Leverkusen locker weiter gegen Lens

  • Uefa-Pokal


    Leverkusen locker weiter gegen Lens


    Von Peter Penders, Leverkusen


    14. März 2007
    Na also, so schlecht kann die Bundesliga im internationalen Vergleich ja offensichtlich doch nicht sein. Mit einen hochverdienten 3:0-Sieg hat sich Bayer Leverkusen am Dienstagabend für das Viertelfinale im Uefa-Pokal qualifiziert - und der Tabellensechste der Bundesliga schaltete dabei nach der 1:2-Hinspielniederlage mit dem RC Lens immerhin den Tabellenzweiten der französischen Liga aus. „Ein großes Kompliment an meine Mannschaft. Das war Fußball, wie man ihn spielen muss. Am Anfang hatten wir etwas Probleme, aber dann haben wir über weite Strecken famos gespielt. Ganz toll. Das war heute für uns ein perfekter Abend. Wir haben wunderschöne Kombinationen gezeigt“, sagte Trainer Michael Skibbe beglückt über einen eindrucksvollen Leverkusener Auftritt.


    Wie also geht man ein Spiel an, bei dem man unbedingt ein Gegentor vermeiden will, weil notfalls auch ein schmuckloses 1:0 zum Weiterkommen reichen würde? Nicht ganz überraschend hatte sich Skibbe für eine kontrollierte Offensive entschieden, was auffällig gut mit den Gedanken seines französischen Kollegen harmonierte. Francis Gillot hatte sich mit dem Vorteil eines 2:1-Vorsprungs aus dem Hinspiel natürlich für eine kontrollierte Defensive entschieden, womit fürs Erste die Chance auf eine attraktive Partie dahin schien.


    Ein Schuss, ein Tor, ein Schrei


    Leverkusen musste sich zunächst zäh durch ein stark bevölkertes Mittelfeld mühen, um überhaupt einmal gefährlich in der Nähe des französischen Tores aufzutauchen. Keine dankbare Aufgabe, zumal es galt, vor den Kontern des RC Lens auf der Hut zu sein. Das gelang Bayer in der ersten Halbzeit bis auf eine Ausnahme ohne größere Probleme, weil sich Juan wie schon in den vergangenen Wochen als exzellentes Bollwerk in der Abwehrzentrale erwies. Trotzdem wäre es wie im Hinspiel um ein Haar Monterrubio gelungen, für den ersten Knalleffekt in diesem Achtelfinale zu sorgen. Diesmal aber scheiterte er nach 23 Minuten an jenem Mann, der momentan für die meisten Schlagzeilen aus Leverkusen sorgt: Torwart Rene Adler, bis dahin überhaupt nicht geprüft, bewahrte seine Mannschaft vor einem Rückstand.


    Die Taktik der kontrollierten Offensive hat den Vorteil, dass dem Gegner nicht viele Möglichkeiten für überraschende Gegenangriffe geboten werden - und den Nachteil, dass man möglicherweise selber auch nicht zu vielen Chancen kommt. Eine solche vergab Barbarez nach dem kleinen Schreckmoment gleich im Gegenzug, als er nach einem Eckball völlig unbedrängt und völlig folgenlos zu einem Kopfball kam. Aber die geduldige Spielweise der Leverkusener zahlte sich trotzdem noch in der ersten Halbzeit aus. Wer immer sich zuletzt gefragt hatte, warum sich der FC Liverpool für die nächste Saison die Dienste von Andrej Woronin gesichert hat, bekam in der 36. Minute eine Antwort. Mit der Brust nahm der Ukrainer ein ausnahmsweise nicht besonders gelungenes Zuspiel von Bernd Schneider an der Strafraumgrenze gekonnt an und traf volley zur Halbzeitführung ins Tor des RC Lens.


    Ein Häufchen Jubel


    Das Ergebnis gab Skibbe recht, und der Leverkusener Trainer hatte in der Pause folgerichtig keinen Grund, etwas zu ändern. Es blieb bei Woronin als einziger Spitze, meist unterstützt von Kießling und gelegentlich von dem aus dem Mittelfeld nachrückenden Barbarez. Diesen Freiraum nutzte der Bosnier nach 55 Minuten so aus, wie es sich Skibbe vorgestellt hatte. Woronin hatte nach einer Flanke von Schneider per Kopf den Innenpfosten getroffen, den Abpraller schob der 35 Jahre alte Barbarez gelassen zum 2:0 ins Tor.


    Angeführt vom überragenden und immerhin auch schon 33 Jahre alten Schneider, der nach der WM offensichtlich in einen Jungbrunnen gefallen ist, blieb Leverkusen auch danach die bestimmende Mannschaft - und gestattete sich obendrein gegen die enttäuschenden Franzosen auch noch so manches Kabinettstückchen.


    Technischer Direktor: Bernd Schneider


    Woronin versuchte, mit der Hacke dem dritten Tor näher zu kommen, und Schneider zeigte, warum man ihn den weißen Brasilianer nennt. Das 3:0 nach 70 Minuten war dagegen wieder ein Stück solider Trainingsarbeit, als Juan nach einem Eckball freistehend seine Kopfballüberlegenheit überzeugend demonstrierte.


    Die Möglichkeit einer Verlängerung war damit dahin, die eines Gegentreffers noch nicht. Der eingewechselte Monnet-Paquet vergab aber eine Viertelstunde vor Spielende die letzte Gelegenheit, Lens noch einmal ins Spiel zurückzubringen, als er völlig freistehend im Fünfmeterraum an einer Hereingabe vorbeirutschte. So blieb es ein Abend, an dem Bayer alles richtig machte - und alles hätte anders kommen können, wenn Adler in der 23. Minute nicht bewiesen hätte, warum er mittlerweile in Deutschland schon als Wundertorwart gehandelt wird


    Bayer Leverkusen - RC Lens 3:0 (1:0) / Hinspiel 1:2
    Leverkusen: Adler - Castro, Callsen-Bracker, Juan, Babic - Rolfes - Schneider, Barbarez, Barnetta (90.+2 Stenman) - Kießling (80. Schwegler), Woronin (90. Freier)
    Lens: Itandje - Demont, Coulibaly, Hilton, Tixier (46. Dindane) - Gillet - Jemaa, Carriere, Seydou Keita, Monterrubio (72. Boukari) - Cousin (72. Monnet-Paquet)
    Schiedsrichter: Olegario Benquerenca (Portugal)
    Tore: 1:0 Woronin (36.), 2:0 Barbarez (55.), 3:0 Juan (70.)
    Zuschauer: 22.500 (ausverkauft)
    Gelbe Karten: Callsen-Bracker, Castro, Woronin - Itandje, Demont, Seydou Keita, Dindane



    Text: F.A.Z.
    Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS

    Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorbei, in der man kann.