Völler im Interview: „Bayern macht keinen Alleingang“

  • Leverkusen – Rudi Völler schaut aus dem Fenster seines Büros. Er hat einen spektakulären Blick auf die Baustelle der BayArena.


    „Wir werden ein wunderschönes, neues Stadion bekommen“, schwärmt er und prophezeit im EXPRESS-Interview eine prickelnde neue Spielzeit.


    Die Liga boomt, der Dauerkartenverkauf hat einen neuen Rekord erreicht. Haben Sie eine Erklärung?


    Wir haben die schönsten Stadien der Welt. Und die Eintrittspreise sind moderat. Schauen Sie nach Italien. Die Arenen sind in einem schlechten Zustand und die Preise sind viel höher.


    Fußball ist gesellschaftsfähig geworden...


    Fußball ist in. Viele dachten: Je mehr Fußball im Fernsehen gezeigt wird, desto weniger gehen ins Stadion. Das Gegenteil ist der Fall. Fußball ist nicht kaputt zu kriegen, das ist ein absolutes Premium-Produkt, das die Leute fasziniert.


    Dabei ist es doch langweilig. Die Bayern werden Meister, das meinen alle 18 Trainer.


    Das sehe ich etwas anders. Es wird keinen Alleingang der Bayern und Jürgen Klinsmann geben.


    Wie bitte?


    Natürlich sind sie der Favorit. Aber es wird schwieriger für sie. Dahinter haben Teams wie Schalke und Wolfsburg stark eingekauft. Ich erwarte einer der spannendsten und aufregendsten Spielzeiten.


    Warum denn das?


    Allein die drei Aufsteiger Gladbach, Köln und Hoffenheim. Das sind gefühlte Erstligisten, Schwergewichte. Die werden nicht gegen den Abstieg spielen, sondern um Plätze im Mittelfeld.


    Und wie sieht es in der Spitze aus?


    Früher haben sechs, sieben Teams ums internationale Geschäft gekämpft. Jetzt werden sich zehn bis zwölf darum prügeln. Ich prophezeie ein dramatisches Jahr, das die Fans elektrisieren wird.


    Der 1. FC Köln hat Ihnen Scout Paul Steiner und Physiotherapeut Dieter Trzolek weggeluchst. Sauer?


    Überhaupt nicht.


    Wirklich, Herr Völler?


    Sie wollten sich verändern. Das ist doch okay. Damit haben wir kein Problem. Beide werden willkommen sein, wenn sie uns mal besuchen wollen.


    Der FC reagierte im Fall von Patrick Helmes nicht so nüchtern...


    Stimmt. Aber ich sage hier noch einmal: Wenn Helmes nicht zu uns gekommen wäre, würde er jetzt bei einem anderen Spitzenklub spielen. Wir waren halt schneller.


    Welche Rolle spielt Bayer in der kommenden Saison?


    Es braucht niemand zu spinnen. Wir wollen einen Platz zwischen vier und acht.


    Wird Bayer nie mehr so stark wie 2002, als der Klub ganz Deutschland begeisterte?


    2002 hatten wir die beste Mannschaft aller Zeiten. So ein Team wirst du wahrscheinlich nie mehr bekommen. Ich sage heute noch: Wir wurden das Opfer des Erfolges. Wenn wir in der Champions-League im Viertelfinale ausgeschieden wären, hätten wir den Meistertitel geholt.


    Immerhin habt Ihr nun wieder zwei Brasilianer geholt, die einiges versprechen.


    Bayer hat in Brasilien einen sehr guten Namen. Die Spieler wissen, dass sie bei uns Weltstars werden können. Ob Emerson, Lucio, Juan oder Zé Roberto - sie alle wurden bei uns Top-Stars. Außerdem: Einen Ribery oder einen Toni können wir uns nicht leisten.


    In München werden bereits Wetten abgeschlossen, dass Adler bald zu den Bayern wechselt. Beunruhigt Sie das nicht?


    Warum? Ich sage Ihnen: Wenn sich für unsere Spieler niemand mehr interessiert, dann haben wir keine gute Mannschaft und haben etwas falsch gemacht.


    Quelle: Express