Zwei Tests zum Vergessen

  • VON UDO BONNEKOH

    Leverkusens Kapitän Simon Rolfes betrachtet das maue Ergebnis beim Winter-Cup als „Warnschuss“. Und Trainer Michael Skibbe will mit der Mannschaft noch mal „Klartext reden“.

    Benedikt Fernandez, im Vorjahr an gleicher Stelle und bei gleichem Anlass hoch gelobter Torwart, hätte diesmal gewiss gern den Hinterausgang der Düsseldorfer Arena benutzt. Der Mann hinter dem leicht angeschlagenen René Adler leistete sich bei der aktuellen Auflage des Winter-Cups in der Landeshauptstadt einen Lapsus, auf den der totale Zusammenbruch des Leverkusener Kollektivs folgte. Innerhalb von nicht mal 15 Minuten der Dreiviertelstunde Fußball bekam Bayer von aggressiven Dortmundern hübsch Hiebe.

    Ein 0:5 in solch kurzer Zeit, das ist Rekord. „Ich habe den Gonzalo Castro halt unglücklich angeschossen“, schilderte Fernandez den bitteren Moment des Niedergangs. Borussias Petric hat sich unterdessen schlapp gelacht über derartiges Entgegenkommen bei seinem Treffer ins leere Tor.

    „Diese Niederlage lässt sich aber nicht allein der Abwehr zuschreiben“, betonte Trainer Michael Skibbe, der vor dem Test in Aachen (morgen, 19 Uhr, Tivoli) der Mannschaft Fehler bildlich vorführen und dabei „Klartext reden“ möchte. Bayers Vorstellung gegen die westfälische Borussia hatte was von Kindergarten-Kick.

    „Ich habe mich ein bisschen an unser letztes Spiel der Hinrunde in Bremen erinnert gefühlt“, meinte Kapitän Simon Rolfes, „denn da sind wir beim 2:5 nach einem starken Beginn auch innerhalb weniger Minuten auseinander gerissen worden.“ Dass dem Einbruch gegen Dortmund ein einigermaßen erträgliches 1:2 (1:0 durch Arturo Vidal) gegen Bremen im Spiel um Platz drei folgte, hielt Rolfes nicht davon ab, von „einem Warnschuss“ zu reden und die Besinnung auf „unsere Maxime der Defensiv-Priorität“ zu fordern.

    Beschwichtigendes sagte der Mittelfeldmann allerdings auch noch: „Wir haben ja zwei Wochen Zeit bis zum Cottbus-Spiel, um die Fehler zu beheben.“

    Selbst unter Berücksichtigung des allseits bekannten Mangels an Ernst während der „Spielchen“ in der Vorbereitung, gab es ein paar bedenkenswerte Hinweise auf Team-Defizite. Dass die Innenverteidigung (mal mit Junior Jens Hegeler an der Seite von Jan-Ingwer Callsen-Bracker, mal mit Stefan Reinartz) in dieser Konstellation in absehbarer Zeit kein Pflichtspiel zu bestreiten haben wird, kann Michael Skibbe nur inständig hoffen bei offenbarter Desorientierung. Dass Vratislav Gresko, der ein paar aberwitzige Bolzen produzierte und sich einem besinnungslosen Foul an Dortmunds Blaszczykowski hingab, oder Sascha Dum die Vakanz hinten links füllen sollen, kann Bayers Coach innerlich auch nicht stabilisieren.

    „Wir werden in Aachen und in Köln schon sehr viel besser organisiert sein“, sagte Michael Skibbe zum Abschluss des Gastspiels in der LTU-Arena, die nicht Bayers Heimstatt werden soll (siehe SPORT). Das Versprechen ist sehr einfach einzulösen.
    RP Online

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