"Werkself in Düsseldorf"

  • * 28.01.2009

    Bayer Leverkusen zieht für ein halbes Jahr in die LTU-Arena um

    von Mark Kühn

    Bayer Leverkusen muss wegen des Umbaus der BayArena seine acht Rückrundenspiele der laufenden Saison in der Düsseldorfer LTU-Arena austragen. Der Werksklub macht aus der Not eine Tugend und buhlt auf großen Plakaten mit markigen Sprüchen in Düsseldorf um neue Fans.

    Meinolf Sprink gilt seit vielen Jahren als Strippenzieher bei Bayer 04 Leverkusen. Der Geschäftsführer der Marketing-GmbH der Werkself klingt aufgeräumt, wenn er über das neue Zuhause der Bayer-Profis spricht. "Düsseldorf ist für uns die optimale Ausweichlösung. Die Arena hat eine ideale Infrastruktur, schnelle Anfahrtswege und viele nah gelegene Parkplätze", sagt Sprink und klingt dabei fast ein wenig euphorisch.

    Ein Weltmeister in Düsseldorf

    Wer in diesen Tagen durch die Düsseldorfer Innenstadt läuft, dem fallen Megaposter auf, die mit flotten Sprüchen Werbung für das Bayer-Gastspiel in Düsseldorf machen. "Ein Weltmeister in Düsseldorf" ist neben dem Konterfei von Bayer-Sportdirektor Rudi Völler zu lesen.

    Angreifer Stephan Kießling kündigt hoch oben an der Häuserwand gar eine "Sturmwarnung für Düsseldorf" an. Mindestens acht Bundesligaspiele werden die Leverkusener in der Landeshauptstadt bestreiten, dazu kommt am Mittwochabend die Premiere, das Pokalspiel gegen Energie Cottbus.

    Zitat „Ich bin sicher, dass wir auch in Düsseldorf ein paar Fußballfeste feiern können“ Stürmer Stefan Kießling

    Ein Umzug, beinahe ohne Probleme

    Übersteht Bayer 04 die nächsten Pokalrunden, könnten es mehr werden. Kritische Stimmen zu der Ausweichlösung sind in der Chemiestadt bislang kaum zu vernehmen. Dass einige Dauerkarteninhaber verstimmt sind, weil sie in Düsseldorf auf Plätze im unattraktiven Oberrang ausweichen müssen, damit können die Organisatoren leben. Auch dass in der stattlichen, 51.150 Zuschauer fassenden LTU-Arena der Heimvorteil ein wenig flöten gehen könnte, ist ein überschaubares Problem.

    Zumal die Spieler der Werkself den Umzug ausgesprochen gelassen sehen. "Uns bleibt nichts anderes übrig, als das Beste daraus zu machen", sagt Stürmer Stefan Kießling pragmatisch. "Ich bin sicher, dass wir auch in Düsseldorf ein paar Fußballfeste feiern können", schiebt er nach. Die Kommentare seiner Mannschaftskollegen klingen ganz ähnlich. Ob der vorübergehende Auszug aus der BayArena ein entscheidender Nachteil im Kampf um Meisterschaft und die Champions-League-Plätze werden wird, kann niemand ernsthaft voraussagen.

    Zitat „Ehe wir nach Köln gegangen wären, hätten wir lieber die Lizenz zurückgegeben“ Bayer-Fanbeauftragter Andreas Paffrath

    Neue Fans hinzugewinnen

    In der Leverkusener Führungszentrale sieht man dem temporären Umzug ausgesprochen gelassen entgegen. Sprink, einst Sportbeauftragter der Bayer AG, betrachtet das Gastspiel in Düsseldorf gar als echte Chance. "Wir haben die Möglichkeit, uns einem anderen Publikum zu präsentieren und neue Fans zu gewinnen", sagt Sprink ohne Umschweife. Eine reelle Alternative zu Düsseldorf habe es ohnehin nicht gegeben. "Köln hätten wir unseren Fans nicht zumuten können. Die Rivalität ist einfach zu groß", sagt Sprink.

    "Ehe wir nach Köln gegangen wären, hätten wir lieber die Lizenz zurückgegeben", bringt Bayers Fanbeauftragter Andreas Paffrath die Stimmung beim harten Fan-Kern auf den Punkt. Probleme mit Düsseldorf hätten die Fans dagegen kaum. "Es wird keine Verbrüderungsszenen mit den Fortunafans geben. Aber die Rivalität ist aber auch lange nicht so groß wie die mit dem FC."

    Kritik aus Düsseldorf

    Bei der Düsseldorfer Fortuna, die seit ihrem Bundesligaabstieg 1997 unterklassig spielt, macht man gute Miene zum bösen Spiel. "Ich habe bei der Sache gemischte Gefühle. Es könnte eine Verlagerung einiger Zuschauer in Richtung Leverkusen geben", fürchtet Fortunas Vorstandssprecher Peter Frymuth. "Vielleicht können wir uns dafür bei Bayers Marketing etwas abschauen. Unsere Leute werden die Augen offen halten", sagt der Funktionär diplomatisch.

    Um die Fortuna gütlich zu stimmen, haben sich die Bayer-Profis aus der Vereinsführung einen klugen Schachzug einfallen lassen. Einen Euro pro verkauftem Ticket geben die Leverkusener freiwillig an die finanziell klamme Fortuna ab. Auch wenn der Klub auf etwa 150.000 Euro hoffen darf, hält sich die Begeisterung über den neuen Nebenmieter in Grenzen, vor allem bei den Fortuna-Fans, die im Internet massiv Stimmung gegen das Bayer-Gastspiel machen.

    Basketballer bleiben

    Ein Leverkusener Klub in Düsseldorf - das ist eigentlich nichts Besonderes mehr. Vor den Fußballern sind im letzten Sommer schon die Basketballer der Werksstadt rheinabwärts umgezogen - nachdem der Bayerkonzern seine finanzielle Unterstützung eingestellt hatte. Die Korbjäger bleiben auf Dauer, die Kicker nicht. "Wenn die BayArena fertig ist, haben wir ein optimales Stadion", ist Meinolf Sprink überzeugt. Und vielleicht auch neue Fans aus Düsseldorf.

    © ZDF 2009

    [URL=http://fussball.zdf.de/ZDFsport/inhal…10,00.html?dr=1]zdf.de[/URL]

    [color=red]Ein Löwe stirbt nie - er schläft nur