ERSTELLT 05.12.07, 17:46h, AKTUALISIERT 05.12.07, 17:48h
Faninitiative und „Ultras Leverkusen“ hatten die Aktion „Das Kreuz muss bleiben“ ins Leben gerufen.
Szenen wie bei einer Fußballweltmeisterschaft spielten sich am späten Dienstagabend rund um das Bayer-Kreuz ab. Wie eine Bombe hatte die Nachricht zuvor im Internet-Forum „werkself.de“ der Bayer-04-Fans eingeschlagen. Um exakt 19.33 Uhr tippte Andrea Schmitz, Sprecherin der Initiative „Das Kreuz muss bleiben“, diese Worte in das Forum: „Das Bayer-Kreuz bleibt stehen!!!“
Augenblicke zuvor war sie durch die Pressemitteilung der Bayer AG informiert worden, danach gab es kein Halten mehr: Fans und Befürworter der Aktion feierten den unverhofften Erfolg. Herzklopfen ohne Ende habe sie gehabt, schilderte Schmitz ihre Gefühle. „Spontan haben sich dann einige zu einem Autokorso rund um das Werk getroffen“, so die Sprecherin. Um 21 Uhr wunderte sich Ediz Erdogan, Schichtführer im Schnellrestaurant in der Bay-Arena, über den für einen Dienstagabend ungewöhnlichen Auftrieb auf dem Parkplatz vor dem Restaurant: „Da kamen etliche Leute in ihren Autos, versammelten sich und fuhren kurz darauf weiter.“
Wenig später rieb sich der Pförtner in der gläsernen Konzernzentrale an der Kaiser-Wilhelm-Allee verwundert die Augen: „Die fuhren hier auf und ab und hupten.“ Auf dem Parkplatz zwischen Carl-Duisberg-Allee und Bundesstraße 8, direkt am Bayerwerk, quasi zu Füßen des Objekts ihrer Begierde, feierten die „Kreuz-Ritter“ anschließend weiter. Feste zu feiern, wie sie fallen, das verstehen die Initiatoren, entstammen sie doch allesamt der Fanschar rund um die Bayer-04-Kicker: Faninitiative und „Ultras Leverkusen“ hatten die Aktion „Das Kreuz muss bleiben“ ins Leben gerufen und damit eine riesige Sympathiewelle ausgelöst: Über 21 000 Unterschriften gegen den geplanten Abriss konnten gesammelt werden. Die Listen sollten in Kürze Oberbürgermeister Ernst Küchler übergeben werden. Dem kam die Bayer AG mit ihrer Mitteilung nun zuvor.
„Die Nachricht hat uns aus den Schuhen gehauen“, erklärte Schmitz am Mittwoch, „das ist schöner als ein WM-Sieg.“ Denn sie gibt zu: „Richtig zu glauben gewagt, dass unsere Initiative Erfolg haben würde, hat niemand.“ Seitens Bayer sei bis einschließlich gestern nie jemand an die Initiative herangetreten. Dennoch ist Schmitz nun sicher: „Herrn Wenning gebührt natürlich das dickste Dankeschön.“ Sebastian Pöschke von den „Ultras“ war am Dienstag „einfach nur platt!“ Sein Dank gilt „allen, die unterschrieben haben und natürlich der Bayer AG“.
Noch gestern gingen bei „werkself.de“ zahlreiche Kommentare ein. Der vielleicht bezauberndste geht so: „Hallo, ich bin Gesa und 9 Jahre alt. Meine Mama hat mir gerade erzählt, dass das Bayer-Kreuz stehen bleibt. Ich bin so froh! Das ist die Belohnung, wenn man ganz fest an etwas glaubt.“ (san / gmü)
http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1195816878182
KOMMENTAR : Grundlegendes Misstrauen
ERSTELLT 05.12.07, 17:46h
Riesenjubel am Dienstagabend bei den Fußballfans: Sie hatten mit der von ihr angestoßenen Initiative dafür gesorgt, dass Bayer-Chef Werner Wenning in Sachen Bayerkreuz doch noch einlenkte. Der Initiative, die zigtausende Unterschriften für den Erhalt des Leverkusener Wahrzeichens sammelte, sei ein dickes Lob für ihren Einsatz und ihre Beharrlichkeit ausgesprochen. Sie traf mitten ins Herz der meisten Leverkusener, die ihrem Unmut über die Pläne der Unternehmensspitze freien Lauf ließen.
In die Kritik mischte sich aber auch etwas anderes, das Konzernchef Wenning nicht gleichgültig sein dürfte. Er rückte er noch am Dienstagabend das Unternehmen und die Stadt verbal eng zusammen. Es ist ein offensichtlich grundlegendes Misstrauen gegenüber den Lenkern an der Kaiser-Wilhelm-Allee vorhanden, das sich sogar in die Freude über den Erhalt des Kreuzes mischte.
Symptomatisch dafür ist die spontane Äußerung einer älteren Leverkusenerin, die gerade die frohe Botschaft erhalten hatte: „Vielleicht ist das nur ein Zückerchen, dass die uns jetzt geben, bevor sie uns wieder etwas anderes wegnehmen.“