IEnnepetal. (ger/chd) Es war alles angerichtet für das im EN-Kreis hochkarätigste Fußballspiel des Jahres zwischen Bayer Leverkusen und AZ Alkmaar im Ennepetaler Bremenstadion. Schönes Wetter, gute Stimmung auf den Rängen, dazu die deutsch-holländische Rivalität. Doch gab es hier und da ein kleines "Aber."
Denn anstatt der erhofften 6000 Zuschauer kamen "nur" etwa 3000. Die sahen zudem eine einseitige Partie zweier UEFA-Cup-Teilnehmer, wobei Leverkusen in Sachen Saisonvorbereitung eine Woche Vorsprung hat. Dementsprechend verdient war der 4:0-Erfolg der Mannschaft von Michael Skibbe in dem freundschaftlichen Vergleich.
Doch diese kleinen Schatten an einem sonnigen Nachmittag übertünchte der Mann des Tages: Leverkusens Neuzugang Theofanis Gekas, Torschützenkönig der vergangenen Bundesliga-Saison und frisch vom VfL Bochum zu Bayer gewechselt. Auch in Ennepetal präsentierte sich der griechische Stürmer mit der Nummer 10 torhungrig und versenkte den Ball gleich zweimal per Kopf in Alkmaars Kasten. Dazu gab er keinen Ball verloren, setzte unermüdlich nach und sorgte so für permanente Unruhe in der gegnerischen Hälfte.
"Wir können froh sein, dass er bei uns ist", lobte Skibbe, der in puncto Angriff beruhigt in die Zukunft blickt. Denn nach Gekas´ Abgang in der 65. Minute traf auch der für den Griechen gekommene Michal Papadopulos zum 4:0. Nationalspieler Bernd Schneider hatte per Foulelfmeter die Führung für die spiel- und lauffreudigen Leverkusener erzielt, deren junge Mannschaft unter den Augen zahlreicher Medienvertreter (u.a. Hellas-TV und der niederländische Regionalsender Noord-Holland) das Spiel dominierte.
Bevor der souveräne Schiedsrichter Peter Henes aus Herdecke dieses beendete, hatten Gekas und Schneider längst den Kabinentrakt auf dem Stadionvorplatz erreicht. Nach der Auswechslung der beiden Bayer-Stars in der 65. Minute mussten sie sich durch die Fans kämpfen und geduldig Autogramme schreiben. Für Schneider war´ s ein ungewohntes Gefühl: Denn der "weiße Brasilianer" stand in Sachen Popularität im Schatten seines neuen Kollegen.
Gekas verschenkte gleich neben der Bank sein Trikot an einen kleinen Jungen und wurde von den Zuschauern begeistert gefeiert. Und er hätte gerne mit ihnen geplaudert - wenn nicht die Sprachbarriere gewesen wäre: "Nix Deutsch, nix Englisch, leider gar nix", sagte er lächelnd. Dafür ließ er sich reichlich mit Anhängern fotografieren. Frisch geduscht, bestieg er den Bus, als die Kollegen nach dem Abpfiff gerade erst vom Platz kamen. Um die Wartezeit zu überbrücken, kletterte Gekas extra noch einmal heraus und ließ sich weiter mit begeisterten Fans ablichten.
Van Gaal lobt Ennepetal Unbehelligt stand dagegen ein Weltstar des internationalen Fußballs vor den Kabinen: Louis van Gaal. Alkmaars 55-jähriger Trainer gehört nicht nur in Holland zu den prominentesten seiner Gilde und trainierte vor seiner AZ-Zeit Ajax Amsterdam, den FC Barcelona und die niederländische Nationalmannschaft.
"Bei uns beginnt die Saison erst am 18. August", erklärte van Gaal die schwache Vorstellung seiner Elf, "wir sind seit zwei Wochen im Training, meine Junioren-Nationalspieler erst seit Donnerstag." Dafür, so van Gaal weiter, habe seine Mannschaft vor allem in der ersten Halbzeit gut mitgehalten. Leverkusen habe sich dann die Lufthoheit und damit die entscheidenden Vorteile gesichert. Ein Lob verteilte er an den Veranstalter TuS Ennepetal: "Das Spiel war hervorragend organisiert."
Das freute das 100-köpfige Helferteam, so dass (fast) alle rundum zufrieden das Bremenstadion verließen.
Optimale Bedingungen, perfekte Organisation, schöne Sportanlage
Ennepetal. (cm) Neben den eigentlichen Hauptdarstellern der Begegnung, sprich den Akteuren von Bayer 04 Leverkusen und AZ Alkmaar, war auch Bayer-Sportchef Rudi Völler ein stets umlagerter und natürlich auch interessierter Zuschauer. Auch die WESTFALENPOST sprach am Rande mit "Tante Käthe".
WP: Herr Völler, warum tragen Sie mit Bayer bereits zum zweiten Mal ein Vorbereitungsspiel in Ennepetal aus?
Rudi Völler: Weil die Bedingungen hier für uns einfach optimal sind. Wir finden eine tolle Sportanlage und einen sehr gepflegten Platz vor. Und auch die ganze Organisation läuft einfach reibungslos. Warum sollen wir unsere Begegnungen beispielsweise in Alkmaar austragen, wenn wir uns unseren Fans hier in der Nähe präsentieren können?
WP: Im letzten Jahr hieß der Gegner FC Getafe aus der spanischen Primera Division, diesmal ist es AZ Alkmaar aus der Hollands Ehrendivison. Damit absolvierten Sie beide Partien gegen hochklassige Teams.
Völler: Das ist richtig. Beide Spiele hatten schon innerhalb der Vorbereitung einen hohen Stellenwert für uns. Das muss aber auch so sein, denn in gut zwei Wochen ist die erste Runde im DFB-Pokal und eine Woche später beginnt ja auch bereits die Bundesligasaison. Davor absolvieren wir noch einen Härtetest am kommenden Sonntag in der BayArena gegen den AS Rom.
WP: Und wie zufrieden sind Sie bisher?
Völler: Sehr, vor allem weil wir uns ja in einem Umbruch bzw. "Übergangsjahr" befinden und die Saison mit vielen jungen Akteuren angehen wollen.