Geschlossene Gesellschaft

  • Bayer 04 Leverkusen
    Geschlossene Gesellschaft
    VON UDO BONNEKOH


    (RP) Die Leverkusener Theofanis Gekas und Paul Freier werden am Sonntag vermutlich wieder ein Schicksal teilen. Den beiden früheren Bochumern fehlen gegenwärtig die schlagenden Argumente, um in die erste Elf einzudringen.

    Das sind die bitteren Momente in einem ansonsten eher angenehmen Dasein als Fußball-Profi. Da bringen nur ständige Gedanken ans gute Geld leichte Linderung. Wie es Theofanis Gekas gegenwärtig geht, hat jüngst noch jeder sehen können beim Kurz-Auftritt des Griechen in der Partie gegen Schalke.

    Da ist der gehemmte Leverkusener Stürmer erst nach rund einer Stunde aufs Feld gerufen worden, und anschließend hat er permanent gewinkt – gerade so, als seien die Kollegen mit Blindheit geschlagen. Das hatte was kindlich Naives wie bei den Kleinsten, wenn sie unbekümmert dem Ball hinterherjagen und sich übersehen fühlen.

    Gekas’ dauernde Fingerzeige aber lassen sich auch verstehen als Hilferuf eines Torjägers, der sich nicht zurechtfindet in einer (noch) fremden Welt. Und am Sonntag, wenn sich die Leverkusener im Ruhrstadion mit dem VfL Bochum messen, wird Gekas vermutlich erst recht der Frust überkommen, wenn er den Spätnachmittag vorwiegend auf Bayers Bank verbringt.

    „Bei Fanis ist die Erinnerung an Bochum ja noch viel frischer als bei mir. Und deshalb wird er noch trauriger sein als ich, wenn er nur zuschauen darf“, sagt Paul „Slawo“ Freier mitfühlend, der beim VfL ebenfalls eine sehr gute Zeit hatte und jetzt in Leverkusen den Joker geben muss.

    Den beiden Leidensgenossen fehlen gegenwärtig die schlagenden Argumente, um nachhaltig einzudringen in eine scheinbar geschlossene Gesellschaft. Seit dem 2:5 vor Weihnachten in Bremen haben die Leverkusener nicht mehr verloren in Meisterschaft und Uefa-Cup.
    Augenblick zu stabil und zu gut, als dass ich einfach so wechseln
    Kann Bayer 04 Siegesserie fortsetzen? „Die Mannschaft spielt im würde“, betont Michael Skibbe, der sich keine Gefühle leisten mag in bezug auf Gekas und Freier und deren alte Verbindungen zum Revierklub.

    Ein bisschen Zucker gibt der Trainer den Unterbeschäftigten dennoch: „Das, was Theofanis gegen Schalke in der halben Stunde gezeigt hat, war okay. Und Paul hat nach seiner Einwechslung noch mal richtig Druck in unser Spiel gebracht. Beide sind Top-Alternativen“, betont der Fußball-Lehrer, der in den kommenden Wochen Wahlmöglichkeiten braucht, wenn Uefa-Cup und Punktekampf praktisch parallel laufen.

    Bochum – das ist für Gekas und Freier das verbindende Element gewesen bei der Kontaktaufnahme unter Kollegen. Und „Slawo“ zeichnet seitdem ein durchaus farbiges Bild vom Griechen, der eher als introvertiert gilt. „Der Fanis ist mit der Zeit viel offener geworden, er kann auch besser Deutsch als viele meinen“, beteuert Freier, „ich kommen mit ihm sehr gut klar.“

    Und Janni Schmitz, der als Dolmetscher schon viele Ausländer bei Bayer hat kommen und gehen sehen. schätzt an dem „starken Typen“ Gekas vor allem, dass „er absolut keine Allüren“ hat.

    http://www.rp-online.de/public/article…rt/bayer/538353