"Hier wächst etwas Großes"

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    Sport, 14.12.2007, DANIEL THEWELEIT

    FUSSBALL. Bayer Leverkusen ist in der Bundesliga derzeit so etwas wie die Mannschaft der Stunde. Und ein Team mit richtig guten Perspektiven dazu.

    LEVERKUSEN. Die halbe Bundesliga blickt seit Jahren neidvoll nach Bremen, jenem Standort, an dem es sich am ruhigsten arbeiten lässt. Traditionell galt es als Vorteil Werders, dass hier Besonnenheit regierte, dicke Schlagzeilen wurden anderswo produziert. Doch diese Annehmlichkeit ist irgendwie verloren gegangen im Zuge des Klose-Wechsels zu den Bayern, rund um die Ärztediskussion im Fall Klasnic, nach Trainingsplatz- sowie Kabinenganghandgreiflichkeiten und allerlei mehr. Der Ruhepol der Liga ist nach Leverkusen gewandert.

    "Offensiv geht immer was"

    Jenseits der Hauptschauplätze im Aufregungsbetrieb Bundesliga hat sich am Rhein ein Gebilde entwickelt, das richtig für Aufsehen sorgen könnte in den kommenden Monaten und Jahren. Heute kann Bayer Leverkusen mit einem Sieg im Spitzenspiel in Bremen auch in der Tabelle am Konkurrenten aus dem Norden vorbei ziehen, aber die wesentlichen Ziele sind mittelfristig angelegt. "2009 wenn unser Stadion ausgebaut ist, wollen wir um die Deutsche Meisterschaft mitspielen", sagt Trainer Michael Skibbe, und ergänzt: "Vielleicht wollen wir auch mal wieder in Champions League dabei sein, aber jetzt ist die Mannschaft noch nicht so weit." Sie wollen eben ihre Ruhe haben in Leverkusen.

    Spektakel gab es zuletzt aber trotzdem, nämlich immer samstags um halb vier. Fünf mal in Folge hat die junge Leverkusener Mannschaft zuletzt gewonnen und dabei 14 mal getroffen bei nur zwei Gegentoren. "Wir haben jetzt den Schritt gemacht, uns weiter vorne zu etablieren", sagt Simon Rolfes, einer der großen Gestalter des Leverkusener Aufschwungs. "Wir haben uns defensiv enorm entwickelt und offensiv geht immer was." Das nach den Bayern zweitbeste Torverhältnis dokumentiert diese Aussage eindrucksvoll.

    Besonders erstaunlich ist, dass die Erfolgsserie trotz eines immensen Verletzungspechs gelang. Ohne Bernd Schneider, den besten Spieler der Vorsaison und trotz der Doppelbelastung mit Uefa-Cup. "Wir haben einfach richtig Qualität im Kader", sagt Rolfes, der in der Bewertung des Fachmagazins Kicker notenbeste Feldspieler der Liga. Der Nationalspieler ist derart überzeugt von der Perspektive, dass er im Herbst von alleine auf die Klubführung zuging und um die Verlängerung seines Kontraktes bat, obwohl er wohl überall sonst mit offenen Armen empfangen worden wäre. "Ich bin überzeugt, dass sich hier etwas Großes entwickelt", sagt er.
    Im Sommer kommen neue Talente dazu

    Jungnationalspieler Gonzalo Castro (20) und René Adler (22), der in vielen Augen derzeit beste Torhüter der Liga, haben ihre Verträge vor dem Hintergrund ähnlicher Überlegungen verlängert, und in der Tat sieht die Zukunft zumindest theoretisch wunderbar aus in Leverkusen. Stefan Kießling (23) hat sich zu einem Spitzenstürmer entwickelt, vom starken Chilenen Arturo Vidal (20) heißt es, er werde garantiert irgendwann bei einem der ganz großen Klubs in Europa landen und Tranquillo Barnetta (22) gilt als bester Spieler der Schweiz. Im Sommer kommen mit Patrick Helmes vom 1. FC Köln (23) und dem hoch veranlagten U-21-Akteur Daniel Schwaab vom SC Freiburg (19) zwei weitere Talente hinzu, und gestützt wird dieses Kollektiv der großen Zukunft von drei, vier erfahrenen Männern. Schneider hat ebenso Freude an dieser Rolle wie der auch noch recht junge Rolfes (25). Den zuletzt hinreißend guten Sergej Barbarez bezeichnet Skibbe mittlerweile als "Kopf der Mannschaft".

    Ein wenig erinnert diese Mischung an den VfB Stuttgart des Vorjahres. (NRZ)

    [color=red]Ein Löwe stirbt nie - er schläft nur