschaft war bis zum letzten Spieltag möglich, der Rückstand auf Tabellenführer 1899 Hoffenheim beträgt nur drei Punkte und Schneider könnte der ersehnte und wichtige Leitwolf für die "jungen Wilden" werden.

    Bei der Verkündung der Ziele ging "Schnix" auch entsprechend voran. Als erster sprach er offen vom Titel ("Daran denkt doch jeder, der oben mitspielt. Es ist einiges drin."). Und plötzlich reden viele in Leverkusen, wo man - als "Vizekusen" gebrandmarkt und verspottet - das Wort "Meisterschaft" zuletzt mied wie der Teufel das Weihwasser, vom Titel.

    Nicht zuletzt deshalb versicherte der ehrgeizige Trainer Bruno Labbadia nach dem Trainingslager in der Türkei, dass Schneider "der Mannschaft gut tut". Mit dem Comeback hat es aber niemand eilig. Labbadia spricht davon, "Schneider langsam heranführen zu wollen", und auch der Routinier will nichts überstürzen. Wenn man seit 17 Jahren auf einen Titel wartet, lernt man eben Geduld.

    RP ONLINE

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