VON ANA OSTRI´C, 21.05.08, 18:40h
Mittwochmittag: Bayer-04-Fans lassen ihre rot-schwarzen Fahnen wehen, freuen sich, wollen eine Flasche Schampus köpfen und skandieren „Danke Holzhäuser!“. So zeigten die Anhänger der Bundesligakicker ihre Freunde über die Trainerentlassung im Internet-Forum „werkself.de“. Michael Skibbe, seit Oktober 2005 Trainer in Leverkusen, muss seine Koffer packen. Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Sportchef Rudi Völler trennten sich gestern von dem 42-Jährigen.
In der Wiesdorfer Fußgängerzone verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer zwischen den Ständen des Wochenmarkts. „Ist das ein Scherz?“, fragte Harald Bosbach staunend. Die Entlassung sei eine Überraschung, meinte Bosbach, nach eigenen Angaben kein Bayer-Fan, aber dennoch interessiert an Fußball: „Vielleicht war der Skibbe ein bisschen zu weich, er hat immer Entschuldigungen gefunden.“ Als Nachfolger für den in dieser Saison erfolglosen Skibbe würde er sich einen Trainer wünschen, „der den Spielern ab und zu mal wohin tritt“.
Mitgefühl für den nun arbeitslosen Fußballlehrer hat Karl-Heinz Wollmann nicht. „Gott sei Dank, auf den können wir verzichten“, kommentierte der Bayer-04-Anhänger. Die Entlassung sei die richtige Konsequenz aus der schlechten Rückrunde: „Wenn ich von zehn Spielen sieben verliere, das kann nicht sein.“ Das schlechte Abschneiden der Mannschaft, die auf Platz sieben landete, habe aber auch die Vereinsführung zu verantworten, meinte der Leverkusener.
„Sonst eher zum Ballett“
Neue Spieler müssten dringend verpflichtet werden. „Wenn Herr Holzhäuser weiter so spart, wird es nicht besser“, betonte Wollmann. Seine Frau Angelika fand Michael Skibbe zwar sympathisch, aber als Trainer sei er „ein Weichei“. Fußball gehören zu jenen Sportarten, bei denen man „kernig“ sein müsse, „sonst kann man auch zum Ballett gehen“.
Ein Freudentänzchen hätte Schüler Mike (14) am liebsten aufgeführt. „Jaaaa!“, rief er aus, als er hörte, dass Skibbe gehen muss. Mike hat eine Jahreskarte und die Heimspiele in der Bayer-Elf verfolgt. Nach den schlechten Spielen habe er „Skibbe raus“ gerufen, „weil ich den nicht mag“. Warum Sergej Barbarez öfter stürmen durfte als Dmitrij Bulykin habe er beispielsweise nicht verstanden. Die verpasste Uefa-Cup-Qualifikation habe somit sogar etwas Gutes, meinte der Schüler: „Dafür bekommen wir jetzt wenigstens einen neuen Trainer.“ Wunschkandidaten hatte der 14-Jährige auch schon parat. „Jürgen Klopp oder Mirko Slomka wären gut“, meinte Mike.
Dieter Heinrich, regelmäßiger Gast in der Bay-Arena, wünscht sich einen Trainer mit Erfahrung im internationalen Wettbewerb, der sich, im Gegensatz zu Skibbe, „durchsetzen kann“. Jutta Tigges würde sich freuen, wenn der für seinen Sarkasmus bekannte Hans Meyer nach Leverkusen kommen würde, „den mag ich wegen seiner Persönlichkeit“. Für Michael Skibbe tue ihr die Kündigung zwar leid, „aber ich find's gut.“ Schon als kleines Mädchen ist Jutta Tigges ins Stadion gegangen, aber nur Christoph Daum, derzeit noch in Diensten beim Lieblingsfeind 1. FC Köln, habe als Trainer großen Eindruck hinterlassen . Könnte klappen, meinte Tigges lachend: „Da müsste er sich aber hier sehr anstrengen, dass ich ihm das verzeihe.“
http://www.leverkusener-anzeiger.ksta.de/jrbo/artikel.jsp?id=1209912109634