VON FRANK NÄGELE, 08.05.08, 21:39h
Es ist das Brutale am Fußball, dass Gelingen so schwer ist und Scheitern so einfach. Ein schönes Beispiel dafür liefert Bayer 04 Leverkusen - ein Gebilde, dem bis vor kurzem Vorbildcharakter zugesprochen wurde. Und jetzt ist alles kaputt. Der „schönste Fußball der Liga“ (offizielle Fachmeinung bis März 2008) hat sich in ein grausiges Durcheinander verwandelt, dem es an allem fehlt. Leidenschaft, Inspiration, Lust, Geschlossenheit haben sich auf wundersame Weise eliminiert aus dem Spiel der Werkself, die auch das Minimalziel UI-Cup zu verpassen droht.
Es ist im Nachhinein nie wissenschaftlich zu beweisen, wo genau eine solche Entwicklung ihren Anfang genommen hat. Aber es gibt Indizien. Als Bayer 04 Erfolg hatte, geschah dies mit einem unglaublich hohen Aufwand. Es war ein Ineinandergreifen aller Mechanismen bei höchster physischer Beanspruchung. Spitzenteams wie Bayern oder Bremen konnten auch an schlechten Tagen darauf hoffen, dass eine einzige Aktion eines Superstars drei Punkte bringt. Leverkusen nicht. Dafür fehlt es dem ganzen Gebilde an individuellen, man verzeihe den Ausdruck, Waffen und auch an Alphatieren. Im Team der Wackeren und Braven wären alle bereit, einem Anführer zu folgen. Aber das geht nicht, wenn keiner da ist.
Das alles ist Teil eines auch von wirtschaftlichen Zwängen diktierten Gesamtkonzepts, von dem der akribische, uneitle Trainer Michael Skibbe wiederum nur ein Teil ist. Er trägt sportlich Verantwortung für das, was dieser Tage geschieht in Leverkusen. Aber er trägt sie nicht alleine.
http://www.leverkusener-anzeiger.ksta.de/html/artikel/1209912060096.shtml