08.02.2008 | lev
"Das Potenzial von Platz sechs bis eins"
„Kaufen, kaufen, kaufen – die Bundesliga ging in der Winterpause shoppen – bis auf Bayer 04 Leverkusen“. War das, was da in den Medien so salopp klang, weiterer Sparzwang? „Nein, ganz und gar nicht. Wir haben ja kräftig investiert – Gekas, Vidal, Friedrich, Sinkiewicz – um nur einige zu nennen.
Aber wir haben dies so gezielt getan, dass wir unser Ziel, mittelfristig eine Spitzenmannschaft zu formen, auch ohne Notkäufe in der Winterpause erreichen.“ Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer der Bayer Leverkusen Fußball GmbH, ist sich sicher, dass „unsere sportliche Abteilung so gut gearbeitet und unseren Kader so ausgeglichen gut besetzt hat, dass man auch mal längere Ausfälle aus den eigenen Reihen kompensieren kann.“
Natürlich habe man Spieler beobachtet. Und natürlich seien dabei auch einige interessante, vor allem junge Spieler den Scouts aufgefallen. „Aber eine wirkliche Verstärkung, die auch bezahlbar ist, war nicht darunter. Das ist im übrigen in der Winterpause auch nur selten zu erwarten.“ Für Wolfgang Holzhäuser ist die Zeit, in der man Spieler auf „Vorrat“ gekauft habe, die dann aber mehr auf der Bank als auf dem Spielfeld verbracht hätten, endgültig vorbei. „Wir haben einen Stamm von mehr oder weniger 18 Spielern, die eingespielt sind und durch Talente und Spieler aus der eigenen Jugend gut ergänzt werden.“
Konzept geht auf
Das Konzept, junge Talente mit großem fußballerischem Potenzial und hier und da auch neu verpflichtete Spitzenspieler vorsichtig und sorgfältig zu einem Spitzenteam zu formen, gehe auf, so der Geschäftsführer. Die überaus positive Tabellensituation zeige dies deutlich. Dabei bleibe der Anspruch, einen internationalen Wettbewerb zu erreichen, unumstößlich bestehen.
Holzhäuser: „Wir haben das Potenzial, von Platz sechs bis eins alles erreichen zu können. Unser Ziel ist aber realistischer Weise, dass wir den Punkte-Abstand zu den Spitzenmannschaften kontinuierlich verringern und uns langsam aber sicher an Champions-League-Ränge heranarbeiten.“
Als ungerecht betrachtet Wolfgang Holzhäuser die Spiel-Ansetzungen im Zusammenhang mit dem UEFA-Pokal. „Nachdem wir gegenüber einem direkten Mitkonkurrenten, nämlich dem VfB Stuttgart, in der Hinrunde schon benachteiligt worden sind, passiert uns dies jetzt beim Rückspiel gegen Galatasaray Istanbul schon wieder. Da müssen wir donnerstags antreten und haben bereits am Samstag mit Schalke einen direkten Mitkonkurrenten im oberen Tabellendrittel zu Gast.“
Zu kurze Zeit
Dabei gehe es weniger um die allgemeine Erholung sondern vielmehr darum, dass man „in weniger als 48 Stunden einen auch nur leicht angeschlagenen Spieler nicht wieder fit bekommt“. Diese Zeit könne sich sogar noch verkürzen, wenn man womöglich in die Verlängerung oder gar ins Elfmeterschießen müsse. Leider habe Galatasaray den Mittwochtermin aus unerfindlichen Gründen nicht akzeptiert.
„Aber“ – so Holzhäuser – „wir haben der Bindung an Fernsehverträge mit entsprechenden Terminierungen zugestimmt, jetzt müssen wir leider sehen, dass wir damit klarkommen.“ Allerdings setzt der Geschäftsführer großes Vertrauen in Trainer Michael Skibbe und seine Crew, die Mannschaft einigermaßen fit zu bekommen.
CAS-Urteil: grundlose Aufregung
Wenig Verständnis hat Wolfgang Holzhäuser für die große Aufregung, die das Urteil des obersten Sportgerichts (CAS) unter den Profivereinen ausgelöst hat. „Das CAS hat nichts anderes getan, als den Artikel 17 des FIFA-Reglements bezüglich des Status und Transfers von Spielern mit festgeschriebenen Transfer-Entschädigungen zu versehen, damit es eine einheitliche Regelung gibt.“
Man könne zwar darüber klagen, dass diese Summen zu gering seien, aber die Regelung, dass Spieler vorzeitig Verträge brechen könnten, habe die FIFA bereits 2001 mit dem Artikel 17 selbst geschaffen. „Das war eine Einigung zwischen den internationalen Fußballverbänden und der EU. Ohne Beteiligung der Vereine und aus meiner Sicht auch völlig grundlos. Das habe ich bereits damals immer wieder deutlich gemacht.“
Für Bayer 04 sieht der Geschäftsführer keine besonderen Probleme. Man habe die Verträge so gestaltet, dass es kaum zu unterschiedlichen Meinungen kommen könne. Außerdem sei in der Regel immer noch das nationale Arbeitsrecht maßgebend.
Charakter gefragt
„Es kommt doch in erster Linie darauf an, ob der Spieler zu uns passt. Wir schauen uns genau an, ob ein Spieler auch Charakter besitzt. Und erst dann werden wir uns mit ihm einigen. ‚Windige’ Typen, so genannte ‚Vertrags-Hopper’, versuchen wir erst gar nicht unter Vertrag zu nehmen“. Für Holzhäuser kommt es in erster Linie auf die Praxis an und nicht auf theoretische Horror-Szenarien.
Der Geschäftsführer wünscht sich allerdings, dass künftig bei Regelungen, die hauptsächlich die Vereine betreffen, die Klubs auch direkt Einfluss nehmen können. Die ehemalige G14 – eine Interessengemeinschaft von bedeutenden europäischen Klubs – habe gezeigt, wie wichtig die direkte Einflussnahme der Vereine sei.
Ein Verband, in dem wieder nur Verbände organisiert seien, wie die EPFL, könnte die Belange der Vereine nicht so direkt vertreten. Deshalb hoffe man jetzt darauf, dass die G14-Nachfolgerin, die European Club Association (ECA), in der mehr als 100 Klubs direkt vertreten sind, bei allen Entscheidungen ein Mitspracherecht eingeräumt bekomme.