Der aktuelle Pressespiegel
Saison 2007/08
Frankfurter Rundschau
"Präsident so nebenbei? Das geht nicht!"
Der scheidende Ligaboss Wolfgang Holzhäuser sieht Defizite bei der DFL und billigt sich das Recht auf eine eigene Meinung zu.
Herr Holzhäuser, werden Sie zum Abschied eine Rede halten?
Das habe ich nicht vor. Ich werde aber als amtierender Präsident die Versammlung leiten. Am Ende der Tagesordnung steht die Präsidentenwahl. Ich gehe davon aus, dass der einzige Kandidat, Reinhard Rauball, gewählt wird. Ich werde ihm dann die Hand drücken, viel Glück und alles Gute wünschen und meinen Platz räumen.
Kritiker sagen, Sie hätten Ihren Rückzug selbst zu verantworten, weil Sie zu viele Alleingänge unternommen hätten.
Diese Kritik ist unberechtigt. Ich bin nach dem überraschenden Tod von Werner Hackmann im März zum Präsidenten gewählt worden. Ein Präsident muss das Recht haben, seine Meinung kundzutun, auch wenn sie anderen nicht immer passt.
Es wurde kritisiert, dass Sie sich noch aktiv auf Präsidentensuche begeben wollten, nachdem Reinhard Rauball bereits seinen Hut in den Ring geworfen hatten.
Ich verstehe den Vorwurf nicht. Wir hatten eigens die Personalberatung Korn/Ferry beauftragt, um unter anderem die Meinung der Klubs einzuholen, welches Profil ein neuer Präsident haben soll ...
... einer mit Stallgeruch oder ein Quereinsteiger. Was hat diese Studie gebracht?
Ich hätte mir gewünscht, dass sie sorgsam ausgewertet worden wäre. Sie war ja auch nicht ganz billig (rund 200 000 Euro, die Red.). Stattdessen wurde sie in die Schublade gelegt, wofür ich wenig Verständnis habe.
Sie hätten sich einen Quereinsteiger aus der Wirtschaft gewünscht, aber jetzt ist es doch ein Mann mit Stallgeruch geworden.
Ich weiß jedenfalls aus eigener Erfahrung der vergangenen Monate, dass das ein Fulltime-Job ist. Dann kann Rauball als Anwalt mit eigener Kanzlei und Präsident von Borussia Dortmund das offenbar schlecht schaffen. Das ist nicht mein Problem. Aber seien wir doch ehrlich: Die Liga hat in gesellschaftspolitischen und sportpolitischen Fragen kein Profil entwickelt. Wir hangeln uns im Grunde nur von Fernsehvertrag zu Fernsehvertrag. Ich hoffe, dass Rauball das auf die Reihe bekommt.
Es heißt, Sie selbst wären gern Präsident geworden, nur: Es hätte Sie keiner gefragt.
Vergessen Sie das. Ich habe immer deutlich gesagt, dass ich es nicht werden kann. Dazu fehlt mir das Profil und das diplomatische Geschick in der Außendarstellung. Da muss ich auch ehrlich mir gegenüber sein. Und außerdem kann ich es beruflich gar nicht.
Sind Sie irgendwie sogar ein bisschen erleichtert, dass Ihre jahrzehntelange Karriere als Verbandsfunktionär nun zu Ende geht und Sie sich ganz auf die Geschäftsführung bei Bayer Leverkusen konzentrieren können?
Ich spüre tatsächlich eine deutliche Erleichterung. Die physische und psychische Belastung war zuletzt einfach zu groß. Präsident so nebenbei? Das geht nicht. Ich hätte es auch gar nicht geschafft, wenn in meinem Büro nicht zwei Kräfte mich unterstützt hätten, die ich teilweise aus eigener Tasche bezahlt habe.
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