Zwei Tore für die Zukunft

  • VON DIRK MESCH, 20.12.07, 21:11h

    Zürich - Im Gegensatz zu seinen Mannschaftskameraden hatte Dmitri Bulykin schon „früh“ den Weg in sein Hotelbett gefunden. Gegen halb drei in der Nacht war der Russe in den Federn; aus freien Stücken und wohlbedacht, denn am Morgen nach dem berauschenden 5:0-Kantersieg Bayer 04 Leverkusens beim FC Zürich machte sich der Angreifer von der Schweiz aus direkt auf den Weg nach Moskau. Dort, bei seiner Lebensgefährtin Jekaterina, wird in der Zeit bis zum neuerlichen Trainingsbeginn am 5. Januar das am Montag geborene Töchterchen Agathe schon noch für genug schlaflose Nächte sorgen. Und so unterschied sich Bulykin zu Beginn des gestrigen Tages optisch doch recht deutlich vom Rest der angeschlagenen Leverkusener Reisegruppe, die im Zürcher Club „Kaufleuten“ den eroberten Sieg in der Uefa-Cup-Vorrundengruppe E kollektiv bis in die Puppen (und noch ein bisschen länger) feierte.

    Bulykin hätte allen Grund gehabt, da mitzutun. Denn dem 28-Jährigen war mit seinen beiden Toren am Mittwochabend eine entscheidende Weichenstellung gelungen, er hatte mittels einer bärenstarken Leistung seine zuvor noch recht mäßigen Zukunftsaussichten unterm Bayer-Kreuz in rosarot getaucht. Für Michael Skibbe jedenfalls war nach dem Schlusspfiff im Letzigrund-Stadion klar, dass so ein Mann gehalten werden muss. „Dmitry muss sich keine Sorgen machen und kann in aller Ruhe zu seiner Familie fliegen. Er hat sich nicht nur wegen seiner beiden Tore für mehr empfohlen“, lobte der Trainer den Profi, der „bisher für fast gar nichts spielt bei uns“ und nun bis Saisonende - mindestens - Planungssicherheit hat.

    Bis zum 31. Dezember 2007 war Bulykins stark leistungsbezogener Vertrag bislang befristet. Man wollte erst einmal sehen, wie sich der 15-fache Nationalspieler so machen würde. Eine mittel- oder gar langfristige Verpflichtung erschien als zu großes Risiko, denn Bulykin hatte gut ein Jahr lang bei Dynamo Moskau nur auf der Tribüne gesessen. „Das waren persönliche Gründe. Ich hatte ein Angebot, doch Dynamo wollte zu viel Geld für mich. Weil ich aber unbedingt weg wollte, haben sie mich einfach nicht mehr spielen lassen“, so Bulykin.
    "Ich will noch zur WM"

    Anfang August fand der unselige Kontrakt sein Ende. Bulykin aber, der in Russland schon als kommender Superstar gehandelt wurde, bei der EM 2004 in Portugal mitmischte und in seinen 15 Länderspielen sieben Tore schoss, war fürs Erste verbrannt. Als scheinbar schwieriger, aufmüpfiger Spieler landete er ohne Praxis in Leverkusen.

    Wo es so toll zunächst auch nicht lief, Bulykins Einsätze blieben überschaubar. Doch der Stürmer beeindruckte Skibbe mit einer „hochprofessionellen Einstellung. Als ich ihm vor etwa zwei Wochen ankündigte, dass er in Zürich spielen soll, verzichtete er von sich aus darauf, zur Geburt seiner Tochter zu reisen, um die Chance zu nutzen“, verriet der Trainer. „Das rechne ich ihm hoch an.“ Nun ist Bulykin eine echte Alternative für den Bayer-Sturm. Für den Russen steht fest: „Ich muss spielen. Denn ich will noch zur Europameisterschaft.“

    http://www.rundschau-online.de/jkr/artikel.jsp?id=1195834765099


    Kommentar : Boygroup

    ERSTELLT 20.12.07, 21:11h
    Nach dem formidablen Erfolg im Uefa-Cup spricht alle Welt nun wieder vom Leverkusener Spaßfußball. Die Formulierung ist abgedroschen, trifft aber den Kern. Sicher kicken auch unterm Bayer-Kreuz keine „elf Freunde“ im klassischen Herbergerschen Sinn, denen der Kopf vorrangig nach Kameradschaft steht und nach sportlicher Freude. Im Zeitalter modernen Profitums ist das ein Relikt vergangener Tage.

    Trotzdem zeichnet die aktuelle, noch sehr junge Mannschaft ein auffälliger innerer Zusammenhalt aus, der auf dem Platz zu erstaunlichen Ausprägungen von Spiellust führt. Offensichtlich ist da der sportlichen Leitung bei der Zusammenstellung des Kaders ein Volltreffer gelungen. Die Chemie stimmt. Wie passend für eine Bayer-Werkself, die mit ihrer smarten Art auf dem besten Weg ist, das alte Stigma vom Langweiler-Club endgültig abzulegen.

    Momentan haben René Adler, Tranquillo Barnetta, Stefan Kießling & Co. die Qualitäten einer angesagten Boygroup. Gut fürs Image. Was Sportchef Rudi Völler und Trainer Michael Skibbe aber noch mehr freuen dürfte ist, dass diese Jungs wohl noch besser werden. Und das wäre dann gut für die Trophäensammlung.

    http://www.rundschau-online.de/jkr/artikel.jsp?id=1195834765105

    [color=red]Ein Löwe stirbt nie - er schläft nur

    Einmal editiert, zuletzt von Grimaudino (20. Dezember 2007 um 23:16)