Schneider schwächelt mit Bayer im Gleichschritt & "Reinhauen! Frage der Ehre"

  • 10. April 2008, 09:23 Uhr

    Drei Pleiten in der Bundesliga und eine im Uefa-Pokal: Die Krise bei Bayer Leverkusen ist nicht wegzureden. Und sie geht einher mit einem schwächelnden Bernd Schneider. Und vor dem Rückspiel in St. Petersburg gibt der Bayer-Kapitän sich keinen Illusionen hin: "Eigentlich ist es kaum zu schaffen."

    Sie würden gern etwas anderes sagen. Aber die Realität verbietet es ihnen, und an dem 1:4 aus dem Hinspiel ist nun mal nicht zu rütteln. „Eher gering“ schätzt Michael Skibbe deshalb die Chancen für ein Weiterkommen ein. „Wir sind keine Träumer“, sagt Rudi Völler.

    Trotz dieser klaren Worte erwarten Trainer und Sportdirektor von Bayer Leverkusen heute im Viertelfinalrückspiel des Uefa-Pokals bei Zenit St. Petersburg eine Mannschaft, die sich nach Kräften wehrt. „Wenn wir schon ausscheiden, dann aber mit erhobenem Kopf“, fordert Völler. Es sei Pflicht, sich gut zu verkaufen – und damit noch einmal alles zu probieren.

    Mindestens vier Tore müsste Bayer schießen, um das Halbfinale zu erreichen. Immerhin, fünfmal ist Bayer dieses Kunststück im Uefa-Pokal schon gelungen, zuletzt in der Gruppenphase des laufenden Wettbewerbs – beim FC Zürich gewann die Werkself 5:0. Doch der Glaube daran, das Unmögliche zu schaffen, ist das Eine. Die Umsetzung das Andere.

    Die Krise ist da
    Und genau mit der tut sich Leverkusen seit vier Wochen schwer. In der Bundesliga gab es drei Niederlagen am Stück: Dem 1:2 bei Bayern München folgten das 0:2 gegen Frankfurt und das 1:2 in Dortmund. Die Krise ist unverkennbar. Und leider steckt ein Spieler, der Abhilfe schaffen und die Mannschaft auf Grund seiner hervorragenden Spielübersicht und brillanten Technik in die Erfolgsspur bringen könnte, selbst in einer Krise: Bernd Schneider. Weder der 34-Jährige selbst noch jemand in Leverkusen, wo er seit Juli 1999 spielt, kann sich daran erinnern, dass er einmal in einem solchen sportlichen Tief gesteckt hat wie seit einigen Wochen. Seit Deutschlands erfahrenster Nationalspieler (81 Einsätze) eine Knieverletzung, die er sich Mitte September zugezogen hatte, auskuriert hat, läuft es nicht mehr wie gewohnt.

    Schneider in der Startelf
    Er ist seit dem Rückrundenstart Ende Januar so schlecht drauf, dass ihn Trainer Skibbe vor anderthalb Wochen gegen Frankfurt auf der Reservebank ließ. Das war ihm zuletzt im Oktober 2002 passiert – und passierte am Sonntag in Dortmund erneut. „Ich bin 34 und habe schon viele Erfahrungen gemacht. Die eine Krise hat mir noch gefehlt“, sagt Schneider, der ganz offen zugibt, dass er in diesen Wochen auch erst einmal lernen musste, „damit umzugehen“. Er würde sich zwar viele Gedanken machen, „aber nicht verrückt, weil ich weiß, was ich kann und wozu ich fähig bin“. Das weiß auch der Trainer, der ihn heute in St. Petersburg wieder von Beginn an einsetzen wird. Denn Schneider braucht Spielpraxis, um seine Fähigkeiten wieder zur Geltung bringen zu können. Zu jenen zählt zwar auch, selbst in der 90. Minute noch in der Lage zu sein, über das halbe Feld zu laufen, insbesondere aber der Umgang mit dem Ball – und weil der Mann aus Jena den schon in jungen Jahren überragend beherrschte (Thüringisch: das Schnixeln), nennen sie ihn „Schnix“.

    Der Prototyp
    Bernd Schneider ist der Prototyp des mannschaftsdienlichen Spielers, der meist im Schatten derer steht, die durch spektakuläre Aktionen auffallen. Er arbeitet, treibt das Spiel an, liest es, grätscht, flankt häufig – und das erheblich präziser als die meisten seiner Berufskollegen. Nur derzeit eben nicht auf dem Niveau, das seine Fans von ihm kennen. „Der Bernd“, hat Michael Skibbe nun ausgemacht, „braucht jede Hilfe – von mir und allen anderen im Verein.“ Schneider will sie annehmen, weil er weiß, dass es auch der Unterstützung anderer bedarf, wieder zu alter Stärke zu finden. „Ich will kämpfen und weiter arbeiten, um wieder an den Punkt zu kommen, an dem ich, aber auch andere mit mir wieder zufrieden sind.“ 35 Bundesligatore hat Schneider, der in Leverkusen noch einen Vertrag bis Juni 2009 besitzt, in neun Jahren für die Werkself bislang erzielt – und insgesamt 60 Treffer seiner Kollegen vorbereitet. Vielleicht gelingt ihm ja ein Schritt zur Besserung heute in St. Petersburg. Zwei Tore hat er im laufenden Wettbewerb bereits vorbereitet, gegen Galatasaray Istanbul (5:1) eines erzielt. „Wenn uns ein frühes Tor gelingt und wir es schaffen, noch vor der Pause nachzulegen, ist ein Wunder möglich“, sagt Schneider. „Aber eigentlich ist es kaum zu schaffen.“


    http://www.welt.de/sport/article1…ichschritt.html


    Sportchef Völler fordert eine Trotzreaktion im Uefa-Cup

    Von VIM VOMLAND

    Bayer auf „Betriebsausflug“...

    Nach dem Hinspiel (1:4) ist Leverkusen heute in St. Petersburg eigentlich chancenlos. Das Halbfinale kann die Werks-Elf abhaken...

    „Wir schauen was geht. Vielleicht wird St. Petersburg nach einem Tor doch noch nervös. Wir sind nicht hierhin geflogen um was herzuschenken. Ich bin überzeugt, wir werden ein tolles Uefa-Cup-Spiel hinlegen“, sagt Michael Skibbe.

    Der Trainer verzichtet auf einige Stars (u.a. Rolfes, Kießling). Dennoch erwartet Sportchef Rudi Völler: „Jetzt kann jeder zeigen, dass man auf ihn zählen kann. Nachdem Hinspiel erwarte ich eine Trotzreaktion. Es ist eine Frage der Ehre für jeden sich richtig reinzuhauen.

    Wir wollen Europa mit gehobenem Kopf verlassen, vor allem nach den guten Uefa-Cup-Spielen – zum Beispiel die Top-Vorstellung gegen Galatasaray. Schon im letzten Jahr gab’s die Heimspiel-Pleite gegen Ossuna Pamplona und ein schreckliches Rückspiel das darf nicht wieder passieren.“

    Bayer in der Krise ( zuletzt vier Pleiten in Folge): Aber Trainer Skibbe bekommt Rückendeckung. Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser: „Wir haben einen der besten Trainer der Liga. Analytisch ist er topp, konsequent. Aber auch er wird am Erfolg gemessen.“

    Damit er wieder öfters eintritt, ist Bayer gleich mit drei Mann auf Spionage-Trip in Brasilien. Leverkusen sieht sich nach einem Manndecker und Mittelfeldspieler um. Andreas Fehse, Norbert Ziegler (beide Scout) und Michael Reschke (Manager) schauen sich u.a. bei der Copa Libertadores um.

    Wieder Samba-Fußball bei Bayer? Zuletzt hatte der Klub nicht mehr auf die Stars vom Zuckerhut gesetzt. Obwohl sie zum Beispiel mit Lucio, Ze Roberto, Emerson beste Erfahrungen gemacht haben.
    Nun der neue Spionage-Trip. Bleibt zu hoffen, dass Sportchef Völler und Trainer Skibbe sich selbst vor Ort ein Bild machen.

    Denn Reschkes Scouting-Abteilung lag zuletzt zu oft daneben...


    http://www.bild.de

    || Bayer 04, die Sieger sind Wir! ||

    Einmal editiert, zuletzt von Wermelskirchen1904 (10. April 2008 um 10:02)