Zu den Heimspielen von Bayer 04 kommen 22 500 Zuschauer - aber wie?
Thomas Reinert hat freie Auswahl. Mit seinem schwarzen Auto fährt er kurz nach 14 Uhr unter die „Stelze“. Es ist Samstag und das Spitzenspiel der Fußballbundesliga, Leverkusen gegen Bayern München, wird in knapp eineinhalb Stunden in der Bay-Arena angepfiffen.
Thomas Reinert kommt immer so früh zu den Heimspielen und immer mit dem Auto. „Die Fahrt mit dem Bus würde eine Stunde dauern“, lautet die Begründung des 22-Jährigen Bayer-04-Fans, der in Steinbüchel wohnt. Dass er spätestens eine Stunde vor Spielbeginn an der „Stelze“ sein muss, um einen der kostenlosen Parkplätze zu ergattern, störe ihn nicht. Und auch die 80-minütige Rückfahrt nach dem Spiel nimmt er in Kauf - es sei halt bequemer im Auto zu sitzen als dicht gedrängt im Bus zu stehen.
2000 zusätzliche Autos
Ein Drittel der Stellplätze unter der Autobahnbrücke können kostenfrei genutzt werden. Wer sich einen Parkausweis leisten kann, kann seinen Wagen auf einem der neun Parkplätze rund um die Arena abstellen. Ob Reinert und die anderen Autofahrer ohne Ausweis auch in der Saison 2009 / 10 noch hier parken können, steht indes noch in den Sternen. Dann nämlich soll der Ausbau der Bay-Arena abgeschlossen sein.
Rund 8000 Zuschauer mehr werden dann Platz finden; mit 2000 zusätzlichen Pkw rechnet Bayer-04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Deswegen will er ein Parkhaus hinter das Stadion setzen und die komplette „Stelze“ für Fußballfans reservieren - vermutlich nicht kostenlos.
Unter der „Stelze“ und an der Bismarckstraße herrscht derweil das ganz normale Chaos. Scharen von Männern, Frauen und Kindern spazieren unter der Autobahnbrücke entlang zum Stadion. Viele kommen zu Fuß, einige trotz Dauerregens mit dem Fahrrad. Die Wupsi setzt zu den Spielen bis zu 40 Sonderbusse ein, die die Fußballfans aus allen Himmelsrichtungen an die Bismarckstraße bringen. Wer eine Eintrittskarte hat, kann die öffentlichen Verkehrsmittel umsonst nutzen. Die „Löwenlinie“ vom Busbahnhof Opladen und der Pendelverkehr vom Bayer-Parkplatz Kurtekotten starten um 14 Uhr. Die voll besetzten Busse kommen im Minutentakt an und entladen die mit Schals und Trikots bekleideten Anhänger der Werkself.
Kristin Neubauer und Oliver Dieter sind aus Bad Neuenahr angereist und haben ihren Pkw am Kurtekotten abgestellt. Mit dem Auto bis zum Stadion zu fahren, das würden sich die beiden freiwillig nicht antun. „Das wäre ja Stress pur“, winkt Neubauer ab. Mit dem Pendelbus seien sie in zehn Minuten am Stadion, „und zur Sportschau sind wir immer zu Hause“. Die beiden loben den Service von Bayer 04 - und schütteln den Kopf über Wolfgang Holzhäuser. Der hatte bei der Vorstellung der Ausbaupläne für die Bay-Arena im März gesagt: „Das Park-and-Ride-System wird doch nicht mehr so angenommen.“ Bei den Nutzern eben dieses Systems sorgt die Aussage für Verwunderung. Die Pendler berichten, dass die Busse vom Kurtekotten stets voll seien, aber auch noch genügend freie Parkplätze zur Verfügung stünden.
Busbahnhof überfüllt
Busfahrer Michele Carpino lenkt regelmäßig die „Löwenlinie“ und weiß zu berichten, dass der Busbahnhof Opladen „ab Viertel vor drei überfüllt ist“. Nicht nur Fans aus Leverkusen, sondern auch Auswärtige nutzen dieses Angebot: „Heute waren auch welche aus Siegburg und Nürnberg im Bus.“ Die hätten ihr Auto am Opladener Bahnhof stehen lassen. Was Carpino Sorgen macht, ist das Chaos nach dem Abpfiff, wenn die Menschen zwischen den wartenden Bussen herlaufen; das sei nicht ungefährlich.
Während im Schmuckkästchen der Bundesliga der Ball rollt, ist die Siedlung Am Neuenhof wie ausgestorben. Vor und nach der Partie fährt hier die Blechkolonne durch. Dass über eine neue Zufahrt zur „Stelze“ nachgedacht wird, ist dort sehr erwünscht. Die Anwohner hatten sich bei einem Infoabend zum Stadionausbau aber nicht nur über den Verkehr, sondern auch über Bierflaschen in den Vorgärten und Falschparker beschwert. Doch nur ein paar Autos stehen außerhalb der markierten Stellplätze, nicht aber vor Einfahrten. Nach Spielbeginn finden sich sogar noch freie Parkplätze; von Abfällen aber keine Spur. Das Chaos, so scheint es, hält sich in Grenzen.